Coronifizierte Gesellschaft (2): Blinde Naturbeherrschung

Coronifizierte Gesellschaft (2): Blinde Naturbeherrschung


Ging es im ersten Teil darum, wie die Regierung die Freiheitsbeschränkungen aufrechterhält, ohne die Kriterien einer Epidemie je dargelegt zu haben, behandelt der zweite Teil einen ähnlich realitätsfremden Aspekt der coronifizierten Gesellschaft: die „Laborpandemie“.

Coronifizierte Gesellschaft (2): Blinde Naturbeherrschung

von Felix Perrefort

Statt Menschen rückten Viren in den Mittelpunkt, denen ein kontrollwütiger Hygienestaat mit Hilfe einer Testpraxis auf die Spur zu kommen meint, die ungeeignet dazu ist, das Infektionsgeschehen abzubilden. Dabei gründet schon die Annahme, man könne es staatlich kontrollieren, in einer Allmachtsfantasie, die sich in Herrschaft übersetzt.  

Realistisch interpretiert und korrekt dargestellt, lassen sich die im ersten Teil besprochenen Daten noch mit einer empirischen Wirklichkeit korrelieren – dem Verlauf der SARS-CoV-2-Welle in Deutschland. Anders sieht es mit den täglich vermeldeten „Neuinfektionen“ aus, mit denen Politik und Medien die Bevölkerung über den gesamten Sommer hindurch auf Trab hielten und sie in eine mediale Parallelwelt schickten, die in einer empirischen Wirklichkeit kaum noch geerdet war.  

Seit Mai, ab dem in Sachen SARS-CoV-2 wirklich nichts mehr los war, aber die meisten dennoch wenig bis nichts gegen die damals eingeführte Alltagsvermummung einzuwenden hatte, testeten die Deutschen geradezu zwangsneurotisch aus dem saisonal reduzierten Grundrauschen der Corona-Viren ziemlich kostspielig eine „Laborpandemie“ herbei, die mit einer um den Menschen zentrierten Lebenswirklichkeit in Arztpraxen und Krankenhäusern kaum noch zusammenhing – deren Personal man zur Beurteilung der „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ ohnehin zu keinem Zeitpunkt hinreichend konsultierte. Allein das in der Alltagspraxis in der Regel durchscheinende Erfahrungswissen darum, dass Abstandsgebote weder zur eigenen noch zur Gesundheit anderer beitragen, konnte einem noch das Gefühl vermitteln, immerhin nicht vollständig in einem landesweiten Theater zu sitzen, in dem eine Bekämpfung einer Epidemie aufgeführt wurde, die weder sinnlich erfahrbar noch empirisch messbar war. 

Viren statt Menschen rücken in den Mittelpunkt

Mit der Abstraktion von der Krankheit und dem damit einhergehenden geradezu wahnhaften Kontroll-Fokus auf ein leicht übertragbares und deswegen nicht zu regulierendes Erkältungsvirus, was das postmoderne Theorem der „Dezentrierung des Menschen“ gesundheitspolitische Wirklichkeit werden ließ, brachten dann auch drastisch erhöhte Testkapazitäten (1.167.870 Tests in KW 41, Anfang Oktober, im Vergleich zu „nur“ 348.619 Tests in KW 13, Mitte März) steigende positive Testergebnisse hervor, wenngleich der Anteil der positiven Tests an der Gesamtmenge ab Mai und für jeden auf Wikipedia leicht auffindbar verschwindend gering war. Mit solcherart Vorgehen wurde und wird ernsthaft und mit Warnung vor einer zweiten Welle suggeriert, dass sich so und so viele Menschen vom jeweils gestrigen Tag auf den jeweils heutigen „angesteckt“ hätten, was nicht nur deshalb irreführend ist, da positive Testergebnisse zur Menge der Tests nicht ins Verhältnis gesetzt werden, sondern der PCR-Test zu diagnostischen Zwecken schlicht ungeeignet ist. Man sollte sich einmal vor Augen führen, was das eigentlich bedeutet. 

Mit dem PCR-Test sucht man nach winzigen Genabschnitten, die repliziert und damit messbar gemacht werden: 

„Der Biochemiker und Nobelpreisträger Kary Mullis hatte den PCR-Test im Jahr 1983 entwickelt, um DNA-Sequenzen in vitro zu vervielfältigen. Sein Test, so Mullis, sei für diagnostische Zwecke nicht geeignet. Wie die Biologin Prof. Ulrike Kämmerer, die Immunologin und Virologin Prof. Dolores Cahill, der Immunologe Prof. Pierre Capel und der Mikrobiologe Dr. Clemens Arvay im Corona-Ausschuss übereinstimmend erklärten, kann mit dem Test auch heutzutage nicht festgestellt werden, ob eine aktive Virusinfektion vorliegt. Die mit dem Test aufgefundenen Gensequenzen können ebenso gut aus einer bereits überwundenen Virusinfektion oder einer Kontamination stammen, die gar nicht zu einer Infektion führt.“ (corona-ausschuss.de, 14.9.20) (Vgl. a. weltwoche.ch.

Dass solcherart Kenntnisse von Befürworten der Regierungslinie als „alternative Wissenschaft“ einer „Youtube-Universität“ verworfen werden, war nicht nur ein peinlicher, die eigene regierungskonforme Hobby-Virologie notdürftig kaschierender Versuch der Realitätsabwehr, sondern blamierte sich auch daran, dass sie auch von offizieller Seite wohl nie wirklich bestritten wurden. Am 23. September, also nach Monaten exzessiven Testens, fällt Christian Drosten ein, der Bevölkerung Folgendes mitzuteilen: „Wir zeigen jetzt, wie der PCR-Test mit der eigentlichen Infektiosität korreliert. Das heißt, wir können jetzt nicht mehr nur sagen, ob jemand infiziert ist, sondern auch, ob er zum Zeitpunkt des Tests eine infektiöse Virusdosis trug.“ 

Damit hat er eingestanden, dass mittels „seines“ Tests Menschen in Quarantäne gezwungen und damit ihrer Bewegungsfreiheit beraubt wurden, ohne dass überhaupt bewiesen war, dass sie infektiös waren. Nicht nur deshalb, sondern auch weil einem Ringversuch zufolge der PCR-Test mit bis zu 7,6-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf das bekannte Corona-Virus HCoV OC 43 positiv reagiere und noch unzuverlässigere Tests im Umlauf seien, ist es „unmöglich festzustellen, wie viele der – Stand 27. August 2020 – insgesamt 239.507 vom RKI positiv getesteten Personen tatsächlich infiziert waren. Das Gleiche gilt für die 9.288 bis dahin angabegemäß in Zusammenhang mit Corona Verstorbenen.“ (corona-ausschuss.de, 14.9.20)

Staatliche Kontroll- und Allmachtsfantasien

Zu fragen wäre demnach, wie es hat passieren können, dass man letztlich unbelastbare und für sich nicht aussagekräftige Daten zur Entscheidungsgrundlage für die Aufrechterhaltung des Ausnahmezustand erklärt hat, ohne dass dies innerhalb des Mainstreams auf nennenswerte Skepsis, gar Widerstand gestoßen wäre. Inzwischen mehren sich zwar kritische Stimmen (etwa auf spiegel.dewelt.de oder bei Boris Palmer), doch zu den regelrecht „autistisch abgeschotteten“ Durchregierern scheinen sie nicht vorzudringen.  

Die Corona-Politik liegt in der Tendenz der Zeit. Sie gründet in einer staatlichen Kontroll- und Allmachtsfantasie, die sich analog zur Klimapolitik dadurch auszeichnet, auf ein womöglich gar chaotisches System wie das gesamtgesellschaftliche Virengeschehen planmäßig und auf Grundlage mathematischer Modelle, bei denen nur eine Variable fehlen muss, um völlig andere Ergebnisse zu produzieren, Einfluss zu nehmen – während derselbe Staat sich aus Bereichen, in denen eine vernünftige Naturbeherrschung (Kernkraft) und eine menschenfreundliche Sozialpolitik möglich wären, immer mehr zurückzieht. Mehr noch: Einhergehend mit dieser auch neoliberal genannten Selbstzurücknahme des Staates und Überantwortung des Einzelnen an sein vermeintliches Schicksal (Stichwörter: Hartz-4, Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen, Prekarisierung etc.), maßt er sich im Gegenzug quasi komplementär eine Form von Naturbeherrschung an, die sich unmittelbar in gesellschaftliche Repression übersetzt. 

So tritt Herrschaft als passive Aufkündigung sozialdemokratischer Solidarität und zugleich aktive Disziplinierung mittels gesundheitspolitischer Autorität in eine neue Phase. Das derzeit viel diskutierte Phänomen der „Kontaktschuld“, das es bezeichnenderweise ja auf politisch-ideologischer wie virologischer Ebene gibt, wäre als Symptom dieser Tendenz zu deuten: Die Menschen werden nicht mehr als zu vernünftiger Selbst-Organisation fähige Wesen betrachtet, sondern im Gegenteil: als im Quasi-Naturzustand einander feindlich gegenüber stehende, denn ideologisch wie gesundheitlich ansteckende Infektionsquellen, die kultursensibel und virenbesorgt bevormundet und diszipliniert gehören. Unter Corona erodiert die stets krisenhaft konstituierte bürgerliche Gesellschaft ein ganzes Stück weiter. Was in ihr als Verein freier Menschen zumindest angelegt ist, scheint immer seltener noch auf.   

Ausnahmezustandsleugner Frank Steinmeier 

Mit der Gefährdung der Meinungsfreiheit, die nicht nur von ihrer formell-rechtlichen Gewährung, sondern auch davon lebt, dass man sich ohne Angst, ins soziale und ökonomische Abseits zu geraten, öffentlich äußern kann, geht unter Corona die Einschränkung der Handlungsfreiheit einher. Was man sagen und tun kann, muss durch das immer engmaschiger werdende Netz staatlicher Regularien, die von vorauseilenden Musterbürgern willig vollstreckt werden. 

Die „Sehnsucht nach dem Ausnahmezustand“, von der in ideologiekritischen Kreisen stets gewarnt wurde, hat sich nun tatsächlich in einer neuen „Normalität“ materialisiert, deren Status als Ausnahmezustand sie zugleich verschleiert: „Wir haben den Corona-Ausnahmezustand gemeistert, jetzt werden wir nicht an der Corona-Normalität scheitern“, verkündete Bundespräsident Frank Steinmeier. Erwartungsgemäß wird Deutschland diesen Zustand in seiner landestypischen Mischung aus Rechthaberei, Selbstzelebrierung und Realitätsverleugnung analog zur Flüchtlingspolitik noch länger durchhalten als die benachbarten Nationen, um die es nicht unbedingt besser bestellt ist. Auszubrechen wäre aus der Katastrophe, die sich mit ihren Parolen der Verantwortung, der Vorsicht und des Schutzes den Weg in ein „fortschrittliches“ Konglomerat moralischer Gemeinschaften bahnt, deren menschenfreundlich camouflierter Tatendrang seit jeher zuverlässig die Residuen individuellen Glücks attackiert. 

Manches von dem, was Adorno und Horkheimer in der Dialektik der Aufklärung philosophisch als rettende Kritik an einer Zivilisation umrissen haben, deren technischer Fortschritt die Menschen in ihrer undurchschauten gesellschaftlichen Praxis wiederum unterwirft, wird in der Corona-Politik zum Greifen nahe: 

„Die Gesellschaft setzt die drohende Natur fort als den dauernden, organisierten Zwang, der, in den Individuen als konsequente Selbsterhaltung sich reproduzierend, auf die Natur zurückschlägt als gesellschaftliche Herrschaft über die Natur. Wissenschaft ist Wiederholung, verfeinert zu beobachteter Regelmäßigkeit, aufbewahrt in Stereotypen. Die mathematische Formel ist bewußt gehandhabte Regression, wie schon der Zauber-Ritus war; sie ist die sublimierteste Betätigung von Mimikry. Technik vollzieht die Anpassung ans Tote im Dienste der Selbsterhaltung nicht mehr wie Magie durch körperliche Nachahmung der äußeren Natur, sondern durch Automatisierung der geistigen Prozesse, durch ihre Umwandlung in blinde Abläufe. Mit ihrem Triumph werden die menschlichen Äußerungen sowohl beherrschbar als zwangsmäßig. Von der Angleichung an die Natur bleibt allein die Verhärtung gegen diese übrig. Die Schutz- und Schreckfarbe heute ist die blinde Naturbeherrschung, die mit der weitblickenden Zweckhaftigkeit identisch ist.“

Die „blinde Naturbeherrschung“ mittels einer kopflos-spekulativen Maßnahmenpolitik fußt auf der „Automatisierung geistiger Prozesse“ in einer öffentlich (bis dato nahezu) unbegriffenen Testpraxis, der man fatalerweise zutraut, eine epidemische Realität objektgetreu abzubilden. Mit Bezug auf Adorno und Horkheimer wäre diese Praxis als „Regression“ auf ein naturwissenschaftlich-verzerrtes und damit irrational-naturalistisches Niveau zu deuten, auf welchem dem Menschen sein soziales Wesen nur unter Vorbehalt zugestanden wird, er vornehmlich als naturhafte Virenschleuder erscheint. „Zivilisation ist der Sieg der Gesellschaft über Natur, der alles in bloße Natur verwandelt.“

„Anstößig heute ist das Unzeitgemäße jener Regungen“ 

„Menschliche Äußerungen“ – Händeschütteln, sich beim Einkaufen einmal anzulächeln, in der U-Bahn quatschen – wurden „beherrschbar“ und selbst dann noch durch lächerliche Begrüßungsverrenkungen und Selbstdemütigungen sowie „zwangsmäßiges“ Verhalten wie einsames Maskentragen gar im Freien oder phobisches Desinfizieren ersetzt, als auch wissenschaftlich längst evident war, dass die Schmierinfektion kein wahrscheinlicher Übertragungsweg ist. Das Virus lauere schließlich überall, jeder Mensch sei eine potenzielle Gefahrenquelle, urteilten die Corona-Neurotiker, die ihr Unbehagen an der Zivilisation nun in bester Gesinnung als Lebensschutz für die Alten ausgeben konnten, die einzusperren und von ihren Liebsten zu isolieren sie für eine menschenfreundliche Sache hielten. Adorno und Horkheimer kamen dem aktuellen misanthropischen Gebaren verblüffend nahe, wenn sie vor Jahrzehnten schrieben: „Was als Fremdes abstößt, ist nur allzu vertraut. Es ist die ansteckende Gestik der von Zivilisation unterdrückten Unmittelbarkeit: Berühren, Anschmiegen, Beschwichtigen, Zureden. Anstößig heute ist das Unzeitgemäße jener Regungen.“ Sinnbild dieser unzeitgemäßen Anstößigkeit ist die allenthalben installierte Plexiglasscheibe. 

Die „Verhärtung gegen die Natur“ betrifft nicht nur die Verkennung des Umstands, dass auch ihr letztlich etwas Unverfügbares zukommt, das sich selbstredend nicht unter staatliche Kontrolle bringen lässt; dass der nichtsdestotrotz durchgeführte Versuch zwangsläufig auf Herrschaft statt auf natur- und menschenfreundliche Versöhnung zielt. Verhärtet haben sich die Menschen gegen sie auch, indem sie ihre nur gesellschaftlich sublimierbaren Bedürfnisse, die jedoch ihren Triebgrund in jener Natur haben, mehr oder weniger konsequent einem gesundheitspolitischen Regime unterworfen haben, das über die versuchte Kontrolle der äußeren Natur des Corona-Virengeschehens auf jene innere der Triebdisposition übergriff. Die Bedürfnisse haben nun den „hygienischen“ Imperativen zu gehorchen. Was das derzeit mit Menschen macht, die sich noch mitten in der Entwicklung befinden, ist ungewiss.    

So vollendet sich die staatliche Corona-Politik als Selbstzurichtung und Denunziationslust, die bis heute jene trostlos-autoritären Gestalten motiviert, für die sich die Forderung nach dem guten, unreglementierten Leben inzwischen als eine Rechtfertigung eines staats- oder gesellschaftsfeindlichen Corona-Anarchismus darstellt, der bereit sei, über Leichen zu gehen. Jedenfalls solange, bis die Menschen per medizinisch für die meisten nicht indizierter Impfung – die im Falle der Schweinegrippe für nicht Wenige katastrophale Folgen hatte – zwangsbeglückt werden, wobei das RKI schon hat durchblicken lassen, dass Abstands- und Hygieneregeln selbst danach noch gelten sollten. 

erschienen auf ACHGUT


Autor: AchGut
Bild Quelle: Bundesregierung


Samstag, 17 Oktober 2020

**********

Wir benötigen Ihre Spende
für den Betrieb von haOlam.de

für 2020 fallen kosten von 7400€ an, davon haben wir bereits von Ihnen als Spende 41% erhalten.

41%

Stärken Sie eine Stimme der Wahrheit – Unterstützen Sie die Journalistische Arbeit von haOlam.de!

**********

Spenden an den gemeinnützigen Trägerverein von haOlam.de können von der Steuer abgesetzt werden.

Wir bedanken uns bei allen Spendern für die Unterstützung!

Spenden via PayPal



  Alle Felder müssen ausgefüllt werden
Name:
E-Mail:
Text:
Sicherheitsabfrage 11+ 5=
Ich versichere, nichts rechtlich und/oder moralisch Verwerfliches geäußert zu haben! Ich bin mir bewusst, das meine IP Adresse gespeichert wird!