Gestern im Beichtstuhl

Gestern im Beichtstuhl


Beichten in Zeiten des Lockdowns: „Pater, ich habe gesündigt.“

Gestern im Beichtstuhl

Von Claudio Casula

„Worum geht es, mein Sohn? Etwa wieder um das Haus, das du mitten in der Krise für ein paar Milliönchen gekauft hast?“

„Nein… mich plagt das schlechte Gewissen, weil ich so kläglich versagt habe…“

„Aber was bedrückt dich so, dass du jetzt hier bei mir im Beichtstuhl kniest? Bist du denn nicht der beliebteste Politiker des Landes?“

„Schon, ja. Aber ich weiß doch selbst, wie absurd das ist. Im Januar habe ich noch ,zur Einordnung’ behauptet, dass der Krankheitsverlauf beim Coronavirus milder sei als etwa bei einer Grippe. Das sei eben ein Risiko, das wir jeden Tag haben.“

„Aber ist das denn nicht wahr?“

„Und Ende Januar habe ich mich hingestellt und gesagt, die Gefahr durch das neue Virus für die Gesundheit der Menschen bleibe weiterhin gering - meinte das RKI ja auch. Und im Fernsehen habe ich mich gegen die pauschale Absage von Großveranstaltungen gewandt und von der Verhältnismäßigkeit einer Maßnahme gesprochen. ,Wir können doch nicht das gesamte öffentliche Leben in Deutschland, Europa und der Welt beenden!’“ 

„Nun, mein Sohn, das ist heute so wahr wie damals.“

„Ja, aber dann wurden die Leute unruhig. Die ahnten wohl, dass da jemand eine Krise politisch nutzen will. Das konnten wir nicht zulassen. Da habe ich am 14. März eine Warnung verbreiten lassen: In Fake News werde behauptet, dass die Bundesregierung weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens plane - und dann haben wir zwei Tage später genau das beschlossen!“

„Das ist nun allerdings eine schwere Verfehlung, wenn du schon vorher davon wusstest. Eine Sünde wider das achte Gebot. Oder hat dich deine herrschsüchtige Chefin wieder einmal ausgebremst?“

„Fragen Sie mich nicht, Pater! Eigentlich müsste die hier um Vergebung bitten, aber das käme ihr nie in den Sinn, und außerdem ist sie ja evangelisch... Pfarrerstochter, ha!

Im März lief der ganze Corona-Mist dann richtig aus dem Ruder. Wir hatten einen Mangel an Schutzausrüstung, und nun mussten wir welche ordern. Haben panisch alles bestellt, was wir kriegen konnten. FFP-2-Masken zum Stückpreis von 4,50 Euro und OP-Masken zu jeweils 60 Cent, in einer beliebigen Menge, ab 25.000 Stück. Verträge mit mehr als 700 Lieferanten, für mehr als sechs Milliarden Euro!“ 

„Aber du zitterst ja am ganzen Körper!“

„Mein Gott… Wir haben total die Kontrolle verloren, die Kohle wurde nur noch so rausgeschossen, als gäbe es kein Morgen mehr. 20.000 Beatmungsgeräte geordert, dann 16.000 storniert und wer weiß wie viel ins Ausland verschenkt. So, wie die Schutzausrüstung - nach China! Und erst die App! 20 Millionen Euro für die Entwicklung, 70 Millionen für den Betrieb! Und wofür? Das Scheißding ist völlig nutzlos! Aber wir haben so getan, als hätten wir das Rad neu erfunden! Von den -zig Millionen, die wir für die Berater von Ernst & Young  verballert haben, will ich gar nicht reden…“

„Geld ist nicht alles, mein Sohn.“

„Es hatte schon seinen Grund, dass ich im April gesagt habe: ,Wir werden in ein paar Monaten einander wahrscheinlich viel verzeihen müssen’. Ich ahnte, dass wir das Infektionsgeschehen niemals in den Griff bekommen würden, auch wenn wir das den Bürgerinnen und Bürgern vorgaukelten. Die Pressefritzen haben ja auch den Eindruck erweckt, sodass die Leute nicht in Panik geraten sind, aber das diffuse Angstlevel bezüglich des Virus weiter hoch blieb. Unsere Beliebtheitswerte stiegen sogar steil an! Ich schäme mich ja so…

Im September versprach ich, es werde keinen zweiten Lockdown wie im Frühjahr geben. Mit dem Wissen von heute würde ich ,keine Friseure mehr schließen und keinen Einzelhandel mehr schließen’… - und dann haben wir es doch getan. Es war alles Lug und Trug! Und keiner fragt, warum im Sommer, als es keinen Lockdown gab, nur ganz wenige Menschen an oder mit Corona starben, und warum jetzt, im Winter, trotz Lockdowns, so viele…“

„Die Menschen lassen sich nur zu gern täuschen, mein Sohn.“

„Jetzt ist die Scheiße richtig in den Ventilator geraten. Im Juni wollte ich ja erst diesen BioNTech-Impfstoff im großen Stil kaufen, aber meine Chefin, diese… (unverständlich), zwang mich, das Zeug über Ursula von der Leyen und die EU bestellen zu lassen. Ich wusste gleich, dass viele Köche des Hasen Tod sind…“

„…den Brei verderben.“

„Ja. Die Franzosen kochen sowieso immer ihr eigenes Süppchen und gönnen uns nicht das Schwarze unterm Fingernagel. Jetzt haben wir viel zu wenig von dem Impfstoff, und für zahllose alte Menschen wird das tödlich sein… Die Logistik ist eine Katastrophe, in Berlin haben sie ein Impfzentrum gleich wieder zugemacht und während die Israelis und die Briten fleißig impfen, kommen wir nicht in die Puschen. Und das ist alles meine Schuld, mea culpa, mea maxima culpa…

Ich habe überhaupt keinen Plan, wie wir aus der Nummer wieder rauskommen sollen. Wahrscheinlich müssen wir im Februar die Tests massiv runterfahren, dann kommt der Frühling, die Lage beruhigt sich, und wir können sagen, dass unsere Maßnahmen gewirkt haben. Es ist so verlogen…

Ich habe mich doch nie darum gerissen, Gesundheitsminister zu werden, verflucht! Gesundheitsminister! Mein Gott, ich habe Bankkaufmann gelernt, Politik an der Fern-Uni studiert. Ich weiß doch selbst nicht, ob diese idiotischen Masken was nützen, ob das was nützt, wenn wir den Leuten verbieten, sich zu treffen, ihnen die Läden schließen, ihnen saftige Bußgelder aufdrücken, wenn sie abends ihre Enkel nach Hause fahren… (schluchzt) so ein Virus kommt und geht doch, wie es will… Ich fürchte, das wird uns alles noch ganz furchtbar auf die Füße fallen, Pater! Oh mein Gott, was gäbe ich dafür, jetzt hinterm Bankschalter zu stehen…“

Dank an Pater Alceto Balsamico, der das Beichtgeheimnis brach, um Achgut.com dieses Protokoll zuspielen zu können.


Autor: AchGut
Bild Quelle: Sciencia58, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons


Mittwoch, 06 Januar 2021

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