ARD- und ZDF-Faktenchecker erwischt: Die Schamlosen

ARD- und ZDF-Faktenchecker erwischt: Die Schamlosen


Würden Lenin und Stalin heute leben und eine Zeitung herausgeben, würden sie sie wahrscheinlich nicht mehr altmodisch Wahrheit (Prawda) nennen, sondern, in der Sprache unserer Zeit: Faktencheck.

ARD- und ZDF-Faktenchecker erwischt: Die Schamlosen

Von Stefan Frank

Wer seine Meinung als „Faktencheck“ bezeichnet, erhebt sich zum Richter und macht sich den sogenannten Heiligenscheineffekt (halo effect) zunutze. Allein durch den Begriff Faktencheck wird beim Rezipienten die Vorstellung erweckt, dass da jemand Gutes im Schilde führt. 

Ähnlich verfahren Vereine oder Parteien, die durch die Wahl ihres Namens das Programm verkünden, sich für die Umwelt, Menschen- oder Tierrechte einzusetzen. Wer würde da vermuten, dass sie etwas anderes sein könnten als edel, hilfreich und gut? Wer von sich sagt, er sei ein „Faktenchecker“, wie könnte der lügen?

„Faktenchecker“ lügen nicht immer. Leider aber ist der „Faktencheck“ häufig nichts anderes als ein ideologisches Unternehmen, das auf der Hoffnung beruht, im Wettbewerb der Meinungen einen Konkurrenzvorteil zu erhaschen, wenn man behauptet, im alleinigen Besitz der Tatsachen zu sein. Der „Faktencheck“ von ARD und ZDF will die Monopolverwaltung für Wahrheit sein, ähnlich dem Branntweinmonopol.

Doch „weh denen, die bei sich selbst weise sind und halten sich selbst für klug!“ (Jesaja 5,21), sagt der Prophet. Die „Faktenchecker“ von ARD und ZDF sind, was die Wahrheit betrifft – die ja ihr Betriebskapital sein sollte –, ziemlich auf den Hund gekommen, wie zwei Beispiele aus den letzten Tagen zeigen.

ZDF-„Faktencheck“ zur Wiesendanger-Studie

Viele Leser werden von der Veröffentlichung des Hamburger Physikprofessors Roland Wiesendanger mit dem Titel: Studie zum Ursprung der Coronavirus-Pandemie gehört haben, in der dieser sagt: 

„Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es sehr viele Indizien gibt, die einen Laborunfall im Wuhan Institute of Virology als die mit Abstand wahrscheinlichste Ursache für die Corona-Pandemie erscheinen lassen.“

Wie wahrscheinlich ebenfalls die meisten wissen, wurde das Papier sofort von einigen deutschen Politikern, Universitätsfunktionären und Journalisten in der Luft zerrissen. So auch vom ZDF-„Faktencheck“, unter der skandalheischenden Schlagzeile: „Uni Hamburg verbreitet fragwürdige Theorie“. Die einzig legitime Theorie zum Ursprung des Schlamassels sei nämlich die „Fledermaustheorie“, so die beiden ZDF-„Faktenchecker“ Oliver Klein und Nils Metzger. Dass es auch eine andere Erklärung geben könne, sei hingegen eine Idee von: rechten US-Netzwerken.

Nun gehören Viren nicht zu meinem Arbeitsgebiet, und alles, was ich über Fledermäuse weiß, ist, dass sie deutsche Großbauprojekte hassen und diese gern mit Eilanträgen vor dem Verwaltungsgericht lahmzulegen versuchen, meist erfolgreich. Ich bin auch kein Mediziner oder wenigstens ein Quacksalber mit eigener Praxis. Nichts dergleichen. Was ich mir aber zutraue, ist, einen „Fakten-Check“ dem Schnelltest für zu Hause zu unterziehen, um zu sehen, ob der Autor fiebert.

Schauen wir uns den ZDF-„Faktencheck an. Was das Wiesendanger-Papier betrifft, kann Folgendes als gesichertes Wissen gelten und bildet das Fundament seiner Hypthese:

Im Wuhan-Labor wurde mit tödlichen Fledermausviren experimentiert.

Unfälle in Laboren sind möglich (in Marburg wurde 1967 versehentlich ein Ebola-ähnliches Schimpansenvirus auf Menschen übertragen, das Marburg-Virus).

Ab Herbst 2020 ließ das chinesische Regime Wissenschaftler, Ärzte, frühe Coronapatienten und Leute, die Informationen öffentlich machten, verhaften oder verschwinden, weil sie etwas gesagt hatten oder hätten sagen können, was nicht zu der von der chinesischen KP (und dem deutschen ZDF) vertretenen Darstellung passt, wonach das Virus von einem Wildtiermarkt auf Menschen übersprang.

Der Tagesspiegel berichtete im Mai 2020:

„Dazu gehört zum Beispiel die Forscherin Huang Yan Ling. Sie arbeitete in dem Hochsicherheitslabor für Virologie in Wuhan, das seit Jahren an Corona-Virenstämmen forscht. Nachdem Regimekritiker in sozialen Netzwerken Chinas behauptet hatten, dass sie ‚Patient Zero‘ der Pandemie war – und nicht ein Besucher eines Markts für Wildtiere, wie Peking behauptet –, verschwand sie. Alle Hinweise auf sie und ihre Forschung wurden von der Webseite des Labors gelöscht, ebenso die Hinweise in den sozialen Netzwerken.“

Selbst wenn Roland Wiesendangers Arbeit nichts anderes bewirken würde, als Huang Yan Ling in Erinnerung zu rufen und so Druck auf das Regime in Peking erzeugen, endlich die Frage nach ihrem Verbleib zu beantworten, wäre das höchst verdienstvoll. Aber nicht in den Augen der ZDF-„Faktenchecker“. Sie vermeiden dieses Thema und wollen den Anschein erwecken, als wäre die Frage nach der Herkunft des Virus zugunsten der „Fledermaustheorie“ geklärt. Man höre:

„Die Mehrheit der wissenschaftlichen Studien sehen Hinweise für einen natürlichen Ursprung des Virus: Es könnte von einer Fledermausart auf eine andere Tierart übergesprungen und von dieser auf den Menschen übertragen worden sein.“

Aha, die Mehrheit. Die ZDF-Checker scheinen der Ansicht zu sein, dass wissenschaftliche Fragen demokratisch entschieden werden. Wenn die „Mehrheit“ das so sieht, dann wird es wohl so sein. 

Die Behauptung, die Klein und Metzger dann aufstellen und Wiesendanger entgegenpfeffern, ist schlicht falsch:

„Zu diesem Schluss kam im November auch eine Untersuchung der WHO.“

Nein, das kam sie nicht. Aber bleiben wir einen Augenblick bei der vom ZDF betriebenen Autoriätshuberei. Die WHO, die FIFA unter den Weißkittelorganisationen, wird von den ZDF-„Faktencheckern“ offenbar für extrem glaubwürdig gehalten. Mit Recht? Die WHO war schon lange vor der jetzigen Gesundheitskrise für Korruption und Verschwendung bekannt. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP von 2017 gibt die WHO mehr Geld für die Reisen ihrer Funktionäre aus als für den Kampf gegen AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen. Zum Chef wurde 2017 mit dem Nichtmediziner Tedros Adhanom Ghebreyesus jemand gewählt, der bis dahin Außenminister der in Äthiopien brutal regierenden Tigray Volksbefreiungsfront war, eines Flügels der Revolutionären Demokratischen Front der Äthiopischen Völker, die marxistische Wurzeln und enge Beziehungen zur Volksrepublik China hat. Der WHO-Chef ist, wie die Neue Zürcher Zeitung kommentiert, „Teil eines Regimes, das politische Gegner mundtot macht und gleich ganz verschwinden lässt“.

Da haben sich mit ihm und den chinesischen Kommunisten die Richtigen gefunden. Steffen Wurzel vom ARD-Studio Shanghai nannte die WHO im April letzten Jahres „china-hörig“, sprach vom „WHO-Schmusekurs mit China“ und erinnerte daran, dass die WHO noch im Januar 2020 die chinesische Darstellung wiedergegeben hatte, wonach „Untersuchungen der chinesischen Behörden“ „keine eindeutigen Hinweise auf eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ergeben“ hätten. Und auf diese Organisation berufen sich die ZDF-Faktenchecker als Mund der letztgültigen Wahrheit: Wenn die WHO etwas sagt, dann muss es stimmen.

Dazu passt, dass Klein und Metzger die politische Meinungswebsite Epoch Times, die von Exilchinesen betrieben wird, die die Legitimität des chinesischen Regimes bestreiten, als „antichinesisch“ bezeichnet. Regime und Volk werden vom ZDF in eins gesetzt. Das ist so, als würde man Exiliraner, die gegen das Ajatollahregime sind, als „antiiranisch“ bezeichnen. Oder Leute, die Angela Merkel nicht mögen, als „antideutsch“. „Antichinesisch“ ist ein Begriff, der geradewegs aus einer Pekinger Parteischule der KPCh zu stammen scheint (tatsächlich wird die Repression gegen Chinas Christen auch unter dem Motto des Kampfes gegen „feindselige ausländische Kräfte“ ausgeübt).

Ein falscher Beleg

Es kommt noch dicker: Die WHO sagt überhaupt nicht das, was die ZDF-„Faktenchecker“ ihr nachsagen, jedenfalls nicht in dem vom ZDF verlinkten Bericht. Folgt man dem Link und liest die Untersuchung, findet man keinen derartigen „Schluss“. Im Gegenteil steht dort, dass es für die von den ZDF-„Faktencheckern“ favorisierte Theorie vom Überspringen eines Fledermausvirus auf einen Zwischenwirt und von dort aus auf den Menschen „keine Belege“ gebe:

„However, to date the specific reservoir has not been identified and there is no evidence to demonstrate the possible route of transmission from a bat reservoir to human through one or several intermediary animal species (WHO 2020, OIE 2020).“

Trotzdem bezeichnen die Faktenchecker des ZDF diese Behauptung nicht als „fragwürdig“. Sie propagieren sie als angebliche Mehrheitsmeinung und berufen sich dabei auf „eine Untersuchung der WHO“, in der aber diese Behauptung gar nicht gestützt, sondern sogar als unbelegt bezeichnet wird. Der angebliche Beweis der Faktenchecker ist also alles andere als das. Zur „Labortheorie“ hingegen schreiben die Faktenchecker:

„Einige Indizien könnten darauf hindeuten, dass das Virus in einem Labor in Wuhan künstlich hergestellt wurde. Insbesondere rechte US-Netzwerke streuten in der Vergangenheit immer wieder die Labor-Theorie. Tatsache ist, dass Virologen weltweit daran arbeiten, harmlose Erreger im Labor gefährlicher zu machen. Diese sogenannte ‚Gain-of-Function‘-Forschung ist hoch umstritten. Doch auch US-Geheimdienste haben laut einer Presseerklärung keinen Grund zur Annahme, dass SARS-CoV-2 menschengemacht sei.“

Wir haben also zwei Theorien, die beide unbelegt sind. Eine kann so richtig sein wie die andere. Aber es gibt keinen Zweifel daran, welche das ZDF seinen Lesern einbläuen will: Die eine Theorie wird von „rechten US-Netzwerken“ „gestreut“, die andere von den Weltgesundheitsengeln gesungen. Der Faktencheck besteht in nichts anderem als Diffamierung der einen und Anbetung der anderen Seite. Nicht Argumente werden auf ihre Schlüssigkeit geprüft, sondern die Autorität des Sprechers – in diesem Fall die Schamanen der WHO – entscheidet in den Augen der ZDF-Richter darüber, ob eine Aussage glaubwürdig ist.

E-Mail ans ZDF

Faktenchecker, wir müssen reden. Weil Oliver Klein und Nils Metzger mir auf Twitter nicht antworten, wende ich mich an die Pressestelle des ZDF.

„Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich bin freier Journalist und lese, wie wohl jeder derzeit, alles, was es Neues zum Coronavirus gibt. So las ich mit großem Interesse den Faktencheck von Oliver Klein und Nils Metzger: ‚Ursprung des Coronavirus: Uni Hamburg verbreitet fragwürdige Theorie.' Ich habe dazu drei Fragen an die beiden Autoren:

1. Sie schreiben: ‚Die Mehrheit der wissenschaftlichen Studien sehen Hinweise für einen natürlichen Ursprung des Virus: Es könnte von einer Fledermausart auf eine andere Tierart übergesprungen und von dieser auf den Menschen übertragen worden sein. Zu diesem Schluss kam im November auch eine Untersuchung der WHO. Ein Team aus Virologen und Epidemiologen der Weltgesundheitsorganisation WHO ist erst im Januar nach Wuhan gereist, um neue Hinweise zum Ursprung des Coronavirus zu finden.'

In der verlinkten WHO-Studie finde ich aber keinen derartigen Schluss, sondern auf Seite 4 eine Äußerung, die dem sogar zu widersprechen scheint:

>>However, to date the specific reservoir has not been identified and there is no evidence to demonstrate the possible route of transmission from a bat reservoir to human through one or several intermediary animal species (WHO 2020, OIE 2020).<<

2. Sie setzen in Ihrem Text die „Fledermaus-Theorie“ der „Labor-Theorie“ diametral entgegen, so, als würden beide einander ausschließen. Nun kann aber durch einen Laborunfall doch auch ein in der Natur vorkommendes Virus freigesetzt werden, d.h. Menschen anstecken, wie es im Sommer 1967 in Marburg mit dem Ebola-ähnlichen Virus des Schimpansenaffen (Marburg-Virus) passierte. Dann wäre eine etwaige natürliche (Fledermaus-) Provenienz kein Beweis dafür, dass Herr Prof. Wiesendanger mit seiner Laborunfall-Theorie falsch liegt, oder?

3. Sie nennen Herrn Prof. Wiesendangers Theorie „fragwürdig“, weil sie nicht bewiesen sei. Aber das gilt doch für viele wissenschaftliche Theorien (Relativitätstheorie, Urknalltheorie etc.), oder? Und es gilt eben auch für die von Ihnen erkennbar favorisierte Fledermaus-Theorie. Weil es keine Beweise dafür gibt, dass auf dem Wildtiermarkt von Wuhan ein Virus auf einen Menschen übergesprungen ist, müssten Sie konsequenterweise diese Theorie ebenfalls als „fragwürdig“ bezeichnen. Das tun sie aber nicht, sondern geben sich Mühe, ihre Plausiblität zu betonen („Die Mehrheit der wissenschaftlichen Studien sehen Hinweise...“). Warum?

Die Antwort der Pressestelle kommt schnell:

Sehr geehrter Herr Frank,

die Autoren des Faktencheck-Artikels auf der ZDFheute.de baten mich, Ihnen folgende Rückmeldung zu geben:

zu 1.: In dem Text waren zu Beginn fünf Studien verlinkt – nur eine kleine Auswahl –, die eher Hinweise für einen natürlichen Ursprung des Virus liefern.“

Es „waren“ einmal „fünf Studien verlinkt“, die „eher Hinweise“ liefern? Wo sind die Studien jetzt? Im „Faktencheck“ jedenfalls nicht. Der angegebene Beleg ist keiner und die anderen „fünf Studien“ sind was – verschwunden? Die Studien, die ihre Behauptung belegen, waren mal da. beteuern sie, nur im Augenblick sind sie es leider gerade nicht. Die Wahrheit ist irgendwo da draußen.

Über den Pressesprecher teilen Klein und Metzger noch einmal mit:

„Auch die WHO geht eher davon aus, dass vieles auf Fledermäuse hindeutet.“

Das wäre überhaupt nur dann ein Argument, wenn man die WHO für eine Autorität hielte, die die Wahrheit besitzt. Doch das „eher“ bedeutet eben, dass selbst die WHO sich keine sichere Aussage zutraut. Selbst wenn: Würde das bedeuten, dass ein wissenschaftlicher Disput umgehend zu beenden wäre und alle anderen Erklärungsansätze nicht weiterverfolgt werden dürfen? Die Faktenchecker fahren fort:

„In der verlinkten WHO-Studie schreibt die WHO im vergangenen November auf Seite 3: ‚Two of the genetically closest known coronaviruses, RaTG13 and RmYN02, were discovered in bat populations in Yunnan province of China.'“

Die zwei genetisch am nächsten mit SARS-CoV-2 verwandten Coronaviren, RaTG13 and RmYN02, sind also in Fledermauspopulationen entdeckt worden. Was Klein und Metzger nicht zitieren, sind die daran anschließenden Sätze, in denen die WHO-Autoren zugeben, dass diese Viren sich so stark von dem den Menschen befallenden Virus SARS-CoV-2 unterscheiden, dass man nur von „entfernten (!) Verwandten“ sprechen könne. Die Checker zitieren also selektiv und verdrehen so mutwillig die Aussage der von ihnen wiedergegebenen Quelle ins Gegenteil. Weiter schreiben sie mir:

„Prof. Wiesendanger geht in seiner Labor-Theorie davon aus, dass es sich nicht um ein natürlich vorkommendes Virus handelt, sondern um ein künstlich hergestelltes.“ 

Ist daran etwas unseriös? Dass in Wuhan auch mit genetisch veränderten Viren experimentiert wurde, ist kein Geheimnis. Ein Team der Washington Post berichtete am 1. Mai 2020 sowohl darüber als auch über Unfälle, die es bei solchen Experimenten immer wieder gibt:

„Obwohl die Wissenschaftler [im Virenlabor von Wuhan; S.F.] Handschuhe und Masken trugen und andere Schutzmaßnahmen ergriffen, sagten US-Experten, die die Experimente begutachtet haben, dass die Vorsichtsmaßnahmen die Forscher nicht unbedingt vor schädlichen Expositionen schützen würden, sei es in Höhlen oder im Labor. Die Risiken beschränkten sich nicht nur auf Interaktionen mit Tieren. In Dutzenden von Routinestudien mussten Viren aus Fledermauskot extrahiert und in Chargen gezüchtet werden, um in einer Vielzahl von Experimenten verwendet zu werden. Für einige Projekte haben die Forscher genetisches Material aus verschiedenen Coronaviren zusammengefügt, um Zwitter zu erzeugen, die menschliche Zellen für Laborexperimente leichter infizieren könnten.“

Was sind „fragwürdige Quellen“?

Diese Forschung habe „chinesische Wissenschaftler veranlasst, wiederholt vor der Möglichkeit einer neuen SARS-ähnlichen Krankheit zu warnen, die den Sprung von Fledermäusen zum Menschen schafft“. Mit jedem Experiment „ergaben sich jedoch Möglichkeiten für eine versehentliche Exposition gegenüber gefährlichen Krankheitserregern, sagen Experten.“ Tatsächlich ereigneten sich solche Unfälle „jedes Jahr Dutzende Male in Hochsicherheitslabors auf der ganzen Welt, einschließlich in den Vereinigten Staaten“, so die Washington Post. Aufzeichnungen über Unfälle in US-Labors zeigten etliche „versehentliche Infektionen mit tödlichen Mikroben, einschließlich der Erreger von Milzbrand, Ebola und der Pest“. Für chinesische Labore gebe es keine derartigen Aufzeichnungen, doch in einem letztes Jahr veröffentlichten wissenschaftlichen Artikel seien „weit verbreitete systemische Mängel bei der Schulung und Überwachung von Hochsicherheitslabors beschrieben“, in denen mit Krankheitserregern gearbeitet wird. „Die Wartungsarbeiten werden im Allgemeinen vernachlässigt. Mehrere hochrangige BSLs (Labors für biologische Sicherheit) verfügen nicht über ausreichende Betriebsmittel für routinemäßige und dennoch wichtige Prozesse“, heiße es in dem im Journal of Biosafety and Biosecurity veröffentlichten Artikel von Yuan Zhiming, Chefwissenschaftler bei Wuhan“, so die Washington Post. In den meisten Labors fehlten „spezialisierte Manager und Ingenieure für die biologische Sicherheit“.

Also: In Wuhan wurde mit genveränderten Viren gearbeitet und durch Unaufmerksamkeit oder Nachlässigkeit verursachte Unfälle sind – wer hätte das gedacht – nicht auszuschließen, sondern kommen überall auf der Welt immer wieder vor. Was Professor Wiesendanger gemacht hat, ist, zwei und zwei zusammenzuzählen, indem er die ebenfalls bekannte Tatsache der verschwundenen Wissenschaftler miteinbezogen und daraus seine eigenen Schlüsse gezogen hat.

Weil die Faktenchecker des ZDF ihm an keiner Stelle einen Fehler nachweisen können, konzentrieren sie sich auf vermeintliche Formfehler:

„So verwendet Wiesendanger fragwürdige Quellen: unter anderem Artikel des Magazins „Focus“, des bei Verschwörungstheoretikern beliebten Portals „Epoch Times”, daneben Wikipedia-Artikel, Twitter-Accounts und Youtube-Videos. Ein als Quelle genanntes Video vom 1. April trägt den Titel ‚Ich habe den Ursprung des Coronavirus gefunden‘.“

Was wollen die Faktenchecker damit sagen? Dass Wiesendangers Arbeit unseriös wäre, weil er die Quellen eben von dort zitiert, wo sie zu finden sind? Twitter und YouTube sind nicht einmal Quellen, sondern Fundorte, wo man alle möglichen Quellen findet, darunter auch wissenschaftliche Vorträge. Für einen Wissenschaftler gibt es keine Quellen, die von vornherein tabu sind. Ein Beispiel: PLO-Chef Jassir Arafat gab 1988 dem Playboy ein Interview über sein Leben. Sollte jemand, der eine wissenschaftliche Biografie Arafats schreibt, darauf verzichten, weil der Playboy nicht als wissenschaftliche Literatur gilt? Das wäre dumm.

Was nun den Focus betrifft, haben sich die Faktenchecker nicht einmal die Mühe gemacht, nachzuschauen, was Wiesendanger da zitiert: nicht etwa einen Beitrag, der seine These stützt, sondern einen, der ihr widerspricht und die These vom im Labor gezüchteten Virus als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet. Es ist also ein Artikel, in dem die ZDF-Linie wiedergegeben wird, wonach man nicht über einen möglichen Laborursprung des Virus sprechen darf. Warum darf Wiesendanger, um die Gegenposition klarzumachen, keinen Beitrag aus dem Focus zitieren? Wäre das ZDF eine erlaubte Quelle? Ein ziemlich hohes Ross reiten da zwei Leute, die für einen Sender arbeiten, dessen Nachrichtenredakteure die US-Bundesstaaten Iowa und Colorado verwechseln. Und die Checker haben sich es sehr einfach gemacht: Statt Argumente vorzubringen, machen sie sich über die Literaturliste lustig.

Viel Ideologie, wenig Überprüfung

Einige Formulierungen im „Faktencheck“ zeigen deutlich die Voreingenommenheit der Faktenchecker, die die von ihnen behandelte Frage nicht als eine wissenschaftliche, sondern als eine ideologische betrachten. Warum sonst würden sie die Theorie eines Laborunfalls mit „Netzwerken der US-Rechten“ – was immer das sein mag – in Verbindung bringen? Es ist eine ad-personam-Argumentation, mit der Absicht der Verunglimpfung.

Man kennt die Praxis, wissenschaftliche Thesen aus sachfremden Gründen abzulehnen (etwa, weil sie mit einer unliebsamen Person oder Gruppe in Verbindung gebracht werden), aus totalitären Systemen: Albert Einsteins Relativitätstheorie wurde im Dritten Reich abgelehnt, weil er Jude war; in der Sowjetunion und der Volksrepublik China wiederum war sie als „unmaterialistisch“ verfemt. Auch die Faktenchecker des ZDF schauen allein auf den Autor, nicht auf das, was er zu sagen hat.

Doch, die Uni Canberra will die Begriffe „Mutter“ und „Vater“ abschaffen

Ein anderes Beispiel für die Vorgehensweise der öffentlich-rechtlichen Faktenchecks kommt von der ARD. „Eine Uni in Australien“, schreibt Faktenfinder Patrick Gensing (oben im Bild), habe „eine Handreichung für gendergerechte Sprache veröffentlicht“. Obwohl dies „nicht ungewöhnlich“ sei, sei das „Handbuch“ (Gensing meint ein 26-seitiges PDF-Dokument) „um die Welt“ gegangen – „gespickt mit irreführenden Behauptungen“. International hätten „vor allem konservative und rechte Medien“ darüber berichtet. Ach, die schon wieder. Deren Schlagzeilen seien „größtenteils irreführend“, denn: „Die Universität Canberra hat gar nicht gefordert oder vorgeschlagen, bestimmte Begriffe abzuschaffen oder zu ersetzen, sondern vielmehr die Sprache zu erweitern.“ Das „Handbuch“ wende sich „an Pädagoginnen und Pädagogen, um ‚sichere und integrative Lernumgebungen‘ für alle zu schaffen“, hat der ARD-faktenfinder sich von der Autorin des Leitfadens, Professorin Fiona Jenkins vom Institut für Gender-Forschung der Universität Canberra, erklären lassen.

Wenn man wissen will, was in einem Dokument steht, gibt es zwei Möglichkeiten. Der normale Mensch liest es, der Faktenfinder aber liest es nicht, sondern befragt stattdessen eine Professorin für Gender-Forschung. Was Faktenfinder Gensing von der erfuhr, reicht er unbesehen an die Leser weiter:

„Die Behauptung, dass das Handbuch dazu anweise, die Worte ‚Mutter‘, ‚Vater‘ und ‚Stillen‘ durch ‚Schwangerschaftseltern‘, ‚nicht leibliche Eltern‘ bzw. ‚Bruststillen‘ zu ersetzen, ‚entbehrt jeder Grundlage‘, so Jenkins. Es gebe keine Bestrebungen, die Worte ‚Mutter‘, ‚Vater‘ oder ‚Stillen‘ zu ersetzen, sondern den Rat, diese Worte durch geschlechtsneutrale Optionen zu ergänzen, wenn es angebracht oder von Menschen gewünscht sei.“

Soweit der „Faktencheck“. Checkt man aber die Quelle, sieht man hier wieder, dass dort keineswegs das steht, was der Faktenfinder seinen Lesern weismachen will. Die Autoren fordern dort klipp und klar dazu auf, Wörter wie „Mutter“, „Vater“, „Geburt“ und breastfeeding (Stillen mit der weiblichen Brust) durch geschlechtlose zu ersetzen – und nicht etwa zu ergänzen. Während sich viele Studenten als „Mütter“ oder „Väter“ identifizierten, heißt es in dem Text, schließe „die alleinige Verwendung dieser Begriffe zur Beschreibung der Elternschaft diejenigen aus, die sich nicht mit Geschlechts-Binären identifizieren“ und könne „transmaskuline Eltern und nicht-heteronormative Familien verwirren, isolieren und schädigen“. Es werde „daher empfohlen, lieber die Begriffe "breast /chestfeeding" (Stillen mit der weiblichen bzw. der männlichen Brust; S.F.) statt des nur das Stillen durch Frauen bezeichnenden breastfeeding zu verwenden. Außerdem solle man „Menschenmilch / Elternmilch“ anstelle von „Muttermilch“ sagen. Um klarzumachen, dass es sich nicht um eine bloße Möglichkeit handelt, sondern um einen Befehl, benutzen die Autoren durchgängig den Imperativ, die Befehlsform:

„Verwenden Sie bei der Erörterung der Geburt die Begriffe ‚Schwangerschafts‘- oder ‚Geburtselter‘ (das soll die Einzahl von Eltern sein; S.F.) anstelle von ‚Mutter‘, und den Begriff ‚Nichtgebärender‘ statt ‚Vater‘.“

Im Gespräch mit Eltern solle man zudem auf jegliche „geschlechtsspezifische Sprache“ verzichten, bis diese gesagt hätten, zu welchem Geschlecht sie gehören wollen. Auch „heteronormative“ oder „gegenderte“ „Vermutungen“ müssten „bekämpft“ werden. Außerdem wird der Dozent aufgefordert: 

„Zeigen Sie, dass Sie ein Verbündeter sind, indem Sie Ihre persönlichen Gender-Pronomen in Ihren Titel stellen (etwa bei Zoom-Konferenzen, E-Mail-Signaturen)“.

Die Autoren des „Leitfadens“ der Universität Canberra sind knallhart und sehr klar: Hier wird nicht verhandelt, sondern befohlen. Es soll nichts ergänzt werden, sondern, ja: ersetzt. An einer Stelle bezeichnen die Autoren es sogar ausdrücklich als Fehler, wenn jemand altmodisch von Mutter oder Vater spricht:

„Verwenden Sie eine inklusive Sprache, um die Elternschaft zu beschreiben. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie einen Fehler (!) machen, erkennen Sie ihn einfach an und korrigieren (!) Sie sich.“ 

Der Faktenfinder lügt

„Sprachgewohnheiten“ erforderten „Übung“, um sie zu überwinden, heißt es. Aber überwunden werden müssen sie! Wenn Patrick Gensing im „Faktencheck“ behauptet, die Autoren des Papiers wollten „den Begriff ‚Mutter‘ nicht abschaffen“ und ihre Vorschläge seien bloß als Anregungen gedacht, dann sagt er nicht die Wahrheit. Sie wollen ihn abschaffen und sagen das, so klar wie es nur geht. Ein Blick ins Originaldokument reicht, um sich davon zu überzeugen: Der Faktenfinder lügt.

Die Faktenchecker von ARD und ZDF checken keine Fakten. Es geht ihnen darum, Nachrichten den gewünschten ideologischen Spin zu geben, dem Leser zu sagen, wer die Guten und wer die Bösen sind, was er glauben und nachplappern soll und was nicht. Der „Faktencheck“ ist ein Katechismus. Dabei schrecken die Autoren nicht davor zurück, falsche Angaben darüber zu machen, was in den Referenzquellen steht. Tun sie das, weil sie wissen, dass kaum jemand es nachprüfen wird, insbesondere dann nicht, wenn die Quelle auf Englisch ist? Die Faktenchecker von ARD und ZDF tun so, als würden sie die Wahrheit sezieren wie einen Frosch, doch das Einzige, was sie erreichen, ist das: Der Frosch ist anschließend tot.


Autor: Stefan Frank
Bild Quelle: Pixabay


Freitag, 05 März 2021

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