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Nicht an allem trägt Corona die Schuld: Merkels Versagen und das Sterben der Stadtzentren

Nicht an allem trägt Corona die Schuld:

Merkels Versagen und das Sterben der Stadtzentren


Wer in diesen Wochen auf Deutschland schaut, der muss depressiv werden.

Merkels Versagen und das Sterben der Stadtzentren

Von Wolfgang Will

Denn das Land erweist sich als Versager – und nicht an allem ist der tödliche Virus Corona schuld. Aber allein wie diese Krise behandelt wird, muss einen in die Verzweiflung treiben. Innenpolitisch darf schon seit langem an Angela Merkel gezweifelt werden, aber in der Handhabe der Pandemie hat sie sich zusätzlich eine dicke 6 eingehandelt.

Zweifel an einigen ihrer politischen Entscheidungen müssen gerade auch unter dem Aspekt angemeldet werden, dass sie populistischen Strömungen nur zu gern und schnell gefolgt ist – wider alle Vernunft:

0 Da war der überstürzte totale Atomausstieg nach der verheerenden Katastrophe von Fukushima im März 2011. Nicht etwa die Kerntechnik oder menschliches Versagen führte dort zur Freisetzung der tödlichen radioaktiven Strahlungen – nein: Es war das Erdbeben vor der Küste der Anlage und der folgende Tsunami mit bis zu 15 Meter hohen Wellen. Diese Tatsache ignorierte Merkel völlig. Sie ordnete die Schließung aller deutschen Kernkraftwerke an, ohne die Folgen zu bedenken. Auch deshalb hat Deutschland heutzutage die höchsten Strompreise der Welt. Und zeitweise einen Mangel an Strom, so dass importiert werden muss. Von Kernkraftwerken der Nachbarländer – die nicht nur ihre Atommeiler weiter betreiben, sondern neue in nicht etwa geringer Menge bauen. Merkel gab „der Straße“ nach, vernachlässigte wirtschaftspolitische Notwendigkeiten und politische Weitsicht. Bemerkenswert: Die Stimmen p r o Kernkraft werden in Deutschland inzwischen lauter und häufiger. Schließlich ist Atomstrom sauber und preiswert.

0 2011 auch setzte Merkel die Wehrpflicht aus. Damit kam sie ebenfalls einer Stimmung großer Teile der Bevölkerung nach, ohne die politischen Konsequenzen zu bedenken. Außer der Tatsache, dass die Kanzlerin damit bedeutende militärische Notwendigkeiten negierte, muss auf eine gesellschaftspolitische Frage verwiesen werden: Durch die Wehrpflicht war die Bundeswehr in der Bevölkerung fest verankert, war sie in der Gesellschaft präsent und angesehen wie etwa Polizei oder Feuerwehr. Dieses Positivum hat Merkel kurzerhand ad acta gelegt. Zudem negiert sie die weltpolitische Lage. Im Gegensatz zu anderen Staaten – Schweden etwa hat die Wehrpflicht kürzlich  wieder eingeführt.

0 Den nachhaltigsten Fehler beging Angela Merkel während der Flüchtlingskrise 2015. Schätzungsweise 1,3 Millionen Menschen machten sich auf den Weg nach Europa, ihre bevorzugten Ziele waren Schweden und Deutschland. Die Bundesrepublik nahm etwa 800 000 „unbesehen“ auf – es gab keine geordnete Überprüfung dieser Einwanderer. Tausende erhielten die Aufenthaltsgenehmigung, ohne dass sie Papiere vorzeigen konnten. Zehntausende abgelehnte Asylanten können deshalb auch heute noch nicht abgeschoben werden. Der deutsche Steuerzahler finanziert ihr Dasein. Auch auf diese Weise kann man zum Einwanderer und Nutznießer unserer Gesellschaft werden.

Geradezu töricht, ja: äußerst blamabel handhabt die Merkel-Regierung die Corona-Pandemie. Die ganze Welt schüttelt nur noch den Kopf. Merkel und ihre Mitregenten sind zum Gespött geworden. Während alle anderen EU-Mitglieder ebenso wie die USA, Kanada und Japan enorme Impffortschritte aufweisen können, versinkt Deutschland im Corona-Sumpf. Da werden von Woche zu Woche Konferenzen über Konferenzen einberufen, da werden immer neue Maßnahmen beschlossen und widerrufen, da mangelt es in einigen Regionen an Impfstoffen, während in anderen die Vakzine gespeichert und eingelagert werden. Deutschland hat sich schon beim Bau des Hauptstadtflughafens BER blamiert – Corona übertrifft das bei weitem! Eine einst blühende Geschäftslandschaft, von und in aller Welt beneidet, ist zur Wüstenei gemacht worden.

Aber daran und dem daraus resultierenden Sterben der Innenstädte ist keineswegs allein Corona und eine dilettantische Politik schuld. Der Konsument hat schon lange vor Corona dafür gesorgt, dass die Innenstädte verwaisen – und mehr und mehr leerstehende Geschäfte aufweisen. Das Gift heißt Internet. Statt die kleine Boutique aufzusuchen, wird im Internet gleich im Dutzend billiger bestellt – man kann`s ja kostenlos zurückschicken. Das betrifft auch, um ein besonders bedauerliches Beispiel anzuführen, die Buchhandlungen.

 

Tote Innenstädte weisen nicht nur die Metropolen auf wie Berlin etwa mit Kudamm, Friedrichstraße und Tauentzien, Düsseldorf mit einer Kö oder München rund ums Rathaus. Gerade auch für kleinere Bilderbuchstädte wie Herborn/Lahn, Eschwege, Weimar oder Nordhausen ist Corona zum Debakel geworden – werden solche Innenstädte auch nach Corona noch Geisterzentren aufweisen oder zu „normal“ zurückkehren?

Diese Frage wird derzeit sehr unterschiedlich beantwortet. Boris Hedde vom Kölner Institut für Handelsforschung: „Viele Läden und Boutiquen werden wir nicht mehr sehen. Aber auch große Ketten werden wir schließen müssen“. Um wieder Leben in die Zentren zu bringen, meint er auch bedürfe es „neuer Ideen. Einkaufen muss zunehmend zum Erlebnis werden“. Johannes Heger vom hessischen Städte- und Gemeindebund sieht die Zukunft der Stadtzentren in einer „Mischung aus Gastronomie. Kultur und Veranstaltungen“. In diesem Zusammenhang wird auf Eschwege und Fulda verwiesen. Dort gibt es Musical-Sommer und Open-Flair-Festivals. Aber: Ziehen solche Ereignisse die Menschen nur zeit- oder saisonweise an?  Eine andere Idee: Mehr Hotels in den Zentren anzusiedeln und vor allem Universitäten aus städtischen Randgebieten dahin zu verlegen. So würden Touristen und junge Menschen die Innenstädte „bevölkern“ und den Geschäften „guttun.

Konzepte gibt es viele. Ob sie erfolgreich sind, kann nur die Zukunft zeigen.

 

Wolfgang Will arbeite jahrelang als Auslandskorrospodent für den Axel-Springer-Verlag und als Chefredakteur u.a. in New York.


Autor: Wolfgang Will
Bild Quelle: Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 de, CC BY-SA 3.0 DE , via Wikimedia Commons


Wednesday, 10 March 2021

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