Soll der unbequeme „Bild“-Chef Reichelt gecancelt werden?

Soll der unbequeme „Bild“-Chef Reichelt gecancelt werden?


Im laufenden „Compliance-Verfahren“ des Springer-Konzerns gegen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt gibt es Neuigkeiten:

Soll der unbequeme „Bild“-Chef Reichelt gecancelt werden?

Von M. G. Black

Reichelt hat den Vorstand des Springer-Konzerns darum gebeten, bis zur Klärung der Vorwürfe gegen ihn befristet von seinen Funktionen freigestellt zu werden, „um eine ungestörte Aufklärung sicherzustellen und die Arbeit der Redaktion nicht weiter zu belasten“. Gleichzeitig will – einer Meldung der „Neuen Zürchen Zeitung“ zufolge – Reichelt presserechtlich gegen den „Spiegel“ vorgehen.

Was wird Reichelt vorgeworfen?

Die interne Verlags-Untersuchung läuft schon länger, öffentlich gemacht wurde sie von ebendiesem „Spiegel“. Später hat das Nachrichtenmagazin mit dem Artikel „Vögeln, fördern, feuern“ mit weiteren, angeblich belastenden Details nachgelegt.

Das stark links positionierte Blatt berichtet über angebliche Affären Reichelts mit Journalistinnen und Machtmissbrauch. Auch von Drogenmissbrauch ist die Rede – Koks sei öfter im Spiel gewesen. Diese Vorwürfe bestreitet Reichelt sämtlich. Rechtlich gilt derzeit die Unschuldsvermutung.

Reichelt schreibt dazu jetzt im internen „Slack-Channel“ der „Bild“-Redaktion, „Bild und die Menschen bei BILD sind mein Leben“. Er habe „immer alles dafür getan, dass es BILD, dass es uns gut geht, und das tue ich auch heute, auch wenn es mir unendlich schwerfällt“.

Die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben worden sind, seien „falsch“. Er werde sich „gegen die wehren, die mich vernichten wollen, weil ihnen BILD und alles, wofür wir stehen, nicht gefällt“. Die Journalisten, die jetzt negativ über ihn schrieben, täten dies, „ohne mich vorher anzuhören, weil meine Antworten ihnen noch nie gepasst haben“.

Reichelt geht in die Offensive

Nun will sich der bisherige Chef von Europas größtem Boulevardblatt presserechtlich wehren und den „Spiegel“ notfalls vor Gericht bringen – mit der Begründung, die Magazin-Autoren hätten ihn vor der Veröffentlichung der Texte nicht mit den Anschuldigungen konfrontiert.

Er habe also keine Gelegenheit gehabt, seine Sicht der Fakten zu schildern. Falls das stimmt, hätte der „Spiegel“ gegen bestehende journalistische Normen verstoßen. Es könnte sich zumindest bei dem zweiten „Spiegel“-Bericht um eine unzulässige Form der „Verdachtsberichterstattung“ handeln.

Manche journalistischen Beobachter argwöhnen ohnehin, dass hier links positionierte Journalisten den teils eher konservativ ausgerichteten “Bild“-Journalisten aus politischen Gründen zur Strecke bringen wollen. Zu oft schon hat Reichelt wider den Stachel der „Politischen Korrektheit“ gelöckt.

Er ließ in den vergangenen Jahren viele kritische Artikel etwa zur Corona-Politik der Regierung und der EU oder über skandalöse – viel zu weiche – Gerichtsurteile drucken, die schwere Verbrechen von „Flüchtlingen“ betreffen. Alles Texte, die den „progressiven“ medialen und politischen Mainstream immer wieder tief verärgert haben.

Böser Verdacht

Der Journalist Boris Reitschuster will sich zwar nicht festlegen, aber er hat den Verdacht, dass mächtige Gruppen dem „Bild“-Chef übel mitspielen wollen. Er kenne Julian Reichelt persönlich. In Reitschusters Augen ist Reichelt „einer, der den Mut hat, zumindest nicht ganz mit dem Strom zu schwimmen“.

Reitschuster verweist darauf, das Reichelt kürzlich auch für die liberal-konservative „Achse des Guten“ einen Beitrag mit dem provozierenden Titel „Der Staat scheitert – und zahlt es uns heim“ geschrieben hat – „was in den Augen der meisten Journalisten heute schon eine Art Ketzerei ist“.

In Reichelts Text ist die Rede von einem „willkürlichen Staat, der Menschen drangsaliert“. Starke und mutige Thesen. Doch sollte dieser Artikel in den Augen der linken Journaille das Fass zum Überlaufen gebracht haben?

„Bestrafe einen, erziehe hundert!“

„Man mag es drehen und wenden, wie man will: Es spricht vieles dafür, dass der unbequeme Reichelt, ohnehin schon eingehegt durch stramm rotgrüne Ideologen mit direktem Draht in die Regierung (wie sein Vize Paul Ronzheimer), abgeschossen werden soll“ (Boris Reitschuster). Er schreibt weiter, das hätte womöglich einen „doppelten Effekt“: Getreu einer politischen Weisheit, die Mao zugeschrieben wird: „Bestrafe einen, erziehe hundert!“

Wie sehr linke Journalisten den Leiter der „Bild“-Gruppe hassen, wird repräsentativ in der jüngsten „ZDF“-Show von Jan Böhmermann deutlich. Der angeblich satirische Beitrag über Julian Reichelt (ab 2:48 min) ist eine niederträchtige und hasserfüllte Mischung von Halbwahrheiten und bloßen Unterstellungen.

Der Zuschauer weiß nie, wann es sich bei den Texten um reale Zitate oder erdachte Sentenzen handelt. Wie es oft bei Böhmermann üblich ist, fehlt es weitgehend an seriösen Quellenangaben.

Es sieht so aus, dass der angebliche „Bild-Skandal“ bald schon bundesdeutsche Gerichte beschäftigen wird. Und diese Prozesse könnten lange dauern.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: © Superbass / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons


Sonntag, 14 März 2021

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