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Wokeness und Cancel Culture: Die teuflischen Gotteskrieger der sozialen Netzwerke

Wokeness und Cancel Culture: Die teuflischen Gotteskrieger der sozialen Netzwerke


Es wäre zum Totlachen, wäre das Ganze nicht so bitterernst. Und so zerstörerisch.

Wokeness und Cancel Culture: Die teuflischen Gotteskrieger der sozialen Netzwerke

Von Ramin Peymani, Liberale Warte

Die völlig verrückte Cancel Culture, die bereits seit vielen Jahren im angelsächsischen Raum wütet, hat Deutschland voll erfasst. Eher unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit hat sie eine Schneise der Verwüstung durch die deutsche Hochschullandschaft geschlagen. Dort machte sie aber natürlich nicht Halt. In Behörden, Verbänden und Unternehmen muss um seinen Job fürchten, wer ein falsches „Like“ vergibt, einen flotten Spruch loslässt oder einfach nur über den falschen Witz lacht. Privates hat aufgehört privat zu sein. Jeder muss ständig damit rechnen, den Inoffiziellen Mitarbeitern der Lösch- und Zensurkultur zum Opfer zu fallen. Ein Denunziant, der die entsprechenden Konsequenzen in die Wege leitet, findet sich immer. Längst ist sie auch im Sport angekommen, die Vernichtungsgier des bösartigen Mobs, in dessen sektenhaften Blasen man sich gegenseitig der eigenen moralischen Erhabenheit versichert und zur Strecke gebrachte Meinungsabweichler sammelt wie einst die Indianer ihre Skalps. Übrigens hatten die frühen Vertreter einer totalitären Bewegung, die als Political Correctness viele Jahre später ihren Siegeszug in der westlichen Welt antreten sollte, lange beharrlich an der Lüge gestrickt, erst die nach Amerika eingewanderten Europäer hätten den Indianern die grausame Unsitte des Skalpierens beigebracht. Heute sind sich Historiker einig, dass nichts darauf hindeutet. Es war einer der ersten hinterhältigen Versuche der Bessermenschen, Täter zu Opfern zu erklären und den „schwarzen Peter“ jenen zuzuschieben, die nicht von Geburt an dunkelhäutig waren oder irgendwelchen Minderheiten angehörten. Das ist die einfache, aber wirkungsvolle Masche der politisch Korrekten.

Wenn der Mob jedes Mal Köpfe rollen lässt, fällt eine angeblich aufgeklärte Gesellschaft in die dunkelsten Zeiten des Mittelalters zurück

In den vergangenen Tagen haben gleich mehrere Aufreger das Treiben der PC-Meute in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Erst musste ein ehemaliger Fußball-Nationaltorwart seinen Hut nehmen, weil er einem früheren Bundesliga-Kollegen privat eine Nachricht geschickt hatte, mit der dieser sich in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit verschaffte und Journalisten triggerte. Einige Tage später stand der in der Opferrolle Badende selbst in der Kritik, weil er ins verbale Fettnäpfchen getreten war. Seinen Job im Sportfernsehen ist er erstmal los. Dazwischen hatte das Fußballergeplänkel den Weg in die Politik gefunden und Tübingens Oberbürgermeister ein Parteiausschlussverfahren eingebrockt. Die Welt ist verrückt geworden. Man kann gerne über Geschmack streiten, auch über die Wortwahl oder das, was mancher für Humor hält. Wenn aber ein kaum noch zu bändigender Mob jedes Mal Köpfe rollen lässt, sobald sich jemand im Ton vergreift, fällt eine angeblich aufgeklärte Gesellschaft in die dunkelsten Zeiten des Mittelalters zurück – inklusive Hexenverbrennung. Der Vergleich passt auch insofern, als die vermeintlichen Hexen damals beweisen mussten, dass sie keine Hexen sind, was naturgemäß ein unmögliches Unterfangen darstellte. Wobei wir bei einem weiteren Phänomen unserer Tage wären: Eine Gesellschaft, in der die Beweislast zunehmend umgekehrt wird, verabschiedet sich immer weiter von den Tugenden des modernen Rechtsstaats. Es reicht der konstruierte Vorwurf der „Richtigen“, um in der Falle zu sitzen. Wo es keine Hetzjagden gibt, ist es eben schwer, deren Abstinenz zu beweisen, wenn allein das Wort derer gilt, die sie gesehen haben wollen, aber keine Belege für ihre Behauptung mehr liefern müssen.

Die selbsterklärten Progressiven sind in Wahrheit rückständige Scharfrichter, die sich der barbarischen Sitten früherer Jahrhunderte bedienen

A propos Hetzjagden. Die gibt es zuhauf. Nur nicht so, wie irgendwelche von Zecken Gebissenen sie irreführend darstellen. Gehetzt werden alle, die sich der „Wokeness“, einer neuzeitlichen Kreuzung aus Religion und Maoismus, nicht unterwerfen wollen. Wer nicht gendert, kriegt Punktabzug, wer Satire zu massenkompatibel anbietet, keine Fernsehauftritte mehr. Und wer bei den falschen Toten kondoliert, ist seinen Posten im Tor der Eishockey-Nationalmannschaft los. Es klingt alles so absurd, so aus der Zeit gefallen. Die selbsterklärten Progressiven sind in Wahrheit rückständige Scharfrichter, die sich der barbarischen Sitten früherer Jahrhunderte bedienen. Hoffnung macht, dass dort, wo die Political Correctness seit zwei Jahrzehnten wütet, inzwischen der Widerstand wächst. Ähnlich dem Erwachen der islamfreundlichsten Länder Europas, die so lange weggeschaut und bagatellisiert hatten, wachen auch im angelsächsischen Raum mehr und mehr Verantwortliche auf. An die Spitze im Kampf gegen die Cancel Culture hat sich nun Großbritanniens Regierung gesetzt. Und sie kann sich dabei auf die Unterstützung prominenter Vertreter der Labour Party verlassen, die sich lange vor den Karren einer zerstörerischen Identitätspolitik hat spannen lassen. Auch Deutschland sollte im Umgang mit der „Cancel Culture“-Sekte schnell dazulernen. Es ist eine lautstarke Minderheit, die ihren Twitter-Krieg gegen Eigenständigkeit, Freiheit und Vernunft führt. Jeder Einzelne von uns hat es in der Hand, deren gesellschaftsfeindlichem Treiben ein Ende zu setzen. Machen wir den teuflischen Kriegern des Lösch- und Zensurkults klar, dass sie nicht mehr sind als bemitleidenswerte Ewiggestrige, die niemals in der Demokratie angekommen sind.


Autor: Ramin Peymani
Bild Quelle: viarami / pixabay


Montag, 10 Mai 2021

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