Sündenbock Israel: Fehlmeinungen, Fragen und Antworten zum „Nahostkonflikt“ (Teil 4)

Sündenbock Israel: Fehlmeinungen, Fragen und Antworten zum „Nahostkonflikt“ (Teil 4)


Behauptung 4: „Israel hat keine Existenzberechtigung“

Sündenbock Israel: Fehlmeinungen, Fragen und Antworten zum „Nahostkonflikt“ (Teil 4)

von Theodor Much

Dieses Argument ist ein Lieblingsargument aller (antisemitischen) Antizionisten. Für sie gilt das international anerkannte Recht auf Selbstbestimmung der Völker einzig und allein nicht für das jüdische Volk.

Genauso gut könnte man in diesem Zusammenhang polemisch die Existenzberechtigung anderer Staaten hinterfragen. Denn was für eine Existenzberechtigung haben etwa die USA oder Finnland, die auf Kosten der Ureinwohner Land nahmen und die dortigen Minderheiten unterdrückten? Dabei besaßen weder die Amerikaner noch die Finnen – anders als das jüdische Volk – vor der Landnahme ihrer jetzigen Heimat geistige, physische oder geschichtliche Bezüge zu diesen Gebieten.

 

Für strenggläubige Juden und Christen zeugen die Texte der Bibel dafür, dass das Land den Israeliten von Gott versprochen wurde. Selbst der Koran bestätigt diesen göttlichen Anspruch auf Palästina (siehe Suren: 5.21 und 7.137). Ein religiöses Judentum ohne Bezüge zum Heiligen Land kann es auch nicht geben, denn fast alle jüdischen Festivitäten und Traditionen haben ihren Ursprung in geschichtlichen Ereignissen, wie z. B. der Exodus aus Ägypten oder der Makkabäer-Aufstand gegen die griechischen Besatzer.

Gleiches gilt auch für viele der wichtigsten Gebete im Judentum, die eine enge Verbindung zum Land Israel und speziell zu Jerusalem ausdrücken. Auch wenn zu allen Zeiten in Palästina Nichtjuden neben Juden mehr oder weniger friedlich lebten, bleibt es eine historische Tatsache, dass nur das jüdische Volk im Gebiet des heutigen Israel, unter der Herrschaft von König David und später der Hashmonäer – seinen eigenen souveränen Staat besaß.

Selbst nach den kriegerischen Auseinandersetzungen mit Rom und der Zerschlagung des jüdischen Staates im Jahr 125 n. d. Z., existierten jüdische Gemeinden in ganz Palästina. Wenig bekannt ist auch die Tatsache, dass schon Ende des 19. Jahrhunderts die Bevölkerungsmehrheit in Jerusalem und Safed jüdisch war (nachzulesen in den alten Reiseberichten von nichtjüdischen Reisenden wie Sven Hedin, Titus Tobler und Gustav Hölscher).

Doch es gibt auch ein moralisches Recht Israels, als jüdischer Staat im ehemaligen Palästina zu existieren. Der prominente palästinensische Friedenskämpfer und ehemalige Präsident der Al-Quds Universität in Jerusalem Sari Nusseibeh formuliert in seinem Buch „Es war einmal ein Land“ dieses Recht mit den Worten:

„Die Palästinenser mussten sich darüber klarwerden, dass sie ihren Staat nur bekommen würden, wenn sie das moralische Recht Israels, als jüdischer Staat zu existieren, anerkannten“.

Dieses moralische Recht hat auch mit der Verfolgungs- und Diskriminierungsgeschichte der Juden in aller Welt – auch in den meisten islamischen Staaten zu tun.

Theodor Much war von 1990 bis 2020 Präsident der jüdisch-liberalen Gemeinde Or Chadasch Wien und veröffentlichte als Sachbuchautor bislang 12 Bücher zu den Themen Aberglaube, Fundamentalismus, Scheinmedizin, Religion, Satire.

erschienen auf Mena-Watch


Autor: Mena-Watch
Bild Quelle: Archiv


Montag, 28 Juni 2021

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