Sie kommen nicht zur Impfung? Die Impfung kommt zu Ihnen!

Sie kommen nicht zur Impfung? Die Impfung kommt zu Ihnen!


Tobias Hans, der Ministerpräsident des Saarlandes, regte an, den „sozialen Druck“ auf Ungeimpfte zu erhöhen, indem sich etwa Eltern in Kitas und Schulen impfen lassen können. Sieht so ein seriöses Angebot aus?

Sie kommen nicht zur Impfung? Die Impfung kommt zu Ihnen!

Von Ulrike Stockmann

Derzeit tun die Regierenden alles, um möglichst viele Bürger zu einer Impfung zu bewegen. „Die schönsten Impf-Prämien“ stellte Dirk Maxeiner vor einer Woche bei Achgut.com zusammen. Weltweit bemühen sich Politiker, Impf-Unwillige mittels Gutscheinen, Rabatten oder Verlosungen zur Vakzination zu ködern.

Dieses Abdriften ins Absurde wurde in der letzten Woche noch durch den Ministerpräsidenten des Saarlandes, Tobias Hans (CDU), getoppt. Am letzten Montag gab er dem ZDF-Morgenmagazin ein interessantes Interview, das damit angepriesen wird, dass der Ministerpräsident mehr Lockerungen fordere.

Das stimmt so nicht ganz. Auf die Frage, welche genauen Lockerungen er vorschlage, gibt er an, angesichts sehr niedriger Infektionszahlen in Deutschland sei es geboten, „auch Freiheiten wieder herzustellen. Die stehen den Menschen zu und so wird es sicherlich auch weiterhin Lockerungen geben müssen, wenn die Zahlen niedrig bleiben der Infektion.“

Sehr überzeugt und überzeugend klingt das nicht. Als nächstes macht er deutlich, wie wichtig die Rolle der Impfungen an dieser Stelle sei:

„Wir haben einen guten Impf-Fortschritt mittlerweile, wir müssen ihn aber weiter ausbauen und es muss ein Signal an die Menschen auch gesendet werden: Wenn ihr euch impfen lasst (…), dann werden wir eine weitgehende Normalisierung auch bekommen. Das ist ein ganz wichtiges Signal. Wenn wir jetzt hingehen und wieder alles zusperren, dann werden die Menschen auch nicht bereit sein, sich impfen zu lassen.“

„Man muss es mit gesellschaftlichen Anlässen verbinden“

Daraufhin wird er gefragt, wie er denn ganz konkret die Menschen von der Impfung überzeugen wolle. Moderator Andreas Wunn bringt vollkommen ernsthaft die Geschenke ins Spiel, die andernorts den Impfwilligen dargebracht werden und fragt, ohne mit der Wimper zu zucken: „Was können Sie sich da vorstellen?“

Hans antwortet:

„Also erst einmal müssen wir das Impfschema verändern sozusagen. Wir müssen jetzt vor die Haustür gehen. Bislang war es so, dass die Menschen zu uns gekommen sind, um sich impfen zu lassen. Jetzt müssen wir zu den Menschen kommen, die eben noch nicht geimpft sind. Das bedeutet, vor Ort sein, etwa an Sonntagen. Das ist gestern in einer saarländischen Stadt, in Merzig der Fall gewesen, da konnten alle kommen. Es waren verschiedene Impfstoffe vorhanden. Alle ab 12 hatten die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, nach einer Aufklärung. Das ist sehr, sehr gut angenommen worden.

Man muss es mit gesellschaftlichen Anlässen verbinden. Ich glaube, wir werden auch dahingehen müssen, dass man zum Beispiel mal in Kitas, in Grundschulen morgens, wenn die Kinder kommen, auch Eltern ein Impfangebot macht, an dieser Stelle, um auch ein bisschen den sozialen Druck zu erhöhen.“

Der Moderator zuckt auch angesichts dieser Ungeheuerlichkeiten nicht mit der Wimper, sondern hakt noch einmal nach, ob man „Impfmuffel“ nicht mittels Belohnungen in die Spur bringen möchte.

Ministerpräsident Hans lächelt gönnerhaft und gesteht ein, dass unter den Impfwilligen „eine Verlosung auch mal zu starten“ durchaus eine Option sei, wenn alles andere nichts bringt. Und droht schließlich am Ende:

„Man muss ja immer mal sehen: Dass wir alle, die wir schon geimpft sind und das auf uns genommen haben, nur dann was von der Impfung haben, wenn wirklich eine Herdenimmunität eintritt.“

Das Impfen gerät zum Haustür-Geschäft

Moderator Wunn ist nun richtig in Fahrt und führt in vorwurfsvollem Ton an, dass vor allem Kinder und Jugendiche bislang noch von den Impfungen ausgenommen seien, da die STIKO (Ständige Impfkomission) ja immer noch keine Impfempfehlung für sie ausgesprochen habe: „Was bedeutet das für das kommende Schuljahr?“

Hans zieht hörbar die Luft ein und erklärt, dass es daher umso wichtiger sei, Eltern und Lehrer zu impfen. Er betont außerdem die Wichtigkeit des zweimaligen Testens der Schüler pro Woche vor Antritt des Unterrichtes. Bei steigenden Zahlen müsse man zudem über eine „Maskenpflicht nachdenken“. Und natürlich sei es wichtig, für Kinder ab 12 Jahren ein Impfangebot zu machen, „da wo Elternhäuser das eben auch wünschen“.

Die Choreografie dieses Interviews hinterlässt in jedem Fall ein eigenartiges Gefühl. Das Impfen gerät zum Haustür-Geschäft, die Bürger erscheinen wie Kunden, die an der Nase herumgeführt werden sollen, indem man ihnen ein nachteiliges Angebot aufs Auge drückt. Denn derartige Taschenspieler-Tricks lassen nicht vermuten, dass die Offerte als seriös betrachtet werden kann.

Und überhaupt: Wie kann ein Ministerpräsident als Vertreter des Staates einen medizinischen Eingriff wie das Impfen zu einem Handel wie auf einem Basar degradieren?

 

Erstveröffentlicht bei der Achse des Guten


Autor: AchGut
Bild Quelle: Stefan Bellini, CC0, via Wikimedia Commons


Sonntag, 18 Juli 2021

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