„Merkel sieht alles“

„Merkel sieht alles“


Dorothee Bär (CSU) ist als Digital-Staatsministerin im Kanzleramt nicht nur eine bekannte Vertreterin toller Ideen, wie der vom Lufttaxi, sondern könnte auch einen Angela-Merkel-Elogenwettbewerb gewinnen.

„Merkel sieht alles“

von Peter Grimm

Sollte sie nicht noch eine überraschende Amtszeitwende vollziehen, dann könnte in einigen Monaten Angela Merkels Ausstieg aus dem Kanzleramt anstehen. Ob aus Höflichkeit, dem Willen, ihr den Abschied zu versüßen oder einer prophylaktischen Unterwürfigkeit für den Fall, dass sie doch im Amt bleibt – im Politik- und Medien-Soziotop läuft die Elogen-Produktion. Da entdecken manche Eigenschaften einer Kanzlerin, die dem durchschnittlichen Beobachter 16 Kanzlerinnenjahre lang verborgen geblieben sind. So bedauerte beispielsweise Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) gerade gegenüber dem „Spiegel“, dass Angela Merkel nicht aktiv twittert, meldet sueddeutsche.de. Das hätte ihr nämlich die Gelegenheit gegeben, „mehr Menschen ihren tiefsinnigen, subtilen Humor zu zeigen.“

Wow! Wer hätte ohne diese Worte von Dorothee Bär gewusst, dass Angela Merkel hinter ihren sedierenden langen Halbsatzketten einen „tiefsinnigen, subtilen Humor“ verbirgt. Das ist nicht die einzige Faszination Merkels, zu der sich Bär gern bekennt. So staune sie immer wieder, wie gut die Kanzlerin informiert sei. „Manchmal lobt sie mich, wenn sie findet, dass ich etwas auf Twitter gut begleitet habe. Sie spricht einen auch auf alle möglichen Presseartikel sofort an. Hammer. Quasi in Echtzeit. Man muss wissen, egal was man tut: Sie sieht es“, wird Bär zitiert. Schön zu lesen, wie sehr sich die Dorothee über Muttis Lob freut, nicht wahr? Da vergessen wir doch gern, dass diese infantile Freude von einer Frau kommt, die der Steuerzahler mit einer üppigen Staatssekretärsbesoldung ausstatten muss.

Immerhin ist ihre Aussage von großer inhaltlicher Stärke. Ihr „…egal was man tut: Sie sieht es“ heißt ja nichts anderes als „Merkel sieht alles“.

Auch das Erstaunen der Staatssekretärin darüber, dass die Regierungschefin mit ihrem großen Apparat und vielen Mitarbeitern hinreichend informiert ist, zeugt von einer kindlich-naiven Vorstellungswelt. Unklar bleibt allerdings, ob Dorothee Bär selbst in einer solchen Vorstellungswelt lebt oder selbige nur bei den Bürgern vermutet (bzw. bei den Spiegel-Lesern).

Ganz souverän und stilsicher kann die digitale Galionsfigur der Bundesregierung ihre Chefin loben: „Ich habe mir immer eingebildet, dass ich eine große innere Ruhe habe. Aber ich komme mit Abstand nicht an Angela Merkel ran“, wird Bär zitiert. Schön, sich das Kanzlerinnenamt als einen Ort vorzustellen, an dem die amtsansässigen Frauen um mehr innere Ruhe wetteifern können. Es stören da nur, wie Staatssekretärin Bär weiß, die Männer: „Wenn manche Männer sich in Sitzungen gebaren, wie das Männer halt tun, dann könnte ich mich immer noch drüber aufregen.“

Aber kein Mann hat so schön kindlich-naive Ideen für Merkel-Elogen formuliert, oder? Die Noch-Staatssekretärin könnte einen Angela-Merkel-Elogenwettbewerb gewinnen, wenn es denn einen gäbe.

erschienen auf Achgut


Autor: Achgut
Bild Quelle: By Foto: Gerd Seidel, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35372658


Sonntag, 25 Juli 2021

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