Merkel, Israel und die Juden

Merkel, Israel und die Juden


Während ihrer 16 Jahre währenden Regentschaft als Kanzlerin hat Angela Merkel Dutzende von Ehrendoktorhüten, Orden und Medaillen verliehen bekommen, darunter auffallend viele von jüdischen bzw. israelischen Institutionen. Je einen Dr. h.c. der Unis in Jerusalem,

Merkel, Israel und die Juden

Von Henryk M. Broder

Haifa und Tel Aviv, den Leo-Baeck-Preis des Zentralrates der Juden in Deutschland, die Leo-Baeck-Medaille des New Yorker Leo-Baeck-Instituts für ihr Engagement für die Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, die Medaille der B’nai B’rith Loge „für ihr Engagement im Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus“, den Preis für Verständigung und Toleranz des Jüdischen Museums Berlin, den Heinz-Galinski-Preis der Jüdischen Gemeinde Berlin, den Abraham-Geiger-Preis des gleichnamigen Rabbiner-Kollegs in Potsdam, den Elie Wiesel Award des US Holocaust Memorial Museums, den Theodor-Herzl-Preis des Jüdischen Weltkongresses und zuletzt noch die Buber-Rosenzweig-Medaille der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit „für ihr entschiedenes Eintreten gegen antisemitische und rassistische Tendenzen in Politik, Gesellschaft und Kultur“.

Die vermutlich einzige jüdische Organisation, die Angela Merkel noch keinen Preis verliehen hat, dürfte die „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden im Nahen Osten“ sein, erstaunlich.

Diaspora-Juden hatten immer einen Drang, sich bei regierenden Autoritäten anzubiedern. Die Nähe zum Regenten, und wenn es nur eine eingebildete war, diente als eine Art Versicherung für den Fall, dass die Gesellschaft mal wieder einen Sündenbock brauchte und nur Juden zur Verfügung standen.

Diese Tradition hat sich bis heute erhalten. Wer die Handy-Nummer der Kanzlerin hat, wähnt sich auf der sicheren Seite, kann zumindest darauf hoffen, einen Platz am Fenster zu erwischen, falls es mal eng wird. Deswegen bekommt man bei Unterhaltungen mit Juden immer denselben Satz zu hören: „Sie mag ja vieles falsch machen, aber für die Juden ist sie gut.“

Die Einladung zu einem Essen mit der Kanzlerin ist für jeden Funktionär des Zentralrates ein Ritterschlag, wer sie auf einer Fernreise nach Asien, Afrika oder Mikronesien begleiten darf, gehört automatisch zum Inner Circle. So wie jeder Streber gerne mal die Tasche des Klassenlehrers tragen möchte.

Was ist nun dran, an Merkels Sympathien für das Judentum im Allgemeinen und ihren Beistandszusicherungen für Israel im Besonderen? Audiatur Online hat den Historiker Michael Wolffsohn befragt, einen der wenigen Quer- und Selbstdenker unter den deutschen Juden. Er meint: Das Versprechen Merkels vor der Knesset – ein Angriff auf Israel entspräche einem Angriff auf Deutschland – war undurchdachte, schaubezogene Großsprecherei. Wenn Israel im Fall der Fälle auf die Bundeswehr angewiesen wäre, sollte der letzte Israeli so schnell wie möglich das Licht am Flughafen Ben Gurion ausschalten.


Autor: Henryk M. Broder:
Bild Quelle: Olaf Kosinsky, CC BY-SA 3.0 DE , via Wikimedia Commons


Dienstag, 07 September 2021

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