Ausgestoßener der Woche: Markus Lanz

Ausgestoßener der Woche: Markus Lanz


Der wohl prominenteste Ausgestoßene der Woche ist Markus Lanz. Bei einer Diskussionsveranstaltung der Wochenzeitung Die Zeit am Samstagabend machte der ZDF-Talkshowmoderator öffentlich, dass die Wissenschaftsredaktion des Nachrichtenmagazins Der Spiegel ihm und seinem Redaktionsleiter Markus Heidemann die Mitverantwortung für tausende Corona-Tote gegeben habe

Ausgestoßener der Woche: Markus Lanz

von Kolja Zydatisss

Die konkrete Frage, die in einer Redaktionskonferenz des Spiegel gefallen sei, lautete laut Lanz: „Wie fühlen Sie sich eigentlich, wenn Sie verantwortlich sind für den Tod von tausenden von Menschen?“

Hintergrund ist, dass Lanz in seiner ZDF-Talkshow immer mal wieder den Virologen Hendrik Streeck (Uni Bonn) und den Epidemiologen Alexander S. Kekulé (Uni Halle) zu Gast hatte, wenn es um Corona-Themen ging. Beide Männer stehen der Coronapolitik der Bundesregierung in Teilen kritisch gegenüber und kritisieren insbesondere die flächendeckenden Corona-Lockdowns. Besonders bizarr an dem Spiegel-Vorwurf: Das Magazin selbst hat Hendrik Streeck über mehrere Monate für ein langes Porträt begleitet.

Im Zeit-Talk ging auch der öffentlich-rechtliche Haltungskünstler Jan Böhmermann Markus Lanz hart an: „Ich frage mich, wieso einige Leute bei dir sitzen“, sagte der Satiriker mit der Begründung, die Positionen von Streeck und Kekulé seien „durchtränkt von Menschenfeindlichkeit“. Später schob Böhmermann auf Twitter nach: „Meinungen im öffentlichen Raum sollten einer strengen, umfassenden medialen und gesellschaftlichen Qualitätskontrolle standhalten. Die öffentliche Repräsentation von Meinungen muss nach Qualität erfolgen.“ Das ist die „neue Mitte“ in Deutschland: radikal autoritär. (Quellen: FocusBILD)

MDR retuschiert BILD-Logo weg

Einfach weggelassen wurden am Dienstagabend FDP, Grüne und Linkspartei, und zwar bei der Tagesschau. Sprecherin Susanne Daubner berichtete über die Abstimmung im Bundestag zur Fluthilfe: „[…] Alle Fraktionen, bis auf die AfD, stimmten dafür.“ Das ist wahrheitswidrig: Alle Oppositionsfraktionen stimmten laut Bundestagswebseite geschlossen gegen den Gesetzesentwurf, der in haarsträubender Weise von der Regierungskoalition mit der Novelle des Infektionsschutzgesetzes, also der weiteren Aussetzung von Grundrechten, verknüpft wurde (auch darüber verliert die Tagesschau-Sprecherin kein Wort). (Siehe zum Thema auch diesen Beitrag der Achgut.com-Redaktion.)

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat diese Woche in seiner Nachrichtensendung „Sachsenspiegel“ das Logo des neuen Springer-Fernsehsenders BILD von einem Mikrofon wegretuschiert. Bei einem Interview mit einem Staatsanwalt zum Thema Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe in Dresden war lediglich ein rotes Mikrofon ohne Logo zu sehen. Das war eine bewusste Bildmanipulation, wie ein Vergleich des MDR-Videos mit einem anderen Foto der Szene zeigt.

Gegenüber dem Journalisten Daniel Bouhs bestätigte der MDR die Manipulation. Es handele sich um eine „individuelle Entscheidung einer einzelnen Person, die den Beitrag redaktionell erstellt hat“. Diese Person habe versichert, sie habe das Video „allein aus ästhetischen Gründen“ verändert. BILD-Meinungschef Filipp Piatov hat eine andere Theorie: „Sollen die Zuschauer nichts vom neuen Sender erfahren? War ein ideologisch gefestigter Redakteur zu eifrig?“ Der MDR hat sich mittlerweile für die Manipulation entschuldigt und den Beitrag auf ihren Websites und in der Mediathek korrigiert. (Quellen: MeediaKress)

Und wieder erwischt es Reitschuster

Der Publizist Boris Reitschuster wurde am Montag zum wiederholten Mal auf Facebook gesperrt. Er hatte einen eigenen Blog-Beitrag („Til Schweiger findet Impfen von Kindern ‚entsetzlich‘“) geteilt, und mit dem Worten beworben: „Til Schweiger findet Impfen von Kindern ‚entsetzlich‘: Neuer Protestfilm von Promis gegen Corona-Maßnahmen. Der Star: ‚Für Kinder ist dieser Virus absolut harmlos. Und, die Gefahr von so einer Impfung, die man nicht erforscht hat, ist ungleich höher als der Virus selber.'“ So etwas verstößt offenbar gegen die Gemeinschaftsstandards bezüglich „Falschmeldungen, durch die anderen körperlicher Schaden zugefügt werden könnte“. Obwohl der US-Konzern nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs Nutzer vorab informieren muss, wenn er sie wegen vermeintlicher Verstöße gegen Regeln sperrt (siehe dieses erklärende Video von Joachim Nikolaus Steinhöfel), erfolgte die Sperrung der Seite mit fast 84.000 Abonnenten ohne Vorwarnung.

Reitschuster selbst kommentierte den Vorfall: „Dass hier wenige Wochen vor der Bundestagswahl Kritik an der Regierung zensiert und ein wichtiger journalistischer Kanal gesperrt wird, ist ein massiver Eingriff in den demokratischen Willensbildungsprozess. Als Monopolist ist Facebook an das Grundgesetz gebunden und kann nicht einfach unter Berufung auf Hausrecht zensieren und sperren.“ Vielleicht weil Reitschuster groß über die Sperre berichtete und über juristische Schritte gegen Facebook nachdachte, wurde diese vor Ablauf der Frist (24 Stunden) wieder aufgehoben. Der Schweiger-Post ist nun wieder abrufbar.

Bis heute nicht zurückgekehrt ist dagegen ein Post von Reitschuster, den Facebook bereits am Wochenende „unsichtbar“ schaltete, allerdings ohne Sperre. Der Publizist hatte eine auf seinem Blog als Gastbeitrag veröffentlichte Buchrezension von Vera Lengsfeld mit den Worten beworben: „Heinrich Manns Romanfigur Diederich Heßling wird allgemein als verachtenswerte Figur verspottet; obrigkeitshörig, feige und ohne Zivilcourage. Wie kann es also sein, dass die Deutschen eben diese Figur immer mehr leben? Fragen wie diese stellt Josef Kraus in seinem neuen Roman.“ Facebook sah darin aus unerfindlichen Gründen „Hassrede und Herabwürdigung“.

Augsburg: „Fleischhalle“ im Visier

Die Hallen und Gassen des Augsburger Stadtmarkts wurden nach den dort hauptsächlich verkauften Waren benannt. Stadtrat Roland Wegner von der V-Partei³ (Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer) hat nun einen Antrag zur Umbenennung der „Fleischhalle“ gestellt. Man müsse „sich fragen, was ein Name aussagt, welches Image man damit gestaltet und unterstützt. Im Falle der Fleischhalle beschwört der Name bei vielen Menschen z. B. Bilder von Kadaverteilen herauf. Ruft man sich dann auch noch die schrecklichen Aufklärungsbilder von Tierrechtsorganisationen ins Gedächtnis, ist der Gedanke mit Verlaub nicht sehr weit, dass es sich bei der Halle der Umweltstadt Augsburg eher um eine Fleischhölle handeln könnte.“ „Fuggerhalle500“, „Augsburger Markthalle“, „Speisehalle Augsburger Stadtmarkt“ oder „Lechmenü-Halle“ lauten die Alternativvorschläge des Politikers.

Ein neuer Name wäre allerdings nur ein erster Schritt. „Da eine Namensänderung allein natürlich nicht reicht, sollte seitens des städtischen Marktamtes ebenfalls an einer Angebotserweiterung hin zu mehr pflanzlich-vollwertigem Angebot (in Bioqualität) gearbeitet werden […]“, fordert Wegner, der einer von zwei Bundesvorsitzenden der V-Partei³ ist.

Im englischen Nottingham wurde der katholische Geistliche David Palmer kürzlich von der örtlichen Diözese zum Kaplan der beiden Hochschulen Nottingham University und Nottingham Trent University ernannt. Letztere Uni hatte kein Problem mit dieser Entscheidung, erstere blockiert die Ernennung, weil sich Palmer – für einen Katholiken nicht ganz ungewöhnlich – gegen Abtreibung und Sterbehilfe ausspricht. Die Art und Weise, in der der Priester seine Ansichten öffentlich zum Beispiel in den Sozialen Medien artikuliere, sei eine Gefahr „für unsere vielfältige Gemeinschaft von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen“, so die Unileitung.

Palmer selbst meint zu der Causa: „Die Verteidigung der Zensur, während gleichzeitig über die Bedeutung von Vielfalt und Integration gesprochen wird, ist Doppelzüngigkeit. Vielfalt muss unterschiedliche Ansichten und Ideen bedeuten. Uniformität ist das Gegenteil von Vielfalt. Es ist erschreckend zu sehen, wie [die Unileitung] die Bedeutung der Sprache auf diese Weise verändert.“ (Quelle: Spiked)

Böser Comedian verstößt gegen „integrative Werte“

In London soll eine 300 Jahre alte denkmalgeschützte Statue von Thomas Guy (1644–1724) an einen anderen Ort versetzt werden. Die Statue des Geschäftsmannes, Philanthropen und Politikers steht derzeit im Haupthof des von Guy gestifteten renommierten Krankenhauses Guy’s Hospital. Die Pläne werden mit der Tatsache begründet, dass Guy Unternehmensanteile an der South Sea Company besaß, die Sklaven an südamerikanische Plantagen lieferte. Der Geschäftsführer der Stiftung, die das Guy’s Hospital betreibt, sagt, er wolle sicherstellen, dass der „öffentliche Raum rund um die Krankenhäuser für alle einladend ist“. Während der „Black Lives Matter“-Demonstrationen 2020 wurde die Statue bereits zugebrettert. Britische Kommentatoren rechnen aufgrund des Denkmalschutzstatus mit einem langwierigen und teuren Rechtsstreit um die Frage, ob die Statue überhaupt umgesetzt werden darf. (Quelle: Spiked)

Ebenfalls in England hat ein in der Kleinstadt Driffield angebrachtes Wandbild eine absurde Rassismusdebatte ausgelöst, die es bis in die nationalen Leitmedien geschafft hat. Die Stadtverwaltung wollte mit der „Wall of Fame“ eine Handvoll örtlicher Ladenbesitzer, Restaurantbesitzer und weitere bekannte und geschätzte Persönlichkeiten aus Driffield ehren. Diese waren zufälligerweise alle weiß – kaum verwunderlich in einer Stadt, deren Bevölkerung laut Zensusdaten zu 98,7 Prozent aus Weißen besteht.

Im englischen Sheffield darf Roy Brown (Jahrgang 1945), eine Art Kultfigur, die sich auf obszöne Witze und die klischeehafte Personifizierung eines reaktionären alten weißen Mannes spezialisiert (er bezeichnet sich selbst als den „gröbsten und unfreundlichsten“ Comedian), zum ersten Mal seit über 30 Jahren nicht in der Stadthalle auftreten. Seine Comedy-Show spiegle nicht „die integrativen Werte von Sheffield“ wider, teilte der Stadtrat mit. Tausende Menschen haben aus Protest gegen diese Entscheidung eine Petition unterzeichnet. (Quelle: The Star)

Übertrieben indischer Akzent führt zur Löschung

Last but not least: Wie The Post Millennial berichtet, hat der US-Sender Comedy Central eine Folge aus der ersten Staffel der Kult-Serie „The Office“ (ein Vorbild für die deutsche Fernsehserie „Stromberg“) aus seiner Mediathek gelöscht. Es handelt sich um die Folge „Diversity Day“, in der die Mitarbeiter des fiktiven Papierherstellers Dunder Miflin eine Fortbildung über „Diversität und Inklusion“ besuchen. Bürochef Michael Scott (Steve Carell) spricht in dieser Folge in einem übertriebenen indischen Akzent und führt eine Standup-Nummer über verschiedene Arten von Afroamerikanern auf.

Ich erinnere mich, wie wir an meinem eher links geprägten und ethnisch gemischten Berliner Gymnasium die erste Staffel von „The Office“ im Englisch-Leistungskurs geschaut haben. Damals hatte niemand ein Problem mit dieser Folge, wir fanden sie wahnsinnig komisch. Nun, die Zeiten ändern sich.

Und damit endet der wöchentliche Überblick des Cancelns, Empörens, Strafens, Umerziehens, Ausstoßens, Zensierens, Entlassens, Verklagens, Einschüchterns, Politisierens, Umwälzens und Kulturkämpfens. Bis nächste Woche!

erschienen auf Achgut


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Von Kurt Kulac - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37071199


Samstag, 11 September 2021

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