Die Schule des Schweigens

Die Schule des Schweigens


Die Funktionäre der politischen Kaste wollen ihre sogenannten Koalitionsverhandlungen also tatsächlich als Mauscheleien und Geheimabsprachen im Verborgenen exekutieren - warum wohl?

Die Schule des Schweigens

Von Ramiro Fulano

Meine Damen und Herren: Wie alle handelsüblichen Verräter jederlei Geschlechts wissen, ist Verschwiegenheit ein hehres Gut, denn der Verrat lebt von der Unkenntnis seiner Opfer. Sie müssen nicht bei Verdi oder Shakespeare (Othello) im Zuschauerraum gesessen haben, um zu wissen, dass Infamie, List und Heimtücke dann am besten gedeihen, wenn sie im Verborgenen erblühen. Man würde sich schließlich auch nicht in der eigenen Nachbarschaft zum außerehelichen Geschlechtsakt jedweder Orientierung treffen, sondern höchstens in einer Spelunke am Stadtrand, nicht wahr?

Soweit zum Vorspiel, genauer gesagt: zur Ouvertüre. Akt Eins der momentan in Krautland inszenierten Politposse basiert auf der Annahme diverser politischer Akteure, dass ihre Opfer vom eben Erwähnten nichts wüssten, deuchten oder ahnten. Indes: Dem ist nicht so. Um es mit Alexander Solschenizyn zu sagen: Wir wissen, dass sie lügen. Sie wissen, dass sie lügen. Wir wissen, dass sie wissen, dass sie lügen. Und so weiter ad Infinitum, bis der letzte Rest politischen Vertrauens unter dem Druck seiner eigenen Schwerkraft zergeht wie baryonische Materie in einem Schwarzen Loch (was übrigens nichts Rassistisches ist, liebe Opferinnen rotgrüner „Bildungs“-Politik).

In dieser Form fand Regierungspolitik in Krautland schon vor hundert Jahren statt: Beweisstück A ist ein Gemälde des bekannten Expressionisten Georg Grosz mit dem Titel „Die Stützen der Gesellschaft“. In meinem Lehrbuch der Geschichte war es noch abgebildet, aber inzwischen wird es im Unterricht  nicht mehr gezeigt - weil es die politische Realität auf dem Archipel Öko schlichtweg zum Wiedererkennen entstellt. Und das ist natürlich nicht im Interesse rotgrüner Politik.

Statt - wie auf Grosz Ölschinken - trägt man im linksalternativen Honoratioren-Milieu heute einen Fahrradhelm statt einem Stahlhelm und einen Aluhut statt einem Nachttopf. Und die Stützen dieser Gesellschaft treffen sich natürlich nicht mehr zum Bier in der Dorfkneipe, sondern zu Tee und Dinkel-Kekschen aus biologisch-korrektem Anbau auf einem x-beliebigen IKEA-Sofa, das schon etwas durchgesessen ist und in der Wohnküche steht.

Von konventioneller Politik erwartet man nichts Anderes als Heuchelei und Betrug hinter vorgehaltener Hand. Doch was ist mit den selbsterklärten Lichtgestalten des politischen Firmaments? Was ist mit denen geschehen, die einst - in der grauen Vorzeit der Kohl-BRD - antraten, alles „anders“ zu machen (was ja nicht unbedingt „besser“ bedeutet)? Was wurde, in einem Wort, aus den Ökopathen?

Die Grünen, daran muss man an dieser Stelle vielleicht erinnern, waren einmal (völlig zurecht) davon überzeugt, dass der politische Regelbetrieb in der um 1980 realexistierenden BRD dringend reformbedürftig sei. Willy Brandts „Wagnis“ (= mehr Demokratie, nicht mehr Europa) war gerade erst in den Mühlen der Rasterfahndungen nach der Baader-Meinhof-Gang verreckt. Beim demokratischen Aufbruch ab 1968 stritten man und frau sich darüber, ob sie sich in Form einer politischen Partei institutionalisieren, aber auch professionalisieren sollten. Und wenn ja, wie sie das am geschicktesten anstellen könnten - ohne so zu werden, wie das System, das sie bekämpfen wollten.

Mit ihrem entschiedenen - und streckenweise missionarischen - Eintreten für Wahrheit und Klarheit, Transparenz und Kommunikation, feierten die Grünen den einen oder anderen Achtungserfolg als Schmuddelkind und Bürgerschreck, bis sie sich dann 1998 erstmals auch auf Bundesebene an der Ausübung von Regierungsmacht beteiligten.  

Soweit die Handlung im ersten Akt. Wären wir im Theater, hätten Sie jetzt die Gelegenheit, sich die Beine zu vertreten. Aber an dieser Stelle geht es ohne Pause weiter. Eine altgediente Kalenderweisheit besagt: Wen Macht korrumpiert, den korrumpiert absolute Macht absolut. In den rund 20 Jahren nach Schröder ist der linksalternative Konsens so absolut und totalitär geworden, dass man im Fall der Ökopathen von absoluter Korruption sprechen kann.

Was ist aus den hehren Idealen geworden? Die Grünen sind heute in erster Linie eine Lobby-Partei für die sogenannten „erneuerbaren“ Energien. Da geht es nur in einem sehr instrumentellen Sinn um Umwelt- oder Klimaschutz und vielmehr um die wirtschaftlichen Interessen einer milliardenschweren Industriebranche. Mit Naturschutz hat all das nicht viel zu tun - angefangen von der menschenunwürdigen Gewinnung der Seltenen Erden für die sogenannten Elektroautos bis zur ökologisch korrekten Landwirtschaft, die nicht mal ein Viertel der Weltbevölkerung satt machen könnte.

Vor diesem Hintergrund war es erfreulich, dass nur 32 % aller Erstwähler (m, w, d) auf den ökologisch korrekten Spuk hereingefallen sind. Apropos: Ein ähnliches Wahlergebnis hatte die NSDAP bei den letzten - mehr oder weniger - freien Wahlen der Weimarer Republik 1933. 

Grüne Politik heute, rund 40 Jahre nach ihrer Erfindung, versteht den Staat als nichts weiter als einen gigantischen Apparat zur Umverteilung künstlich verknappter gesellschaftlicher Ressourcen von unten nach oben. Insbesondere Artikel des täglichen Bedarfs (Energie und Nahrung) sollen unter dem Primat einer zweckdienlichen Selbstermächtigungsideologie (= „Klimaschutz“) so sehr künstlich verteuert werden, dass sich abgesehen von einer selbstgekürten Ökopathen-Elite (die vorzugsweise im Staatsdienst beschäftigt ist) niemand mehr den Wohlstand, den wir kennen, leisten kann.

Der politische Kampfauftrag vom ökologischen Umbau ist nichts weiter als Lenins altbekannte Devise auf Höhe des Zeitgeistes: das Zermahlen der Bourgeoisie zwischen den Zwillingsmühlsteinen von Steuer und Inflation. Das ist natürlich nichts, über das Ökopathen jederlei Geschlechts gerne öffentlich reden. Und deshalb schweigen sie. Aber das ist die Perspektive, in der sich die Partei aus Sicht ihrer Basis bewegen soll. Und deren Ressentiments werden erst dann befriedigt sein, wenn wir alle in zugigen Lehmhütten hocken und in die Hafergrütze starren - damit sich die ökologisch-korrekte Elite wie Graf Rotz auf Koks aufführen kann.

Nach ihrem langen Marsch durch die Institutionen sind die Grünen zu genau dem geworden, was sie einmal bekämpfen wollten: selbstgefällige Heuchlerinnen jederlei Geschlechts, denen es um nichts anderes geht als eine möglichst totale und autoritäre Machtausübung.

In der einen oder anderen Form wird dieser Wahnsinn politischer Selbstermächtigung also an der nächsten Regierung beteiligt sein. Kein Wunder, dass die Koalitionsgespräche nur als Mauscheleien im Verborgenen funktionieren. Bemerkenswert, dass derlei im Namen von Wahrheit und Klarheit, Transparenz und Kommunikation geschehen kann. Und in welchen Ausmaß das von einer staatstragenden Presse abgenickt wird.


Autor: Ramiro Fulano
Bild Quelle: Jürgen Matern, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons


Sonntag, 03 Oktober 2021

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