Afrika ist überall? Vom Wählen in Berlin

Afrika ist überall? Vom Wählen in Berlin


Es gibt ein zählebiges Etikett: Immer wenn mir Afrikaner von Misswirtschaft, Korruption, sozialistischen Experimenten, maroder Infrastruktur, unfähigen Bürokraten, Unterfinanzierung von Schulen, heruntergekommenen Hochschulgebäuden in ihren Ländern berichten, endet ihre Klage mit dem Stoßseufzer „This is Africa“ oder „C‘ est l’Afrique“.

Afrika ist überall? Vom Wählen in Berlin

von Volker Seitz

Für diese Afrikaner stehen Wahlen z.B. in Kamerun, Uganda, Tansania, Guinea (kürzlich wurde der gewählte Präsident allerdings durch einen Militärputsch abgesetzt) für all das, was in Afrika gründlich schiefläuft. 

Da aber Deutschland und die EU, auch im Namen der Wohltätigkeitsindustrie bei diesen Wahlergebnissen – egal wie sie zustande kommen –, höchstens ein paar Unregelmäßigkeiten feststellen können, sagen mir diese Afrikaner sarkastisch „Afrika ist überall.“ Mir ging das immer zu weit.

Dies hat sich seit letzten Sonntag geändert. Ich sehe mich nach dem Chaos am Wahltag in dem überforderten und defekten Gemeinwesen Berlin nicht mehr in der Lage, afrikanische Staaten zu kritisieren, wenn sie demokratische Wahlen nicht angemessen organisieren können. Identische Wahlergebnisse gleich in 22 Wahllokalen habe ich in 17 Jahren in Afrika nie erlebt. „Geschätzte Zahlen“, fehlende Stimmzettel, mehr Wähler als Wahlberechtigte und stundenlanges Schlangestehen vor Wahllokalen, wie in Berlin, schon eher. Der Berliner Tagesspiegel hat berechnet, dass in mindestens 16 Wahlbezirken die Zahl der angegebenen Wähler höher ist als die der tatsächlich Wahlberechtigten. Daraus ergäbe sich etwa im Wahlbezirk Reinickendorf eine Wahlbeteiligung von 150 Prozent. In Tempelhof-Schöneberg wären es 126 Prozent.

Vielleicht haben meine afrikanischen Freunde doch recht: „Afrika ist überall“. Um dies zu ändern, bedarf es nicht nur in Afrika starker und verantwortungsbewusster Institutionen, Standards und Denkweisen.

erschienen auf Achgut


Autor: Achgut
Bild Quelle: Pixabay


Montag, 04 Oktober 2021

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