Chaos, oder was? Wofür steht das C in der Union?

Chaos, oder was? Wofür steht das C in der Union?


Wofür stand eigentlich noch einmal das „C“ im Namen der Union? Charismatisch würde ich einfach mal ausschließen. Also vielleicht chaotisch?

Chaos, oder was? Wofür steht das C in der Union?

Von Gastautorin Annette Heinisch

Menschen aus längst vergangenen Zeiten behaupten, es stünde für christlich. Aber das ist abwegig. Wären die Mitglieder christlich, würden sie das eine oder andere aus der Bibel kennen. Zum Beispiel den Grundsatz des rechten Timings: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ (Prediger 3).

Öffentlich schmutzige Wäsche zu waschen ist immer ein Zeichen fehlender Kinderstube, dies aber auch noch zur Unzeit zu tun, ist indiskutabel. Wer in Zeiten von Koalitionsverhandlungen zur Regierungsbildung nichts Besseres zu tun hat als parteipolitische Spielchen zu treiben, sollte sich zukünftig von Staatsgeschäften fernhalten. Er hat die dafür nötige Reife nicht.

 

Aber diese Lektion werden die Wähler der Union bei den nächsten Wahlen sicherlich erteilen, in so weiter Ferne liegen sie schließlich nicht. Die erste Kostprobe wird Herr Günther in Schleswig – Holstein bekommen, der von Geschlossenheit und Timing nichts hält. Er https://www.zdf.de/nachrichten/video/politik-daniel-guenther-cdu-nominierung-hans-georg-maassen-lanz-100.html und seine Bildungsministerin Prien https://taz.de/CDU-Politikerin-Karin-Prien/!5797201/ rieten bekanntlich zur Wahl eines SPD – Kandidaten, also werden sie zweifelsohne hocherfreut zur Kenntnis nehmen, wenn die Wähler ihrem Rat auch in Schleswig – Holstein folgen werden.

Stünde das „C“ für christlich, dann hätten die Protagonisten auch sicherlich etwas von dem Satz gehört: “Wer ohne Sünde sei, werfe den ersten Stein auf sie.“ (Joh. 8 11). Dieser Satz ist die Basis der Selbstreflexion und Selbstkritik, was wiederum das Fundament des Fortschritts ist. Sündenböcke erleichtern die Seele im Augenblick, jemand hat angeblich Schuld auf sich geladen und man zerstört ihn. Wie einfach, Problem erledigt, Ursachensuche abgeschlossen. Man selbst braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, ungemein praktisch.

Nur kommt man damit nicht weiter. Die wahren Probleme sind nicht gelöst, sie wachsen fröhlich weiter, bis sie dann irgendwann nicht mehr in den Griff zu bekommen sind. Mit der Methode „Sündenbock“ macht man sich zugleich ohnmächtig, denn wenn die Eliminierung des Schuldigen nichts hilft, das aber die einzige Methode ist – dann ist man dem Unheil eben ausgeliefert! Kannst nix machen! Wie furchtbar, sich jedem Unheil völlig hilflos ausgeliefert zu fühlen. Die Einsicht in die eigene Fehlbarkeit verleiht hingegen zugleich die Macht, sein Schicksal selbst mit zu beeinflussen.

Die christliche Tradition ist daher den Weg der Selbsterkenntnis gegangen. Wer weiß, dass er selbst Fehler macht, wird demütig. Dies ist ein effektives Mittel gegen Größenwahn, der die Welt beherrschen will oder noch besser, die Kontrolle über das Klima und planetare Grenzen zu haben meint und der Welt ein nacheifernswertes Vorbild sein zu können. Neben Demut tritt die Selbstreflexion, also die Möglichkeit, aus verschiedenen Blickwinkeln sein Verhalten zu untersuchen und Fehler zu erkennen. Diese Grundeinstellung, Sachverhalte kritisch zu analysieren, ist die Grundlage aller Wissenschaft.

Würde das „C“ also für christlich stehen, würde die Union nicht den mit Mehrheit gewählten Parteivorsitzenden zum Sündenbock machen. Sie würde kritisch hinterfragen, warum die Partei nicht den von der Basis gewünschten Friedrich Merz gewählt hat, der überzeugender die Werte der Partei verkörpert. Betrachtet man die politische Großwetterlage, sind neben erheblichen sicherheitsrelevanten vor allem gravierende wirtschaftliche Risiken zu verzeichnen. Als Wirtschaftsexperte wäre Merz also auch fachlich der richtige Mann zur rechten Zeit. Zur Selbstkritik gehört zu hinterfragen, warum die Union vieles, wofür sie steht, verraten hat. Wie kam es, dass so viele Werte der Machtgier geopfert wurden? Welches Vertrauen soll der Wähler einer Partei entgegenbringen, von der er sich seit Jahren immer wieder verraten fühlt?

Die Union ist mit dem Ende der Ära Merkel nicht mit sich im Reinen. Sie bemerkte durchaus, dass wichtige Dinge schieflaufen. Daher wollte sie einen Moderator, der die auseinanderdriftenden Teile der Partei zusammenhalten sollte. Damit wälzte sie allerdings ihre innerparteilichen Probleme auf das Land ab, denn ein Kanzler muss eine andere, nämlich eine Führungspersönlichkeit sein. Aufgabe der Wähler ist es nicht, einer Partei die Lösung interner Probleme zu ermöglichen.

Tatsächlich hätte die Union auch lange genug Zeit gehabt, ihre Probleme zu lösen. Auf keinen Fall hätte Merkel bei der Bundestagswahl 2017 noch einmal antreten dürfen. Eine Frau, die so viele Fehlentwicklungen zu verantworten hat, dabei keinen Fehler auch nur ansatzweise erkannte oder zumindest zugab, war eine Zumutung für viele Bürger. Ihr großer Schatten verdunkelte Land und Union in den letzten vier Jahren, nahm das nötige Licht, um das Menetekel an der Wand zu erkennen. Diese biblische Erzählung, die bis heute für drohendes Unheil steht (Dan. 5), hat die Union offenbar auch nicht gekannt. Statt umzusteuern, wurde munter weiter gejubelt, weitere Merkelianer in Amt und Würden installiert.

Stünde das „C“ für christlich, so hätte die Union zumindest die biblischen Erzählungen gekannt, die vor Hochmut und Dekadenz warnen. Dekadenz ist ohnehin ein Problem vieler Hochkulturen, welches zum Niedergang führt. https://www.achgut.com/artikel/dekadenz_ein_boeses_wort#comment_entries


Autor: Vera Lengsfeld
Bild Quelle: CDU/CSU-Bundestagsfraktion, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons


Montag, 11 Oktober 2021

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