Heinrich Maier: Ein katholischer Priester opfert sein Leben im Widerstand gegen ein totalitäres Regime

Heinrich Maier: Ein katholischer Priester opfert sein Leben im Widerstand gegen ein totalitäres Regime


Seine Geschichte wurde noch nie erzählt. Bis jetzt.

Heinrich Maier: Ein katholischer Priester opfert sein Leben im Widerstand gegen ein totalitäres Regime

Von Dr. David Berger

Der katholische Priester Heinrich Maier ging – aufgrund seines katholischen Glaubens – in den Widerstand zum Nationalsozialismus und nahm dafür in Kauf, dass er noch am 22. März 1945, kurz vor der Befreiung Österreichs, gefoltert und schließlich enthauptet wurde.

„Wie schreibt man über einen Menschen, der trotz Folter, Todesurteil und Konzentrationslager seinen Glauben und seine Überzeugung noch vertiefte und mit den Worten ‚Für Christus, den König! Es lebe Österreich!‘ am 22. März 1945 um 18.40 Uhr kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee als wahrscheinlich Letzter im Landgericht Wien enthauptet wurde?“

…fragt sich Bernhard Kreutner in der Einleitung zu dem Buch „Gefangener 2959. Das Leben des Heinrich Maier – Mann Gottes und unbeugsamer Widerstandskämpfer“. Und antwortet kurz und knapp: „… indem man diese Geschichte persönlich nimmt“.

Persönlich nimmt Kreutner dann das Schicksal Maiers auf zweierlei Weise: Zum einen, indem er die Geschichte von Maier detailgetreu rekonstruiert:

Nach der Eingliederung Österreichs in das nationalsozialistische Deutsche Reich, dem sogenannten „Anschluss“ im Jahr 1938, wurde Meier bald klar, dass er sich dem NS-Regime nicht beugen würde. Maier war bereit, sein Leben für seine Überzeugung zu riskieren – auch wenn das seinen Tod bedeutete.

Kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee enthauptet

1940 schloss er sich einer konservativen Widerstandsgruppe an, die strategische Informationen an die Alliierten weitergab.

(Foto: Maier bei seiner ersten heiligen Messe – Primizmesse)

Maier wurde festgenommen, verhört, gefoltert, ins KZ Mauthausen verbracht und schließlich am 22. März 1945 enthauptet – kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee und dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Autor wertete Gerichtsakten, Gestapo-Unterlagen und Zeitzeugen-Berichte aus. Auch Schilderungen von Priesterkollegen, KZ-Insassen und Maiers Freunden flossen mit ein. Aus all diesen Dokumenten und persönlichen Erinnerungen lässt der Autor das Bild der Seelenwelt eines Menschen entstehen, der monatelang eingesperrt, misshandelt und gefoltert wurde. Und dennoch seinen Glauben nicht verlor, sondern der gerade in der extremen Herausforderung stark wurde.

Kreutner selbst zu seinen Recherchen: „Dieses Kennenlernen fußt, mit kleinen Abweichungen, auf dem Fundament der tatsächlichen Gegebenheiten. Manches, wie zum Beispiel wann genau Heinrich Maier von der Wiener Gestapo-Leitstelle am Morzinplatz in das Polizeigefangenenhaus überstellt beziehungsweise zu den wiederholten Verhören inklusive Folter abgeholt wurde, lässt sich heute nicht mehr sagen. Fest steht, von seiner Verhaftung bis zur Hinrichtung, all diese Stationen hat Heinrich Maier in dieser Reihenfolge durchlitten, und die genannten Personen wie die Herren Sanitzer, Brödl, Huber oder Albrecht haben tatsächlich in den angeführten Funktionen für die Gestapo sowie am Volksgerichtshof gearbeitet. Auch deren erwähnte Herkunft und Werdegang entsprechen den Tatsachen (…)

Sein bis zur Hinrichtung mutiges Auftreten und seine mitunter sarkastische beziehungsweise ironische Ausdrucksweise, selbst gegenüber dem Volksgerichtshof und dem KZ-Lagerkommandanten, sind von seinen Weggefährten bezeugt. Sogar die Gestapo scheint mit der Zeit einen gewissen Respekt ihm gegenüber entwickelt zu haben.

Auch die Rolle sowie die Probleme der Bürokratie werden thematisiert. Der NS-Sicherheitsapparat war lange nicht so effektiv und effizient, wie er sich nach außen gerne darstellte. Ebenso sind die Versuche von Gestapo-Mitarbeitern, sich Rückversicherungen für die Zeit danach aufzubauen, dokumentiert und zeigen im Grunde nur deren kalte Berechnung.“

„Hätten wir selbst den Mut zum Widerstand gehabt?“

Zum anderen nähert sich Kreutner Meier „persönlich“, indem er die Frage stellt: „Hätten wir selbst den Mut zum Widerstand gehabt?“ Kreutner hat das – nach eigenen Angaben – versucht, als ein Mensch, der nie unter der Knute eines solch mörderischen Regimes leben musste. Als ein Mensch, der nie vor der Entscheidung stand: Bin ich bereit, mein Leben für meine Überzeugung, meinen Glauben zu riskieren und in letzter Konsequenz zu opfern?

Obwohl, zu leben bedeutet im Grunde immer, Entscheidungen zu treffen und deren Konsequenzen zu tragen, manchmal zu ertragen. Aber wie trifft man Entscheidungen, wenn die Aufgabe unlösbar erscheint und die Konsequenzen mitunter den sicheren Tod oder zumindest Haft, Folter und Konzentrationslager bedeuten können?

Man trifft sie genauso wie alle anderen Entscheidungen. Man überlegt, wägt ab und handelt, selbst wenn das Handeln im Abwarten und Verdrängen besteht.

Im Falle des Widerstandes gegen das nationalsozialistische Regime und angesichts des subjektiven Ohnmachtsgefühles haben sich die meisten dafür entschieden, das persönliche Risiko zu verringern, auf das Beste zu hoffen, keinen Widerstand zu leisten, abzuwarten, durchzutauchen. Verständlich, zumal nicht nur das eigene Leben unmittelbar in Gefahr war, sondern auch das der Familie und der Freunde.

Wer sich also fragt: »Wie konnte es zu den bekannten Gräueltaten kommen«, sollte in aller Bescheidenheit das eigene tagtägliche Handeln, den eigenen Mut hinterfragen, bevor er mit erhobenem Zeigefinger pauschal auf die Generation der (Ur-) Großeltern zeigt.

Einige hatten diesen Mut zum Widerstand, doch kaum einer ist seinen Weg mit einer derartigen Konsequenz gegangen wie Kaplan Heinrich Maier.“

Und heute?

Das Buch über einen Widerstandskämpfer gegen die Nazionalsozialisten … einfach nur Geschichte? Nein, zwischen jeder Zeile hört man die gegenwärtige sinistere Situation durchtropfen …

Inzwischen landet man vor Gericht, wenn man Parallelen zwischen dem gegenwärtigen totalitären Corona-Regime und dem totalitären Agieren des  Nationalsozialismus nicht nur sieht, sondern auch öffentlich benennt. So soll auch hier darauf verzichtet werden zu benennen, was immer mehr Menschen offensichtlich scheint.

Aber es bleibt doch immer die Innere Emigration und die ihr eigene Literatur: mit zu den großen Werken dieser Neuen Inneren Emigration wird man vermutlich dereinst auch Kreutners Biographie über Kaplan Heinrich Meier zählen.

Das Buch kann hier versandkostenfrei bestellt werden: Gefangener 2959 – Das Leben des Heinrich Maier – Mann Gottes und unbeugsamer Widerstandskämpfer

 

Erstveröffentlicht bei Philosophia Perennis


Autor: Philosophia Perennis
Bild Quelle:


Montag, 11 Oktober 2021

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