Merkel geht, der Selbstbetrug bleibt

Merkel geht, der Selbstbetrug bleibt


Angela Merkel hat Grund zum Lachen. Neuerdings. Auf dem Klima-Gipfel in Glasgow, zu dem die ums Weltklima besorgten Regierungschefs, gekrönten Häupter und progressiven Wirtschaftsbosse zu Dutzenden in Privatjets einflogen, um sich mal wieder persönlich zu treffen, war sie außer sich vor Heiterkeit.

Merkel geht, der Selbstbetrug bleibt

 Ein Foto zeigt sie mit Camilla, der Herzogin von Cornwall: Die scheidende Kanzlerin hält ein weitgehend geleertes Glas in der Hand und lacht lauthals wie die „trunkene Alte“ Malle Babbe auf Frans Hals‘ berühmtem Gemälde von 1633. Ihre Lustigkeit hat etwas Ausschweifendes, etwas Barockes. Das Bild von Frans Hals hängt in den Staatlichen Kunstsammlungen in Berlin.

Das Biestige und Bittere ist aus Angela Merkels Gesicht verschwunden, jetzt, wo sie vom Bundespräsidenten ehrenhaft entlastet, vom Parlament mit Beifall überschüttet, von ihren Hofschreibern in Zeit und Spiegel als Heroine verewigt, als Ziel allgemeinen Unmuts aus dem Verkehr gezogen, sozusagen in Sicherheit ist. Die schreibenden Schmeichler verbreiten ein Video, auf dem sich der französische Präsident, ein zunehmend unbeliebter Potentat wie sie, „mit inniger Umarmung“ von ihr verabschiedet. Zuvor hat er ihr noch das Großkreuz der Ehrenlegion umgehängt. „Auf ein letztes Glas Wein mit der Kanzlerin“, titelt launig die FAZ und bescheinigt ihr einen „gesegneten Durst“. Sie sei in höheren Politikerkreisen schon lange als Liebhaberin eines guten Tropfens bekannt, oft hätte man die Abende nach den Sitzungen beim Wein verbracht, besonders damals, als Merkel und Macron bei der „Regulierung“ der EU-Schuldenkrise „zusammengewachsen“ seien. Daher gab es jetzt, wie die FAZ berichtet, einen Trinkspruch zum Abschied: Jamais en vain, Toujours en vin, Niemals vergebens, immer mit Wein. Dann wurde gemeinsam ein französisches Trinklied gesungen.

Weitaus nüchterner betrachtet der britische Historiker Niall Ferguson in einem kürzlich veröffentlichten Interview Merkels Kanzlerschaft: „Steht Deutschland heute besser da als 2005, als Merkel Bundeskanzlerin wurde? Nein, ganz im Gegenteil. Merkel wird völlig zu unrecht als starke Führungsperson angesehen. Das ist eine Erfindung der Medien. Was soll denn bitte ihre große Leistung gewesen sein? Gut, die Eurozone ist bis heute nicht zusammengebrochen, wenngleich es knapp davor war (…) Merkel hat keine großen Leistungen vorzuweisen, dafür aber viele Fehlentscheidungen.“

Deutschland sei unter Merkels Kanzlerschaft so geschwächt worden, erklärt Ferguson, dass es nicht mehr verteidigungsfähig sei, weder nach außen noch nach innen. „Merkel ist Putins beste Agentin“, führt er hinzu. Mit dem Bau der Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 hätte sich Deutschland in der Energieversorgung „vollkommen von Russland abhängig“ gemacht. Daher sei die Annexion der Krim von Deutschland faktisch akzeptiert worden. „Was würde geschehen“, fragt Ferguson, „wenn Putin sich die gesamte Ukraine holen will? Deutschland ist für einen solchen gewaltigen Konflikt überhaupt nicht vorbereitet – weder politisch noch militärisch. Deutschland hat sich Putins Willen unterworfen.“

Eine feige, pseudo-progressive, medienwirksame Agenda

Deutschland war auf vieles „nicht vorbereitet“ während Merkels Kanzlerschaft, weder auf den Ansturm hunderttausender junger Männer aus Maghreb und Mittlerem Osten noch auf den Ansturm der Wassermassen bei der „Jahrhundertflut“ im Sommer 2021, immer wieder erwies sich, dass die Verwaltung nicht mehr funktioniert, die Infrastruktur morbide ist, Polizei und Justiz von seltsamen Behinderungen paralysiert sind, dass man die dringenden Probleme nur noch vor sich her schiebt und am liebsten verschweigt. Unter Angela Merkel wurde eine feige, pseudo-progressive, medienwirksame Agenda abgearbeitet, aber das Wesentliche versäumt.

Ferguson zeichnet das Bild eines schwachen Landes, ins Abwärts geführt von einer Hochstaplerin. Angela Merkel weiß besser als jeder andere Mensch, wie wenig sie dem Amt gewachsen war, das sie mit Arglist und Machtgier sechzehn Jahre lang okkupierte. Wie jedem guten Demagogen ist es ihr gelungen, Millionen Menschen zu täuschen. Statt die wachsenden Probleme ihres Landes anzugehen, hat sie insgeheim das „System Merkel“ ausgebaut, in dem sie ausschließlich ihrem Machterhalt dienliche Handlanger aufsteigen ließ, charakterlose Mitmacher, zuletzt noch einen unfähigen Kandidaten für die Bundestagswahl, durch dessen Faillissement sie ihre eigene Partei ruinierte.

War schon die Demut erstaunlich, mit der deutsche Mehrheiten sechzehn Jahre lang die sich mehr und mehr offenbarende Misswirtschaft geduldet haben, ist für Ferguson und viele andere ausländische Beobachter umso mehr verwunderlich, dass sich im September dieses Jahres eine Mehrheit für die Fortsetzung dieser Selbstdemontage entschieden hat. Der designierte neue Kanzler Olaf Scholz werde Merkels ruinöse Politik fortführen, sagt Ferguson voraus, offenbar sei die deutsche Gesellschaft unfähig zur Veränderung: „Deutschland will die Stagnation – und wird dafür teuer bezahlen.“ Die deutsche Wirtschaft sei Weltspitze gewesen im Automobil- und Maschinenbau, darauf habe man sich zu sehr verlassen. Zudem wäre es eine Wirtschaft des Zwanzigsten Jahrhunderts – dummerweise befinden wir uns längst im Einundzwanzigsten.

Deutschlands Schwächen werden ins Krisenhafte übergehen

Der von Angela Merkel mit aller Macht durchgesetzte Apparat apologetischer Medien wird die braven deutschen Steuerzahler auch weiterhin über den Niedergang ihres Landes täuschen. „In keiner Disziplin ist Deutschland so gut wie im Selbstbetrug“, resümiert der britische Historiker. „Ihr Deutschen könnt nur so unbeschwert leben, weil die USA euch eine permanente militärische Sicherheitsgarantie gegeben haben (…) Zugleich werden die USA aber von vielen Deutschen verachtet. Das wird über kurz oder lang zu einem gewaltigen Problem führen.“

Zu einem weiteren. Deutschlands Schwächen werden unter der kommenden realitätsfernen Regierung ins Krisenhafte übergehen. Angela Merkel hat, wie die beflissene Berichterstattung über ihren ehrlosen Abgang zeigt, erfolgreich dafür gesorgt, dass die akkumulierenden Probleme des Landes von der offiziellen Öffentlichkeit verschwiegen und verdrängt werden. Jeder Psychologe wird mir darin zustimmen, dass die Verdrängung der zugrundeliegenden Probleme eine Krankheit erst recht verschärft. Die Atmosphäre des Schweigens, der Anpassung, der politischen Korrektheit liegt wie ein giftiger Hauch über diesem Land und hindert bereits die Schulkinder an der Entfaltung ihrer zum Überleben notwendigen Kreativität.

Angela Merkel hinterlässt Deutschland tief gespalten und vibrierend von innerem Hass. Abweichende Meinungen – ob sie die Flüchtlingspolitik betreffen, die Klimapanik oder die Corona-Impfung – werden mit einer Wut verfolgt, die ins Atavistische geht. Sie selbst hat das Rentenalter erreicht und kann sich unter den Lobgesängen der von ihr installierten Hofmedien zurückziehen. Ganz sicher ist es nicht, ob sie nicht doch auf irgendeinem Weg zurückkehrt in die große Politik, doch dann wird es ein Posten in einem internationalen Gremium sein, das noch weniger transparent ist als die vier deutschen Regierungen, die sie zu verantworten hat. Ihren Landsleuten hinterlässt sie einen Berg Probleme, doch für sie war es eine gute Zeit. Sie lacht neuerdings oft und gern. Ich glaube, sie lacht uns aus.


Autor: Chaim Noll
Bild Quelle: Archiv


Samstag, 06 November 2021

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