Wünscht die Badische Zeitung der Ukraine Atomwaffen zurück (?)

Wünscht die Badische Zeitung der Ukraine Atomwaffen zurück (?)


Nukleare Abrüstung mache die Welt nicht sicherer und friedlicher – Stünde die Ukraine mit „ihren“ Atomwaffen besser da? Und wir?

Wünscht die Badische Zeitung der Ukraine Atomwaffen zurück (?)

Von Albrecht Künstle

Zum 1. Januar verfasste und veröffentlichte ich eine Denkschrift

„Gleichgewicht des Schreckens – ungleiche Angstmache“

Ich hoffte, junge Scharfmacher in den Redaktionsstuben durch etwas Nachhilfe in Sachen Ungleichgewicht des Schreckens während des Kalten Krieges bewegen zu können, ihre aggressive Rhetorik zu mäßigen. Aber es gelingt nicht, im Gegenteil. Statt sich zu freuen, dass die fünf Atommächte (und Israel?) einen neuen Anlauf nehmen, das Atomwaffenarsenal der Welt zu begrenzen, goss ein Kommentator der Badischen Zeitung am 4. Januar mittels Geschichtsfälschung noch Öl ins Feuer. Wörtlich:

„Die Ukraine, die einst ‚ihre‘ Atomwaffen freiwillig aufgab, weiß darüber leidvoll zu berichten.“ Und „Auch nukleare Abrüstung macht die Welt nicht automatisch sicherer und friedlicher.“ Will er damit sagen, lasst es bleiben mit nuklearer Abrüstung? Und was bezweckt dieser Kommentator mit der Faktenfälschung? Hat die Badische Zeitung auch einen Relotius? Hier die Fakten:

Die Atomwaffen in der Ukraine gehörten Russland! Die Ukraine war neben Russland, Weißrussland und Kasachstan eine der vier ehemaligen Sowjetrepubliken, auf deren Territorium nach Auflösung der Sowjetunion Atomwaffen stationiert waren. Nach Erlangung der Unabhängigkeit befanden sich im Herbst 1991 auf dem Territorium der Ukraine insgesamt 176 strategische Interkontinentalraketen mit zusammen 1.240 Atomsprengköpfen (Quelle).

Nicht die Ukraine „verzichtete“ auf Atomwaffen, sondern Russland zog diese ab. Im Budapester Memorandum vom 5. Dezember 1994 verpflichtete sich Russland jeweils gegenüber Kasachstan, Belarus und der Ukraine, als Gegenleistung für einen Nuklearwaffenverzicht die Souveränität und die bestehenden Grenzen der Länder zu achten. Innerhalb von zwei Jahren bis 1996 wurden alle Kernwaffen der früheren Sowjetunion nach Russland verbracht, das als „Fortsetzerstaat“ der UdSSR das Recht auf den Besitz von Atomwaffen hat.

Und jetzt soll „zum Dank“ für den Abzug der russischen Atomwaffen die NATO ihre Waffen dort in Stellung bringen dürfen? Glauben denn solche Schreiberlinge, die Sicherheit Europas wäre größer, wären in der Ukraine noch Atomwaffen stationiert? Auf wen wären sie gerichtet? Aber auch andere Gazetten schlagen in die Kerbe, z.B. einer der Zufallsfunde bei der Recherche, die WeLT vom 1.3.2014 titelte „Hätte die Ukraine ‚ihre‘ Atomwaffen besser behalten – die Ukraine hat auf Abschreckungsmacht verzichtet.“ Also auch diese renommierte Zeitung behauptete, die Atomwaffen gehörten der Ukraine, nicht den Russen.

Was einem auffällt: Alle diese Scharfmacher und Geschichtsignoranten zählen wenige Lenze –entsprechend mangelt es ihnen an Weisheit. Das erklärt einiges, entschuldigt aber nichts. Vor dem ersten Weltkrieg waren die Scharfmacher die Älteren, die Jungen waren Kanonenfutter. Manchmal frage ich mich, ob der Songtext von Herbert Grönemeyer mit der Botschaft, „Kinder an die Macht“, schon Realität ist. Aber die Sache eignet sich wenig für Sarkasmus. Man muss sich fragen, liegt der medialen Hetze, aktuell gegen Russland, Unwissenheit zugrunde oder …? 

 


Autor: Albrecht Künstle
Bild Quelle: Museum of Photographic Arts Collections, No restrictions, via Wikimedia Commons


Donnerstag, 06 Januar 2022

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