Fridays for Future katapultiert sich in die Vergangenheit

Fridays for Future katapultiert sich in die Vergangenheit


„Schneide Dir erstmal anständig die Haare, Du langhaariger Heiopei!“

Fridays for Future katapultiert sich in die Vergangenheit

Von Gerd Buurmann

So oder ähnlich hat früher Naziopa Rudolf, der seine Goldfische Göbbels und Göring nannte, über die Jugend geschimpft. Heute übernimmt die Klimaschutzbewegung Fridays for Future diese Erziehungsaufgabe.

Weil die Musikerin Ronja Maltzahn Dreadlocks trägt, wurde sie von einer Fridays for Future– Demonstration in Hannover ausgeladen. Sie hätte dort eigentlich auftreten sollen, aber ihr wurde von den Verantwortlichen mitgeteilt, es täte ihnen zwar sehr leid, aber sie müssten ihr absagen, weil sie eine „weiße Person mit Dreadlocks“ sei.

Für die der Zukunft zugewandten, freitags demonstrierenden Personen ist eine weiße Frau mit Dreadlocks „eine Form der kulturellen Aneignung“ und „nicht vertretbar“.

Naziopa Rudolf nannte es „Rassenschande“, wenn Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe es wagten, ihre Kulturen zu vermischen. Fridays for Future nennt es heute „kulturelle Aneignung“.

Was bitte soll diese kulturelle Aneignung sein?

Ich habe mich mal in meinem Leben umgeschaut. Alles, aber wirklich alles, was ich benutze, habe ich nicht selbst erfunden. Ich habe mir alles angeeignet, meine Sprache, die Werkzeuge, mein ganzes Wissen. Was also soll ich tun?

Darf ich nur noch Dinge konsumieren, die von Menschen meiner Hautfarbe erfunden wurden? Darf ich etwa keine Kartoffeln mehr essen, weil sie aus Amerika importiert wurden? Müssen Muslime und Christen ihre Religion ablegen, weil sie sich den Glauben von Juden angeeignet haben? Sollen nur noch Amerikaner Facebook benutzen dürfen? Sollen alle Deutschen, Engländer und Franzosen aufhören, ihre Sprache zu schreiben, weil sie lateinische Buchstaben benutzen? Sollen Menschen in Afrika aufhören, sich Techniken aus Europa anzueignen?

Menschen waren und sind ständig im Austausch. So sind Kulturen entstanden. Menschen haben voneinander gelernt und sich aneinander gemessen. Sie waren Gegner und Freunde, Nachbarn und Fremde, aber immer haben sie sich gegenseitig inspiriert. Die Evolution der Menschheit ist eine fortlaufende Aneignung. Für Fridays for Future jedoch ist diese Menschlichkeit „nicht vertretbar“. Sie geben der Musikerin jedoch eine Chance:

„Solltest du dich bis Freitag dazu entscheiden, deine Dreadlocks abzuschneiden, würden wir dich natürlich auf der Demo begrüßen und spielen lassen.“

Schneid Dir erst mal die Haare, bevor Du zu mir kommst! Besser hätte es Naziopa Rudolf nicht sagen können. Er hatte übrigens auch kein Problem damit, junge Frauen auf ihr Äußeren zu reduzieren und sie danach zu bewerten, wie sie aussehen. Die Verantwortlichen der Ausladung erklären weiterhin:

„Uns tut es leid, dass wir es überhaupt zu der Situation haben kommen lassen und uns nicht ausführlich genug damit beschäftigt haben, welche Künstler*innen für unsere Demo angefragt werden.“

Was braucht Fridays for Future, um in Zukunft besser entscheiden zu können, wer bei ihnen auftreten darf?

Muss Naziopa Rudolf etwa die Nürnberger Rassegesetze aus seinem Keller kramen, damit Fridays for Future entscheiden kann, zu welcher Rasse jemand gehört, um so zu bestimmen, wie er sich kleiden darf? Wann darf eine Frau Dreadlocks tragen? Reicht es, wenn sie einen schwarze Vater hat oder reicht auch schon eine schwarze Großmutter? Wann ist man schwarz genug, um das weiße Okay von Fridays for Future zu bekommen, unterdrückt zu sein?

Die jungen Menschen von Fridays for Future sind bei ihren Urgroßeltern angekommen. Sie verwandeln wunderbare, edle Ansichten und Dinge in übel riechende Ideologien.

Wie alle Menschen, so eigneten sich damals auch die Nazis ihre Überzeugungen und Symbole an. Sie eigneten sich zum Beispiel die Swastika an, ein Symbol, das eigentlich als Glücksbringer galt. Die Nazis machten daraus das mörderische Hakenkreuz. Sie eigneten sich zudem die Ideen verschiedener Philosophen an und brauten daraus eine stinkende Tunke in ihren braunen Tonnen. Die Verantwortlichen von Fridays for Future machen heute genau das. Sie kritisieren bei Ronja Maltzahn, was sie selbst betreiben, nämlich eine „kulturelle Aneignung“.

Sie nehmen für sich in Anspruch, darüber zu bestimmen, wer unterdrückt ist. Sie erklären, wer zu welcher Rasse gehört und was daraus für sie an Rechte und Pflichten resultieren. Das ist ein Anmaßung, die sie sich von ihren Vorfahren angeeignet habe – vermutlich unbewusst.

Aber was erlaube ich mir schon, über das Unterbewusstsein dieser Leute zu spekulieren. Die Psychoanalyse wurde schließlich von einem Juden erfunden und als Nicht-Jude habe ich selbstverständlich nicht das Recht, mir dieses Wissen

 


Autor: Gerd Buurmann
Bild Quelle: / C.Suthorn / cc-by-sa-4.0 / commons.wikimedia.org(Note the three necessary links to author, licence and image file in the attribution.)


Freitag, 25 März 2022

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