Wie die politische Linke ihre letzten klugen Köpfe verjagt

Wie die politische Linke ihre letzten klugen Köpfe verjagt


In unserer berechtigten Genervtheit über linke und grüne Politik vergessen wir oft, dass es in ihren Reihen auch noch vereinzelt kluge Köpfe gibt, die zumindest in Teilbereichen ganz vernünftige Ideen äußern.

Wie die politische Linke ihre letzten klugen Köpfe verjagt

Von Mirjam Lübke, Ansage.org

Wer weiß, was diese Menschen noch in der Ideologieblase hält? Vielleicht ist es der Gedanke, nur auf dieser Seite etwas für soziale Gerechtigkeit tun zu können. Diesem Irrglauben hing auch ich lange an, bis mir die ständige Gedankenkontrolle und die „Cancel Culture” – die damals noch Randale hieß – die Augen öffneten. Etwas lief hier gewaltig schief, darüber konnte auch die vorgebliche „Rettung der Menschheit“ nicht hinwegtäuschen. Vor zwanzig Jahren herrschte allerdings noch ein relativer Konsens darüber, dass die Methode des Niederschreiens nicht der richtige Weg sei, um gegen abweichende Meinungen vorzugehen.

Über Anna Vero Wendland habe ich mich vor ein paar Monaten mit einiger Schadenfreude geäußert, weil sie als Linke eine ordentliche Dosis dieser linken Medizin abbekam und darüber sehr verwundert war. „Guck mal, gute Frau, so geht’s uns ständig„, dachte ich kopfschüttelnd. „Ist dir das bisher entgangen, oder war es dir egal?“ Aber inzwischen muss ich mit einiger Anerkennung sagen: Frau Wendland ist ganz schön tapfer, wenn sie als Linke die verpönte Kernenergie verteidigt. Und sie hat sich, soweit ich das als Geisteswissenschaftlerin beurteilen kann, ein breitgefächertes Wissen zum Thema angeeignet. Sich derart der parteiinternen Ideologie entgegenzustellen und Argumente zusammenzutragen, hat schon was.

Prompt wurde Vero mit einer bei Linken und Grünen beliebten Methode attackiert, die sich immer häufig beobachten lässt: Es wird, um sich nicht mit der Argumentation auseinanderzusetzen zu müssen, ein Detail herausgegriffen, vielleicht eine nicht hundertprozentig klare Formulierung – an dieser beißt man sich dann fest. Das passiert auch auf der Facebook-Seite meines Chefs ständig, zum Beispiel bei unserem Beitrag „Tabuthema Post-Vac-Syndrom„: Aus dem Text ging eindeutig hervor, dass jenes Tabu aus dem Unwillen bestand, Folgen der Covid-Impfungen zu erfassen und systematisch zu erforschen. Unser Kommentator jedoch beharrte darauf, dass der Titel irreführend sei. Ganz ähnlich ging es auch Frau Wendland, die für ein Weiterbetreiben der verbliebenen Kernkraftwerke argumentiert: Neben den üblichen „Aber Tschernobyl…!„-Aufschreien hängten sich ihre Gegner an einer juristischen Formulierung auf.

Was im ersten Moment einfach nach Kleingeistigkeit und Korinthenkackerei aussieht, ist tatsächlich ein fieses Mittel, um den anderen als inkompetent dastehen zu lassen – da kann der Rest des Textes oder der Rede noch so gut sein. Wir alle picken gerne die Fehlleistungen des politischen Gegners heraus, aber es ist eben ein Unterschied, ob diese sich wie ein roter Faden durch alle Äußerungen ziehen – wie bei einigen grünen Damen von Fester bis Roth -, oder ob es sich um kleine Macken handelt, die nicht an der Gesamtkompetenz rütteln. Es versteht sich schließlich aus grüner Sicht von selbst, dass Kritik am kindischen Auftreten von Emilia Fester oder an Annalena Baerbocks flexiblem Verhältnis zu Naturwissenschaften grundsätzlich böswillig motiviert sein muss! Ganz ableugnen kann ich dies zumindest für meine Person mittlerweile nicht mehr – denn die Selbstverständlichkeit, mit der die genannten Damen den wirklich gröbsten Unfug vortragen, lässt bei der jeweiligen Entlarvung durchaus eine gewisse Schadenfreude aufkommen. Wie es in den Wald hineinruft…

Habeck als Einäugiger unter Blinden

Wir brauchen uns nicht zu wundern, wie sehr wir als Nichtlinke für unsere Meinung angegangen werden, wenn schon der Druck in den eigenen Reihen so groß ist. Robert Habeck etwa – der in seiner Rolle als Öko-Oberlehrer einen Sparappell nach dem anderen raushaut – scheint mir, gemessen an Baerbock, doch noch ein Einäugiger unter den Blinden zu sein. Im März hatte er sehr wohl erkannt, dass sich Deutschland ein knallhartes Energieembargo gegen Russland nicht leisten kann. In der Talkshow von Anne Will warnte er vor Armut und Arbeitslosigkeit als möglichen Folgen. Wie man von derlei Einsicht zu Aussagen übergehen kann, in denen die Deutschen als ein Häuflein Verschwender dargestellt werden, ist nur durch Gruppendruck erklärbar; nun sind hohe Preise plötzlich kein Ergebnis verfehlter Energiepolitik mehr, sondern ein Erziehungsinstrument – wie bei den Grünen üblich. Schämt man sich eigentlich nicht, derart gegen die eigenen Erkenntnisse zu argumentieren? So etwas resultiert entweder aus Verblendung – oder dem allzu festem Kleben am eigenen Posten. Wer noch ein wenig Selbstachtung hat, sollte spätestens jetzt rebellieren.

Allerdings machen auch jene, die sich durchaus einen eigenen Kopf bewahrt haben (so wie etwa Sahra Wagenknecht mit ihrer Kritik an unkontrollierter Migration) den Schritt nicht, mit Gleichgesinnten über die Parteigrenzen hinweg zu reden. Die Angst vor „Applaus von der falschen Seite“ ist zu groß, da auch dieser wieder als Waffe zur Diskreditierung eingesetzt wird. So hindert man die eigenen „Dissidenten“ zwar vielleicht nicht am Reden, aber doch daran, wirksame Bündnisse zu schließen. Damit sichergestellt ist, dass sie auch weiterhin Einzelkämpfer bleiben. Die Betroffenen sind wohl kaum zu dumm, um diese Mechanismen zu erkennen; aber entweder wollen sie innerhalb der Blase ihre Stellung nicht gefährden – oder es fällt ihnen doch noch schwer, sich von alten politischen Träumen zu verabschieden. Eventuell wegen einiger noch geteilter Werte wie dem Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit – aber wohl hauptsächlich deshalb, weil man sich erst einmal damit zurechtfinden muss, ein politisch und gesellschaftlich Ausgestoßener zu sein.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, CC BY 2.0 , via Wikimedia Commons


Montag, 18 Juli 2022

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