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Der Weg zur Knechtschaft

Der Weg zur Knechtschaft


Wie man eine Diktatur abschüttelt und zur Demokratie kommt, wissen wir seit 1989/90. Es war eine schwierige, aber von der Mehrheit getragen Transformation.

Der Weg zur Knechtschaft

Von Vera Lengsfeld

Die herrschenden Klassen der ehemals sozialistischen Länder verloren ihre Macht, nicht aber ihren Einfluss, denn sie blieben weitgehend unbehelligt und konnten sich den neuen Verhältnissen anpassen. Allzu euphorische Stimmen glaubten sich am Ende der Geschichte, denn nun wäre die Demokratie konkurrenzlos und würde fortan das von allen bevorzugte Gesellschaftsmodell werden.

Dem meisten war klar, dass Demokratie anstrengend ist, denn sie erfordert den aktiven Bürger, der sich in die öffentlichen Angelegenheiten einmischt. Aber dass es einen legalen Weg von der Demokratie zurück zur Diktatur geben könnte, war den Wenigsten bewusst. Dabei hatte es Friedrich August Hayek bereits 1945 in seinem Buch „Der Weg zur Knechtschaft“ vorausgesagt. Es liest sich heute so aktuell, als wäre es geschrieben, um vor der gegenwärtigen Entwicklung zu warnen.

Wer geglaubt hat, dass mit dem schmählichen Zusammenbruch des sozialistischen Lagers, seinem Scheitern, das nicht nur über 100 Millionen Tote, ruinierte Ökonomien und verwüstete Landschaften hinterlassen hat, die sozialistische Idee unwiderruflich diskreditiert sei, hätte es besser wissen können. Mit dem Verschwinden des abschreckenden realen Sozialismus hatte die Theorie wieder freie Bahn.

Wer Hayek liest, begreift auch schnell, warum. Es ist ein Irrtum anzunehmen, dass der Sozialismus nach dem Oktoberputsch nur in Russland ausprobiert wurde.

Hayeks These ist, dass er in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg heimisch wurde, indem die Rathenausche Kriegsplanwirtschaft für den Aufbau nach dem Krieg übernommen wurde. Mit Erfolg, denn die sozialistische Politik der Weimarer Republik wurde im Ausland als nachahmenswertes Beispiel angesehen, Hayek weist nach, wie tief deutsche Theorie und Praxis die Ideale und die Politik in England bestimmt haben. Die englischen Reformer, die ebenfalls die Absicht hatten, die Kriegsplanwirtschaft in Friedenszeiten leicht modifiziert fortzuführen, übersahen, dass dies in Deutschland in den Nationalsozialismus geführt hat.

„Nur wenige wollen zugeben, dass der Aufstieg von Faschismus und Nationalsozialismus nicht als Reaktion gegen die sozialistischen Tendenzen der vorausgegangenen Periode, sondern als zwangsläufige Folge jener Bestrebungen begriffen werden muss. Dies ist die Wahrheit, die die meisten nicht sehen wollen, selbst als man in weiten Kreisen klar erkannte, dass sich das innere Regime im kommunistischen Russland und im nationalsozialistischen Deutschland in vielen seiner abstoßenden Züge ähnelte. So kommt es, dass nicht wenige, die sich über die Verirrungen des Nationalsozialismus unendlich erhaben dünken und alle seien Äußerungen ehrlich hassen, sich doch für Ideale einsetzen, deren Verwirklichung auf geradem Wege die verabscheute Tyrannei herbeiführen würde“.

In unserer Zeit ist das durch „Antifaschisten“ belegt, die ohne Bedenken die Methoden der Totalitären gegen Andersdenkende benutzen und in ihrem Furor so weit gehen, diese als Nazis zu bezeichnen, ohne zu bemerken, dass dies eine unerträgliche Verharmlosung der Nazidiktatur bedeutet.

Hayek weist darauf hin, dass die von ihm skizzierte Entwicklung von der Demokratie zur Diktatur nicht zwangsläufig ist, aber möglich, weil sie von der Mehrheit unterstützt wird. Das ist eine Folge der beinahe pausenlosen Propaganda, wie wir sie wieder täglich, ja stündlich erleben. Die moderne Propaganda ist nicht unbedingt laut, aber subtil.

Was Hayek an den Engländern bedauerte, die in ihren Verhandlungen mit Diktatoren, in ihren Gegenpropaganda-Versuchen und in ihren Kriegszielen innere Unsicherheit und Ziellosigkeit an den Tag gelegt haben, „die allein dadurch zu erklären ist, dass sie von ihren Idealen und dem, was sie von ihren Feinden trennt nur verworrene Vorstellungen besitzen“, trifft immer noch auf den gesamten Westen zu. Der (noch) freie Westen ist einer Orientierungslosigkeit anheimgefallen, die existentiell gefährlich geworden ist. Das liegt daran, dass es nie wirklich der Versuch unternommen wurde, zu verstehen, wie sich die Entwicklung zum Totalitarismus vollzogen hat. Ausschlaggebend dafür ist die Furcht, sich von den liebsten sozialistischen Illusionen trennen zu müssen.

Es herrscht immer noch die von Hayek bereits ad absurdum geführte Meinung vor, dass der Nationalsozialismus von jenen Kräften exekutiert wurde, die sich durch den zunehmenden Sozialismus bedroht sahen. Hayek hält dagegen, dass sich bereits ein Vierteljahrhundert, bevor das Gespenst des Totalitarismus bedrohlich wurde, sich Europa bereits von den geistigen Grundlagen entfernt hatte, auf denen die europäische Kultur errichtet wurde. „Schritt für Schritt haben wir jene Freiheit der Wirtschaft aufgegeben, ohne die es persönliche und politische Freiheit in der Vergangenheit nie gegeben hat.“

Obwohl die besten Denker des Westens darauf hingewiesen haben, dass Sozialismus Sklaverei ist, hat sich die westliche Gesellschaft Schritt für Schritt darauf hinbewegt. Die Bewegung ist nach der Friedlichen Revolution nur kurz ins Stocken geraten. Der Westen gibt aber nicht nur die wirtschaftliche Freiheit auf, sondern auch, was ihn zum Erfolgsmodell gemacht hat, die individualistische Philosophie,

„die wir als Vermächtnis von Erasmus und Montaigne, von Cicero und Tacitus, von Perikles und Thukydides empfangen haben.“

Hayek fügt etwas hinzu, wofür er heute sofort auf die Cancel-Liste käme: „Der nationalsozialistische Führer, der die nationalsozialistische Revolution als eine Gegenrenaissance bezeichnete, sprach eine tiefere Wahrheit aus, als er vermutlich ahnte“.

Statt individuelle Kräfte freizusetzen, wie es in der Renaissance erfolgreich geschah, ist der Trend heute zurück zum Kollektiv. Individuelle Kreativität wird als gefährlich angesehen, weil sie das Gleichheitsdogma verletzt.

Vergessen ist, dass dieser Individualismus, „der auf Grundlage des Christentums und der Philosophie des klassischen Altertums sich zuerst während der Renaissance voll entwickelte und sich seitdem immer mehr als abendländische Kultur entwickelt hat“, durch die Achtung vor dem Individuum gekennzeichnet ist.

Die allmähliche Umwandlung eines starr organisierten hierarchischen Systems in ein solches, in welchem die Menschen wenigstens versuchen konnten, ihr Leben selbst zu gestalten…ist aufs engste mit dem Aufblühen des Handels verbunden. Von den Handelsstädten breitete sich die neue Weltanschauung aus, erreichte in Großbritannien und den Niederlanden die höchste Blüte und bot zum ersten Mal Gelegenheit, zur Grundlage des sozialen und politischen Lebens zu werden.

Vergessen ist die Tatsache, dass individuelle Kreativität sich nicht entfalten kann, wenn eine herrschende Weltanschauung als verbindlich gilt und die Mehrheit bestimmen kann, was recht und angemessen ist, sagt Hayek. Wir sind heute schon einen Schritt weiter. Es bestimmt zunehmend eine radikale Minderheit und lähmt mit ihren Dogmen Wirtschaft, Wissenschaft und das gesellschaftliche Leben.

Wie ungemütlich es in sich in einer solchen Gesellschaft lebt, wird spätestens im nächsten Winter den meisten klar werden.

Friedrich August Hayek: Der Weg zur Knechtschaft

 

Vera Lengsfeld, Publizistin, war eine der prominentesten Vertreterinnen der demokratischen Bürgerrechtsbewegung gegen die "DDR"-Diktatur, sie gehörte 15 Jahre dem Deutschen Bundestag als Abgeordnete der CDU an.


Dieser Artikel wurde zuerst hier veröffentlicht.

Autor: Vera Lengsfeld
Bild Quelle: Otto Ubbelohde, Public domain, via Wikimedia Commons


Dienstag, 30 August 2022

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