Aus der linken Pippi-Langstrumpf-Welt

Aus der linken Pippi-Langstrumpf-Welt


Während die Linke mit Häme auf die Niederlage des „Tropen-Trumps“ Bolsonaro bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien reagiert, zerfließt sie andererseits geradezu vor Selbstmitleid, nachdem Elon Musk ihr den sicher geglaubten Sieg über das weltweite Meinungsmonopol auf Twitter „gestohlen“ hat. Wenn die Linke nicht mit zweierlei Maß messen würde, hätte sie gar kein Maß.

Aus der linken Pippi-Langstrumpf-Welt

Von Ramiro Fulano

Meine Damen und Herren, in Brasilien kommt es vor allem im wirtschaftlich erfolgreichen Süden des Landes und in den Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro seit Tagen zu millionenfachen Protesten gegen ein Wahlergebnis, das viele Brasilianer als Wahlfälschung ansehen. Zur Erinnerung: Der Linkspopulist „Lula“ da Silva hatte die Abstimmung in der zweiten Runde mit dem äußerst knappen Vorsprung von nicht einmal zwei Prozent für sich entschieden. Und natürlich wissen alle, die schon mal Wahlhelfer waren, wie leicht es wäre, ein paar Wahlzettel verschwinden zu lassen und sie durch politisch opportunere „Briefwahl“-Stimmen zu ersetzen.

So weit, so schlecht. Natürlich ist es das gute Recht des Elektorats, das Wahlergebnis in Frage zu stellen. Es ist streng genommen sogar seine Pflicht. Deshalb kann man sich auch jederzeit zum Wahlbeobachter ernennen und sich ins Wahllokal stellen. Doch auch hier gelten anscheinend zwei Regeln: Nach der Volksabstimmung über den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU (vulgo: Brexit) klammerten sich die üblichen Verdächtigen in Medien, Parteien und Staat wochenlang an die Vorstellung, Opfer eines Betrugs oder Missverständnisses zu sein. Fast wie Schiffbrüchige an ein Rettungsfloß. Es wäre vielleicht nicht richtig gezählt worden, hieß es, denn Fehler macht jeder. Aber vielleicht – so munkelte man in den einschlägigen Selbstverdummungsorganen der Linken – waren auch finstere Kräfte am Werk, die in die Abstimmung interveniert hätten. Nicht unbedingt die „zionistische Weltverschwörung“ (dass man sich damit eher lächerlich macht, hat man abgesehen von George Galloway auch in England inzwischen verstanden). Aber der Pu-Pu-Pu-Putin des Trump-Sieges – steckt der nicht auch hinter dem Brexit?

Damals wurden die linientreuen Bescheid- und Besserwisser wochenlang in den geistigen Favelas des öffentlich-rechtlichen Einbildungsfernsehens herumgereicht. Zur besten Sendezeit durften sie immer abstrusere Rechnungen präsentieren, wonach 48 % gegen Brexit in Wahrheit die absolute Mehrheit wären, 52 % dafür hingegen ein „Versehen“ und vielleicht sogar das Ergebnis krimineller Machenschaften. Keine Theorie war zu blöd, keine Idee zu hanebüchen, zu an den Haaren herbei gezogen, um nicht sämtliche linksalternativ-gleichgeschalteten Meinungsorgane mit ihr zu tapezieren. Denn das war das Märchen, das ihre Klientel am liebsten hören wollte. Und so passte es auch den politisch tonangebenden Instanzen in den Kram. Gezielt wurden nachhaltige Zweifel an der Validität des Abstimmungsergebnisses gesät, wider jede Vernunft wurde die Wahnvorstellung gefördert, in der „verkehrten“ Wirklichkeit zu leben. Mit anderen Worten: Die politische Kaste in Medien, Parteien und Staat betrieb wochenlang eine Kampagne klassischer psychologischer Kriegsführung gegen die eigene Bevölkerung – zum Teil betreibt sie sie heute noch.

Doch was passiert jetzt, da Millionen von Brasilianer genau dasselbe machen wie einst das Anti-Brexit-Establishment und ein Wahlergebnis in Frage stellen, das aus ihrer Sicht sehr wohl das Produkt einer mehr oder weniger geschickten Wahlmanipulation gewesen sein könnte? Ihre Proteste werden in den Medien des brasilianischen „Globo“-Konzerns verteufelt, im angrenzenden Ausland werden sie totgeschwiegen, vor Ort werden die Demonstrierenden – überwiegend aus der breiten brasilianischen Mittelschicht – zur Zielscheibe massiver Polizeigewalt. Und natürlich war es möglich, unter ein paar Millionen einen zu finden, der verfassungsfeindlich den rechten Arm ausstreckt. Das Oberste Gericht in Brasilia – Lulas politischer Gefälligkeitsdienst – hat es inzwischen unter Strafandrohung verboten, nach Beweisen für das Wahlergebnis zu fragen oder es sonst wie in Frage zu stellen. Aber trotz derartiger Eingriffe in die Informationsfreiheit – zwecks gewaltsamer Durchsetzung einer politisch opportunen Einheitsmeinung – hält sich zumindest im linksalternativen Milieu die Mär, dass die Diktatur des Proletariats irgendwie besser, freundlicher und kuscheliger wäre als jede andere Form totalitärer Brutalität. Wenn die Linke nicht mit zweierlei Maß messen würde, hätte sie gar kein Maß.

Etwas ganz Ähnliches wurde sichtbar, als der Selfmade-Milliardär Elon Musk sich in dieser Woche anschickte, Twitter zu entrümpeln, diesen Inbegriff einer linksalternativ-gleichgeschalteten Echokammer, um dort für etwas mehr Chancengleichheit auf dem bislang vermeintlich freien Markt der Ansichten und Meinungen zu sorgen. Chancengleichheit war einmal eine Lieblingsvokabel der Linken. Aber jetzt, da beim politisch-opportunen Selbst- und Fremdverblödungsmedium Twitter anscheinend das Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft, ist die Linke gegen „zu viel“ Chancengleichheit. Und auch die Hampel-Regierung in Berlin wird plötzlich nicht müde, vor „zu viel“ Twitter und Musk zu warnen. Selbst die Brüsseler Beamtendiktatur hat zu Beginn der Woche schon einmal versuchshalber ihre langen und klebrigen Finger in einer Drohgebärde gegen Musk ausgestreckt. Aber bitte, liebe EU-Volkskommissarinnen jederlei Geschlechts, unter den 3.700 überflüssig gemachten Meinungs- und Zensurexperten (m, w, d, x) aus San Francisco wird es sicherlich welche geben, die ihre unerbetenen Dienste zu fürstlichen Gehältern in Zukunft nur zu gerne für Euer Ein-Euro-Evil-Empire mit Sitz im Berlaymont-Gebäude verrichten möchten – greifen Sie zu, Monsieur Breton. So billig kommen Sie nie wieder an Ihr Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Frau von der Leyen.

Und in den USA – dieser Bastion von Freedom & Democracy – ist der selbsternannte Nachrichtendienst plötzlich ein Fall fürs Heimsatzschutz-Ministerium geworden, seit Elon Musk den Laden übernommen hat und die politische Linke nicht mehr allein bestimmen darf, wer öffentlich am freien Verkehr der Ansichten und Meinungen teilnehmen kann – vor allem aber: wer nicht. Dieselben Leute, die uns nach 9/11 vor dem islamistischen Terror beschützen sollten, sind nun aufgerufen, gegen „Desinformation“ in den sozialen Medien vorzugehen. Natürlich war das immer schon der tiefere Sinn und Zweck des Patriot Acts. Aber das ging jetzt schneller, als man „1984“ sagen kann.

Es ist bemerkenswert, aber nicht überraschend, mit welcher Selbstverständlichkeit der linksalternative Rechtsstaat seinen Hang zum Totalitarismus in die Tat umsetzt und mit welcher Haltlosigkeit wirtschaftlich und sozial gescheiterte Staatsapparate wie der brasilianische, amerikanische oder EU-europäische erste Symptome des Umkippens in die Willkürherrschaft zeigen. Erstaunlich, aber nicht überraschend, ist zudem die Merkfreiheit, Borniertheit und Ignoranz, mit der die linksalternative Meinungspolizei von Twitter darauf reagiert, in Zukunft überflüssig zu sein. Dieselben Leute, die als linke Echokammer jahrelang – wenn nicht jahrzehntelang – zu teils gewaltsamen Protesten und Boykotten aufgerufen, berufliche und private Existenzen ruiniert und sogar Menschen in den Selbstmord getrieben haben, verlieren nun ihre privilegierte Position im Nachrichten- und Meinungszirkus. Wieso ist das schlecht?

All die Laberwissenschaftlerinnen, Klimaterroristinnen, Joghurtkneterinnen und Tanztherapeutinnen jederlei Geschlechts müssen sich plötzlich damit abfinden, dass ihre persönliche Meinung A) nicht die einzige und B) nicht die alleinseligmachende ist. Und an diesem Konflikt mit der Wirklichkeit scheitern sie kläglich. Denn nach dem Verlust ihres interaktiven Selbstbedienungsladens müssen 3.700 höhere Söhne und Töchter nun in der untergehenden Sonne ihrer Spätadoleszenz einsehen, dass sie im wirklichen Leben höchst überflüssig sind, dass ihre exotischen Studien zu nichts weiter gut waren, als sechsstellige Schuldenberge anzuhäufen und dass ihr Platz im politischen Schon- und Schutzraum unwiederbringlich verloren ist. Und die politische Kaste muss ihrem unnützen Nachwuchs jetzt eine andere Art von Karriere organisieren, damit er an die Tofu-Töpfe Kaliforniens zurückkehren kann.

Natürlich freut es niemanden, wenn Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Aber das bei Twitter waren erstens keine Angestellte, sondern selbsternannte Meinungspolizisten. Zweitens trifft es bei denen, die jetzt rausfliegen, nicht die ärmsten der Armen. Und drittens sind im US-Dienstleistungssektor noch ein paar Millionen Stellen frei – McDonalds sucht eigentlich immer. Interessant war wie gesagt der völlige Mangel an Selbstreflexion, mit dem die Social-Media-Blase auf ihr vorläufiges Platzen reagierte: Sie stellte ihren längst überfälligen Rausschmiss als „Verlust“ dar – natürlich nicht für sich (dazu ist sie zu schlau), sondern für Elon Musk und den Rest der Menschheit. Genauso lächerlich wie diese Leute war auch ihr Weggang. Als jemand von diesem Rest der Menschheit, über den die Diktatur des Kommentariats ebenso großzügig wie selbstgefällig hinweggegangen ist, möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, dass mir nichts fehlt, wenn ich auf Twitter in Zukunft auch Meinungen und Ansichten dargeboten bekomme, die der politisch tonangebenden Kaste und ihrem zweckdienlich infantilisierten Nachwuchs nicht in den Kram passen.


Autor: Ramiro Fulano
Bild Quelle: Alan Santos/PR, CC BY 2.0 , via Wikimedia Commons


Samstag, 05 November 2022

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