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»Auserwählt und ausgegrenzt«: WDR versteckt antisemitismuskritischen Film vor Publikum[Video]

»Auserwählt und ausgegrenzt«: WDR versteckt antisemitismuskritischen Film vor Publikum[Video]


Der Westdeutsche Rundfunk untersagt dem Menschenrechtsfilmfestival »This Human World« die öffentliche Aufführung einer Dokumentation über zeitgenössischen Antisemitismus.

»Auserwählt und ausgegrenzt«: WDR versteckt antisemitismuskritischen Film vor Publikum[Video]

Das Internationale Menschenrechtsfilmfestival This Human World in Wien wartet dieses Jahr unter anderem mit dem Schwerpunkt »Old Myths //New Antisemitism« auf, im dessen Rahmen geplant war, am 8. Dezember den Dokumentarfilm Auserwählt und ausgegrenzt – der Hass auf Juden in Europa der Filmemacher Joachim Schroeder und Sophie Hafner zu zeigen.

Die für den TV-Sender Arte und den Westdeutschen Rundfunk (WDR) produzierte Dokumentation sorgte, wie »This Human World« in seiner Ankündigung schreibt, »bereits 2017 für Furore«, als die beiden Sender sich entgegen ihrer Zusage lange Zeit weigerten, die Dokumentation auszustrahlen, und ihr vorwarfen, in »in wesentlichen Punkten« nicht dem genehmigten Projekt zu entsprechen.

Der damals schon von Alex Feuerherdt geäußerte Verdacht, den später auch Thomas M. Eppinger formuliert, diese formale Begründung sei nur vorgeschoben, um ein unliebsames Projekt abzuschießen, erhärtete sich im Verlauf der folgenden Wochen, besonders angesichts des weiteren Vorgehens des WDR und seines Intendanten Tom Buhrow. 

In Folge wurden dem Film, der von so renommierten Wissenschaftlern und Filmemachern wie Götz Aly, Michael Wolffsohn, Matthias Küntzel, Monika Schwarz-Friesel, Samuel Schirmbeck und Charles Small positiv begutachtet worden war, dann auch »handwerkliche Mängel« vorgeworfen, sodass der Film nach Protesten gegen seine Absetzung (unter anderem durch den Zentralrat der Juden in Deutschland) zwar gezeigt wurde; dies aber – und das dürfte einmalig in der deutschen Fernsehgeschichte sein – nur mit einer zugleich erfolgenden »massiven und bizarren« Distanzierung seitens des WDR, der den Film mit einem »Faktencheck« versah, der von Auslassungen und Falschdarstellungen so sehr strotzte, dass die Filmemacher rechtliche Schritte dagegen überlegten.

Beispielloser Vorgang

»Dass ein Sender mit nachträglichen Einschüben die Filmemacher fachlich hinrichtet und parallel zur Ausstrahlung mit Untertiteln einen Online-›Faktencheck‹ bewirbt wegen angeblich ›notwendiger Erläuterungen und Ergänzungen‹, ist ein einmaliger, beispielloser Vorgang«, konstatierte denn auch Thomas M. Eppinger, während Stefan Frank festhielt, dass naiv gewesen sei, wer glaubte, dem WDR sei es um die Behebung der monierten »Mängel« gegangen, etwa durch Recherche der angeblich nicht hinreichend erbrachten »Belege« in der Doku: 

»In keinem einzigen Fall hat der WDR überhaupt nach Belegen für Antisemitismus gesucht. Der ›Faktencheck‹ ist vielmehr das Zertifikat, dass alles, was sich wie Antisemitismus anhört, in Wirklichkeit koscher ist – mögen die Argumente, mit denen das begründet wird, auch noch so an den Haaren herbeigezogen sein.«

Doch nicht nur damals hätten Arte und der WDR die Dokumentation am liebsten »vergraben, damit sie die Öffentlichkeit nicht mit der Wahrheit infizieren kann«, wie der Vizedirektor des Simon-Wiesenthal-Center in Los Angeles, Rabbi Abraham Cooper, damals in einem Interview sagte, sondern auch heute noch möchten sie offensichtlich nicht, dass irgendjemand den Film auch nur zu Gesicht bekommt.

So mussten die Verantwortlichen von »This Human World« die Öffentlichkeit kürzlich in einer Presseaussendung informieren, »dass die Vorführung des am 8. Dezember um 18 Uhr 15 im Top Kino im Rahmen des Schwerpunkts ›Old myths // New antisemitsm‹ nicht wie geplant ablaufen kann«. Dem Menschenrechtsfilmfestival, so heißt es in der Erklärung weiter, sei es schlicht nicht gelungen, die Rechte für eine öffentliche Vorführung vom WDR zu erhalten, wobei das damit de facto erteilte Aufführungsverbot ohne weitere Begründung verhängt worden sei, wie in einem Mail von »This Human World« an Mena-Watch präzisiert wurde.  

Die restliche Veranstaltung: der Einführungsvortrag zum Thema israelbezogener Antisemitismus von Andreas Peham sowie die daran anschließende Publikumsdiskussion, in denen der »Kontext von Film und Skandalisierung sowie die Verbindung von Nahost-Diskursen und Antisemitismus« erörtert werden sollen, werde dennoch wie geplant stattfinden, ließ »This Human World« die Presse wissen.

Abschließend machten die Festivalbetreiber in ihrer Erklärung darauf aufmerksam, »dass der Film über YouTube abrufbar ist und privat angesehen werden kann« – eine Empfehlung, der sich Mena-Watch nur uneingeschränkt anschließen kann. 

 

Auserwählt und ausgegrenzt Der Hass auf Juden in Europa (arte Doku 2017) from Boris Bass on Vimeo.


Autor: Mena-Watch
Bild Quelle: Archiv


Samstag, 10 Dezember 2022

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