Dumm, dümmer, Tagesschau: Der Fernseher, der Energie erzeugt

Dumm, dümmer, Tagesschau: Der Fernseher, der Energie erzeugt


Ein Perpetuum Mobile wollte die „Tagesschau“ ihren Lesern verkaufen. Das Problem: Die verantwortliche Redakteurin glaubte bis zuletzt eine frei erfundene Märchen-Geschichte, die sich schnell als Luftnummer erwies. Der Beitrag wurde kommentarlos gelöscht.

Dumm, dümmer, Tagesschau: Der Fernseher, der Energie erzeugt

Von Ramiro Fulano

Hier bleiben Ihre Gebühren meine Damen und Herren: Ein rundes Portfolio von angeblichen Schwerpunktthemen versprach der Beitrag von Jana Genth aus dem GEZ-Studio Johannesburg (Südafrika, eine der angenehmsten Klimazonen der Welt):

"Erfinder aus Simbabwe: Der Fernseher, der Energie erzeugt. Der Erfinder Chikumbutso präsentiert einen Fernseher, der Energie generiert, statt sie zu verbrauchen. Die Erfindung könnte Schule machen, aber für Innovationen aus dem südlichen Afrika gibt es wenig Aufmerksamkeit."

Mit großer Begeisterung präsentierte die GEZ-Redakteurin eine angebliche „Technik-Sensation“ aus Simbabwe. Gespickt wurde ihr Beitrag mit vermeintlichen Bestätigungen aus der US-Wissenschaft. Die Sache hatte nur einen Haken: Kurz nach der Veröffentlichung stellte sich heraus, dass der ambitionierte, aber missachtete „Erfinder“ schlicht ein altbekannter Blender ist.

Für die Staatsdiener aus der Propagandabrigade war es da schon zu spät. So heißt es im Beitrag, der auf der Tagesschau-Webseite und über den eigenen Twitter-Account publiziert wurde:

"Seine Ideen könnten ein ganz großer Wurf sein. Und doch werde ihm in weiten Teilen Europas nicht einmal zugehört, kritisiert Chikumbutso."

Wie ungerecht! Liegt es vielleicht einfach nur daran, dass er Unsinn redet? Nicht aus Sicht der „Tagesschau“:

„Wissenschaftler aus Europa haben seine Erfindung noch nicht überprüft. Maxwell glaubt aber, sie wäre durchaus auch attraktiv für die westliche Welt, zum Beispiel auch für Deutschland."

Begeistert von der Story übernahm die Deutsche Welle (der Auslandsdienst der GEZ) ebenfalls den Beitrag der „Tagesschau“-Redaktion. Und „verbesserte“ ihn sogar noch, indem sie in ihrem Artikeltext einen Rassismus-Vorwurf platzierte:

 

"Das ist eine tolle Idee, die auch schon umgesetzt wird. Doch durchgesetzt hat sie sich noch nicht. Das habe, klagt der Erfinder, auch mit einer großen Portion Rassismus zu tun."

 

Märchenfilme für Erwachsene. Oder auch: Stimmt das wirklich oder hast Du das in der Tagesschau gesehen?“. P.M., Peter Moosleitners „interessantes“ Magazin, war im bezeichnenden Gegensatz zu deutschen Staatsmedien wenigstens immer ehrlich: Man wollte dort nie mehr als Yps sein – ohne Gimmick.

 

Gängige und unkomplizierte Recherchen zeigen sehr schnell an, dass Maxwell Chikumbutso schon vor Jahren kontrovers wahrgenommen wurde. Ein Artikel der Seite Politifact aus dem Jahre 2018 informiert:

 

"Erfinder aus Simbabwe hat kein Elektroauto erfunden. In den sozialen Medien kursiert eine falsche Geschichte über einen simbabwischen Erfinder, der mit einem Elektroauto, das nie wieder aufgeladen werden muss, die Gesetze der Physik herausfordert."

 

Zu gängig und zu unkompliziert für GEZ-Redakteurin Genth? Sie schreibt zur aktuellen Idee des innovativen Entwicklers in ihrem Artikel:

 

"Er habe lange getüftelt, Materialien kombiniert, die es vor Ort in Simbabwe gibt, und das alles von Forschern aus den USA testen lassen. Sie hätten bestätigt, dass es tatsächlich funktioniert."

Gut drei Stunden später, aufgrund kritischer Hinweise in den sozialen Medien, präsentiert Frau Genth über Twitter „neue Erkenntnisse“:

"Ich habe trotz all meiner Nachfragen keinen Kontakt zu Wissenschaftlern aus den USA bekommen, die laut Maxwell Chikumbutso dessen mutmaßliche Erfindung geprüft und verifiziert haben sollen. Er will das entwickelt haben, behauptet er. So hätte ich es im Tweet formulieren müssen."

 

Der Chikumbutso-Beitrag wurde vom NDR sang- und klanglos entfernt. Der dazugehörige, ebenfalls gelöschte Audiobeitrag ist hier nachzuhören. Dazu erklärte der Hamburger Sender laut Bild-Informationen auf Anfrage:

 

"Nach der Veröffentlichung hat uns Kritik am Text erreicht, die wir der Autorin weitergegeben haben. Die Autorin prüft die Hinweise und hat uns gebeten, den Artikel offline zu stellen. Dieser Bitte haben wir entsprochen."

 

Mit anderen Worten: Wir wurden mal wieder beim Lügen erwischt und haben Frau Genth genug Strick gegeben, damit sie sich daran aufhängen kann. Der Rest ist und egal – und jetzt gebt uns mehr Kohle!

 

Die Deutsche Welle schloss sich dem NDR an und löschte ebenfalls den dazugehörigen Podcast von ihrer Seite. Sonst wäre es noch peinlicher geworden.

 

Erfinder Chikumbutso ist weiterhin unbeirrt am Tüfteln und informierte per Twitter-Beitrag die ARD-Redakteurin schon einmal über seine neueste Idee:

 

"Jana Genth: Ich habe eine weitere Neuigkeit bezüglich des grünen Haartrockners, über den wir gestern gesprochen haben. Heute habe ich festgestellt, dass er CO2 aus der Umwelt entzieht, wenn man seine Haare trocknet. Rufst Du mich später an?"

 

Wir wollen dem Geschehen nicht vorgreifen, gehen aber davon aus, dass Frau Genth vielleicht schon angerufen hat. Vielleicht hat sie sogar bis heute nicht kapiert, wie massiv sie auf den Arm genommen wurde.

 

Aber was plant Herr Chikumbutso als nächstes: Plastikbecher, die sich selbst recyceln? Zu den jüngsten Ereignissen rund um seine werte Person kommentiert er auf Twitter:

 

"Weil böse Menschen sagen, dass meine verehrten Freunde von der Tagesschau lügen. Ich lade alle, die mir misstrauen, ein, mich in meinem schönen Simbabwe zu besuchen, um sich überzeugen zu können. Dort könnt ihr direkt meinen CO2-negativen Jetliner (nicht nur neutral!) für den Heimflug nutzen und für mich werben."

 

Eintrag ins Klassenbuch: Es gibt eine glatte Eins in „Verarschen von Redakteur*innen von GEZ-Sendern“ für Herrn Chikumbutso.

 

 


Autor: Ramiro Fulano
Bild Quelle: Medea7, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons


Montag, 26 Juni 2023

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