Der Normalfall chronischen Irreseins

Der Normalfall chronischen Irreseins


Auch angesichts des Konflikts zwischen Israel und der Hamas zeigt sich die profunde Unfähigkeit des linksalternativen Nationalpopulismus, eine theoretisch-praktisch sinnvolle Beziehung mit der Wirklichkeit einzugehen und aufrechtzuerhalten.

Der Normalfall chronischen Irreseins

Von Ramiro Fulano

Meine Damen und Herren, hundertfache Geiselnahmen, brennende Kibbuzim, verstümmelte und enthauptete Kinder – all das kann der linksalternative Nationalpopulismus zumindest sein infames „Stück weit“ verzeihen und verstehen. Nur eins nicht: Dass ausgerechnet Leute wie Thilo Sarrazin, dieser Teufel in Menschengestalt, recht behalten haben.

Angesichts der sich pro-palästinensisch wähnenden Intifada der letzten Wochen in deutschen und anderen nominell „westlichen“ Großstädten – Paris, London und New York, um nur die prominentesten von ihnen zu nennen – müsste selbst den fanatischsten Anhänger*innen des linksalternativen Nationalpopulismus klar geworden sein, dass mit ihrer Politik etwas ganz Wesentliches furchtbar schief gegangen ist.

Doch in der sich soziokulturell noch immer tonangebend wähnenden Kaste vom Archipel Öko sind man und frau so hermetisch von jeder Form empirischer Wirklichkeit isoliert, dass selbst die Insassen einer handelsüblichen Klapsmühle auf sie neidisch werden müssten: Was nicht durch den engen ideologischen Filter der selbsternannten „Klasse des Bewusstseins“ passt, wird so lange umgedeutet und rhetorisch passend gemacht, bis es das eigene Welt- und Selbstbild bestätigt. Oder es wird leidenschaftlich ignoriert – nach der Methode „umso schlimmer für die Fakten.“

Das politische Milieu, das nach 1968 zu seinem Langen Marsch durch die Instanzen des bürgerlichen Politbusiness antrat, hat seinen Zenit erreicht, ihn damit aber auch – wenn man den landläufigen Umfragen glauben darf – gleichzeitig überschritten. Es dauerte keine zwei Jahre, und die Hampel-Regierung hatte rund die Hälfte ihrer Wählerschaft verloren. Und das vor allem an eine AfD, die sich für immer breitere Schichten der Bevölkerung nun immer überzeugender als die einzige nennenswerte Opposition erweist – oh, welche Schmach!

Doch Spaß beiseite: Wer die unheilige Allianz aus Sozialkleptokratie, Ökopathie und Lindners Linkspartei (ehemals FDP) nach der maßgeblich von den „Grünen“ eingestielten Energie- und Wirtschaftskrise – samt erheblicher außenpolitischer Zerwürfnisse mit dem Rest der Welt – noch immer für ein Siegermodell hält, muss sehr, sehr blöd zur Welt gekommen sein. Oder muss lange studiert haben, um so blöd zu werden: voilà, die politische Klientel der deutschen Ökopathie in all ihrer arroganten Uneinsichtigkeit.

Der innen- und außenpolitische Zweifrontenkrieg, den die offizielle Politik gegen ihre eigene Zivilbevölkerung führt, hat die demokratischen Mehrheitsverhältnisse durchaus zum Tanzen gebracht. Die Hälfte ihrer politischen Kundschaft ist der Berliner Regierung bereits weggelaufen – vor allem aus den Reihen der ältesten deutschen Partei, der SPD.

Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um jene Hälfte handelt, die nicht vollumfänglich gegen die finanziellen Folgen ihrer politischen Torheiten abgesichert ist. Und die es vielleicht zudem auch einfach nicht einsieht, sich von Klugscheißern und Vollzeitfantasten jederlei Geschlechts, die im Leben noch nichts Anständiges auf die Reihe gekriegt haben, vorschreiben zu lassen, was sie zu tun und zu lassen haben.

Linksalternative Politik lebt vom Elend. Deshalb produziert sie jede Menge davon: Indem sie Probleme „lösen“ will, die wir ohne sie gar nicht hätten.

Ein Massaker im Rückspiegel der Wirklichkeit

Nach einem Moment der Schockstarre angesichts der antisemitischen Massaker vom 7. Oktober (Shabbat Simchat Torah) lösten sich die Spannungen drei Generationen nach dem Holocaust weltweit auf höchst symptomatische Art und Weise.

Die offizielle Politik flüchtete sich nach dem Schema „Ja, aber…“ in Solidaritätsbekundungen, deren rhetorische Anämie ihr auf den ersten Blick anzusehen waren. Als Führungsmacht des sogenannten Wertewestens verlegte das Regime des US-Presidementen zwei Flugzeugträger-Verbände ins östliche Mittelmeer. Nominell, um dem jüdischen Staat im Falle einer Eskalation seines Krieges gegen die Hamas auch militärisch zur Seite zu stehen. Wie es inzwischen aussieht, aber wohl eher, um den Forderungen nach „humanitären Kampfpausen“, die früher Waffenstillstand hießen, mehr Nachdruck zu verleihen? Rhetorische Frage.

Josep Borrell, Chefdiplomat der EU und vermutlich einer der überflüssigsten Politiker der Welt, ließ indes keine Gelegenheit aus, den Terror der Hamas vor allzu großen rhetorischen und sonstigen Übergriffen in Schutz zu nehmen.

Sein Pendant von den UN ging einen Schritt weiter und fantabulierte derweil von „keinem Vakuum“. Guterres meinte damit, Israel für das an ihm begangene Massaker moralisch irgendwie haftbar machen zu können. Auch am Antisemitismus sind die Juden schuld? Konfrontiert mit Kritik bekräftigte Guterres seine Äußerungen umgehend – eine Linie, die insbesondere in den linken Regierungen Lateinamerikas auf fruchtbaren Boden fiel: Kolumbien, Bolivien und Honduras brachen ihre Beziehungen zum jüdischen Staat inzwischen ab.

Nicht ohne äußeren Anlass legte also Newt Gingrich in einem höchst lesenswerten Artikel im Daily Telegraph gute Gründe dafür dar, warum der Schweinestall am East River entweder gründlich ausgemistet oder endgültig geschlossen gehört (eventuell auch beides).

Im besten Gagaland aller Zeiten – angeblich ach so sensibel im Umgang mit „Judenfragen“ (hüstel) – versuchte man sich in den inzwischen doch recht sanierungsbedürftigen Reservaten des deutschen Mittelstands (vulgo: des Kleinbürgertums), die Wolldecke über den Kopf zu ziehen und vertraute darauf, dass die offizielle Politik den richtigen Ton träfe. Immerhin alimentiert man und frau zu diesem Zweck Heerscharen fürstlich dotierter Expertinnen jederlei Geschlechts.

Allein, während die Hampel-Regierung versuchte, die eskalierende Lage halbwegs unter Kontrolle zu bringen, und sei es auch nur rhetorisch, ließ sich der „Elefant im Raum“ (von Storch dixit) immer schlechter ignorieren: In überwiegend islamistisch geprägten Innenstadtlagen nahm der „pro-palästinensische“ Import-Mob die Dinge selbst in die Hand und machte nicht nur sich und seinen politischen Leidenschaften Luft, sondern versuchte dabei auch noch, die eine oder andere Einrichtung jüdischen Lebens abzufackeln; ähnliches geschah in London, Paris und ähnlichen Metropolen. Antisemitismus ist eben auch, wenn die Opfer eines Massakers sich nicht dagegen wehren dürfen, abgeschlachtet zu werden.

Angesichts der Beteiligung an terroristischen Aktivitäten im In- und Ausland wäre dennoch zu prüfen, ob sich der eine oder andere Doppel-Pass nicht vielleicht doch in einen Einzelpass zurückverwandeln lässt. Demokratische Normen, die den Verlust der deutschen Staatsbürgerschaft regeln, gibt es mit §28 StAG bereits. Sie müssten nur umgesetzt werden.

Doch konfrontiert mit zu viel Wirklichkeit drückt man und frau auf dem Archipel Öko beide Augen ganz fest zu, flüchtet sich in seine Lebenslügen und singt das Pippi-Langstrumpf-Lied: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Nein, nein und nochmals nein – den islamistischen Antisemitismus will man nicht wahrhaben. Zu viel des eigenen, pseudo-antirassistischen Selbstbildes steht auf dem Spiel.

Einen Abfall in die verkehrte Mülltonne zu werfen, wäre für diese Gut- und Bessermenschen ein größerer Affront gewesen als die Jagdszenen des Pogrom-Mobs auf der Neuköllner Sonnenallee, auch bekannt als „Klein Gaza“.

Ein Ende mit Schrecken

Die Grenze zwischen Verdrängen, Umdeuten und Unterstützen antisemitischen Terrors ist fließend. Die moralische Kompetenz des linksalternativen Nationalpopulismus sollte deshalb in den Augen der Öffentlichkeit nach den Erfahrungen der letzten Wochen einmal mehr unterhalb des Messbereichs liegen.

Insbesondere im akademischen Lumpenproletariat der diplomierten Laberwissenschaftlerinnnen jederlei Geschlechts ist die geistige Verrohung und seelische Verwahrlosung inzwischen so weit fortgeschritten, dass man und frau sich ohne mit der Wimper zu zucken – ebenso instinktsicher wie leidenschaftlich – mit den Forderungen zur Abschaffung des einzigen jüdischen Staats „solidarisiert“, ohne auch nur zu bemerken, dass man dort weitermachen möchte, wo seine Großelterngeneration nach der Befreiung von Auschwitz mit militärischen Mitteln zum Aufhören gezwungen werden musste.

Es mangelt somit nicht an bitterer, aber bezeichnender Ironie, dass in London für den 12. November (Remembrance Sunday) eine „pro-palästinensische“ Demonstration droht, die Gedenkveranstaltung für jene alliierten Truppen aufzureiben, denen die Menschheit die vorläufig letzte Befreiung vom Faschismus und damit auch das Ende des Holocausts zu verdanken hat.

Dieses politische Extrem ist jedoch kein Zufallsprodukt, sondern die zwangsläufige Folge einer Theorie und Praxis, die jeden sinnvollen Bezug zur Wirklichkeit längst aufgegeben hat. Denn ihr geht es nicht um das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl. Sondern lediglich um Macht über Menschen.  

 


Autor: Ramiro Fulano
Bild Quelle: Harald Bischoff, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons


Sonntag, 05 November 2023

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