Die Narben der Geschichte: Reichspogromnacht und die anhaltende Bedrohung jüdischen Lebens in Deutschland

Die Narben der Geschichte: Reichspogromnacht und die anhaltende Bedrohung jüdischen Lebens in Deutschland


85 Jahre nach der Reichspogromnacht ist die jüdische Gemeinde in Deutschland mit einer beunruhigenden Realität konfrontiert: Demonstrationen, die antisemitische Rhetorik schüren, und die Bedrohung durch Anschläge zwingen jüdische Eltern dazu, ihre Kinder aus Angst nicht zur Schule zu schicken.

Die Narben der Geschichte: Reichspogromnacht und die anhaltende Bedrohung jüdischen Lebens in Deutschland

In den dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte, vor genau 85 Jahren, ließ die Reichspogromnacht ein Land in Scherben zurück und brannte ein unauslöschliches Mal in die kollektive Erinnerung der Welt. Doch dieses Gedenken scheint heute, im Schatten des wachsenden Antisemitismus und der offenen Aggression gegen jüdische Bürger auf den Straßen Deutschlands, an Gewicht zu verlieren. Es stellt sich die brennende Frage: Haben wir die brutalen Lehren der Vergangenheit wirklich gelernt?

Es ist ein erbitterter Vorwurf, den man gegen die deutsche Behördenschaft und Gesellschaft erheben muss, wenn jüdische Familien erneut in einem Klima der Furcht leben. Wenn Demonstrationen, die sich gegen Israel richten, auf deutschen Straßen in rücksichtsloser Weise zu einem Schauplatz der Hassrede gegen Juden werden, dann ist es mehr als nur ein Problem der öffentlichen Ordnung – es ist ein Versagen des kollektiven Gewissens.

Die Angst, die jüdische Eltern umtreibt, ihre Kinder zur Schule zu schicken, ist nicht nur ein Schatten der Vergangenheit, sondern auch eine Anklage der Gegenwart. Es ist untragbar, dass sie den vergifteten Slogans ausgesetzt sind, die auf den Demonstrationen geschrien werden, die zum Teil nicht einmal vor Aufrufen zur Vernichtung Israels zurückschrecken. Die heutigen Bedrohungen und Einschüchterungen erinnern schmerzlich an jene Pogromnacht, als jüdisches Leben und Eigentum angegriffen und zerstört wurden.

Es ist ein Makel für die deutsche Demokratie, wenn antisemitische Parolen und Versuche, Synagogen zu attackieren, nicht mit der ganzen Härte des Gesetzes beantwortet werden. Wenn solche Vorfälle nicht mit entschlossenem Handeln und klaren Worten von höchster Stelle geahndet werden, werden die Werte von Freiheit und Toleranz, die nach dem Zweiten Weltkrieg mühsam aufgebaut wurden, ausgehöhlt.

Die Ereignisse rund um die Reichspogromnacht sollten eine Mahnung sein, nicht nur für die Deutschen, sondern für die ganze Welt. Sie mahnen uns, wachsam zu sein und dafür zu sorgen, dass die Vergangenheit sich nicht in neuen Formen wiederholt. Die Behörden stehen in der Pflicht, jüdisches Leben zu schützen und zu fördern, statt es durch Untätigkeit oder unzureichende Maßnahmen in Gefahr zu bringen.

Es ist Zeit für eine deutliche und nachhaltige Antwort. Zeit für Bildung, die nicht nur informiert, sondern auch Empathie weckt. Zeit für Sicherheitskonzepte, die mehr sind als nur Reaktionen auf Bedrohungen. Zeit für eine gesellschaftliche Haltung, die Antisemitismus nicht toleriert und die deutlich macht: Jüdisches Leben ist und bleibt ein integraler und geschätzter Teil unserer Gesellschaft.

Der Geist der Reichspogromnacht darf nicht als ferner Echo in Vergessenheit geraten. Er muss als warnendes Donnern verstanden werden, das uns zur Wachsamkeit und zum entschiedenen Eintreten gegen jegliche Form des Hasses aufruft. Alles andere wäre ein Verrat an den Opfern von damals und an den Prinzipien, auf denen ein zivilisiertes Zusammenleben basiert.


Autor: Andreas Krüger
Bild Quelle: By No artist listed on archive website. - Attributed to www.alemannia-judaica.de, via Dodis (Diplomatic Documents of Switzerland) Die Novemberpogrome. See also Dodis Open Science licensing policy., CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=120389848


Donnerstag, 09 November 2023

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