Jüdisches Restaurant in Berlin: Eröffnung erneut blockiert, weil Antisemiten laut genug sindJüdisches Restaurant in Berlin: Eröffnung erneut blockiert, weil Antisemiten laut genug sind
Wieder verschoben. Wieder Einschüchterung. Wieder kapituliert ein Teil der Berliner Öffentlichkeit vor einem Mob, der den Hass gegen Israel auf deutsche Straßen trägt.

Am Gendarmenmarkt, einer der prestigeträchtigsten Adressen der Hauptstadt, wollte das israelische Restaurant „Gila and Nancy“ eröffnen – und musste es nun zum zweiten Mal absagen. Offiziell spricht man von „technischen Problemen“, doch jeder weiß, was dahintersteht: Drohungen, Druck und eine Atmosphäre, die jüdisches Leben in Deutschland immer weniger selbstverständlich sein lässt.
Die Bilder vom Mittwochabend sind eindeutig. Rund 130 Menschen skandierten vor dem Restaurant Parolen, die angeblich Solidarität mit den Palästinensern ausdrücken sollten – tatsächlich aber ein Klima erzeugen, in dem Juden das Recht auf Normalität abgesprochen wird. Journalisten wurden beschimpft, Gäste eingeschüchtert. Das Muster ist bekannt: Dort, wo die israelfeindliche BDS-BewegungBDS: Boykottkampagne gegen IsraelBDS ist eine gegen Israel gerichtete Boykottkampagne. Der Deutsche Bundestag verurteilte die Bewegung 2019 als antisemitisch.Mehr lesen auftritt, geht es nie um friedliche Debatte, sondern um gezielten Druck, um Boykott, um das Ausgrenzen jüdischer Stimmen und Räume.
Dass der Verfassungsschutz die BDS-Bewegung als extremistischen Verdachtsfall einstuft, ist kein Zufall. In Wahrheit ist sie längst mehr als ein Verdachtsfall. Sie ist der legale Arm eines AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen, der sich hinter Menschenrechtsparolen versteckt. Besonders beschämend: Während das Bundesamt für Verfassungsschutz diese Gefahr klar benennt, relativiert der Berliner Landesverfassungsschutz. Dort scheut man vor klaren Worten zurück – mit fatalen Folgen für die jüdische Gemeinde in der Stadt.
Was hier geschieht, ist mehr als eine verschobene Eröffnung. Es ist ein Symbol für das, was viele jüdische Berliner längst spüren: Wer sichtbar für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen steht oder sich einfach kulinarisch mit Tel Aviv verbindet, muss mit Anfeindungen rechnen. Das Restaurant selbst hatte noch im Juli auf Instagram geschrieben, man habe die Eröffnung verschoben, weil sie eigentlich ein Moment der Freude sein sollte – doch „der Sturm um uns herum“ habe dies unmöglich gemacht. Es ist bezeichnend, dass jüdische Unternehmer in Deutschland ihre Entscheidungen in dieser Sprache rechtfertigen müssen.
Besonders perfide ist der Versuch einiger linker Medien, den Protest zu legitimieren, indem sie die Biografie eines der Betreiber ins Spiel bringen. Er war zeitweise Sprecher einer Hilfsorganisation, die im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen tätig war – eine Tatsache, die plötzlich gegen ihn ausgelegt wird. Dass gerade die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen den Zugang zu Hilfsgütern brutal kontrolliert und Menschen als Schutzschilde missbraucht, wird ausgeblendet. Stattdessen entsteht eine absurde SchuldumkehrTäter-Opfer-Umkehr: Wenn Schuld gezielt verdreht wirdTäter-Opfer-Umkehr bezeichnet die Verdrehung von Verantwortung: Täter werden entlastet, Opfer beschuldigt oder moralisch auf die Seite der Täter gerückt. Im Antisemitismus zeigt sich dieses Muster besonders bei Holocaust-Relativierung, Israelhass und der Rechtfertigung von Gewalt gegen Juden oder Israelis.Mehr lesen: Der israelische Unternehmer wird zur Zielscheibe, während die wahren Verursacher von Tod und Leid – die Terroristen – kaum Erwähnung finden.
Berlin hat ein Antisemitismusproblem, das sich nicht länger hinter wohlklingenden Floskeln verstecken lässt. Ein jüdisches Restaurant am Gendarmenmarkt sollte eigentlich Ausdruck für Vielfalt, Offenheit und das gute Leben sein. Stattdessen wird es zum Testfall, ob Deutschland seine eigenen Bekenntnisse ernst nimmt. Der Bundestag hat erst vor kurzem eine Resolution zum Schutz jüdischen Lebens verabschiedet. Worte gibt es also genug. Doch Worte reichen nicht. Jüdisches Leben muss nicht nur abstrakt geschützt, sondern konkret ermöglicht werden – auch wenn ein Mob dagegen brüllt.
Wenn die Eröffnung eines Restaurants in der Mitte der deutschen Hauptstadt nicht mehr ohne Polizeischutz möglich ist, dann zeigt das, wie tief der Antisemitismus längst wieder in die Gesellschaft eingesickert ist. Berlin sollte sich entscheiden, ob es die Bühne für die lautesten Schreihälse sein will – oder ein Ort, an dem jüdisches Leben selbstbewusst, offen und ohne Angst gelebt werden kann.
Autor: Redaktion
Samstag, 16 August 2025