Wenn Israelkritik zur Tarnung wird: Jüdische Gemeinde Halle warnt vor neuem AntisemitismusWenn Israelkritik zur Tarnung wird: Jüdische Gemeinde Halle warnt vor neuem Antisemitismus
Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, spricht von einer gefährlichen Entwicklung: Antisemitismus tarne sich zunehmend als linke Israelkritik und mache jüdisches Leben in der Stadt unsicherer. Er rät inzwischen sogar vom Tragen der Kippa in bestimmten Vierteln ab.

Von Allexkoch - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42881121 Bild im Text: Bündnis gegen Antisemitismus Halle
Wer die Jüdische Gemeinde in der halleschen Altstadt besuchen will, passiert Sicherheitsschleusen und Polizeiposten – ein Alltag, der seit dem Terroranschlag vom Oktober 2019 zur Normalität gehört. Doch für Gemeindevorsitzenden Max Privorozki hat sich die Bedrohungslage seit dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen noch einmal verschärft. „Der AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen ist nach dem 7. Oktober rasant gestiegen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass so etwas in Deutschland und in meiner Stadt möglich ist – jetzt ist es Realität“, erklärt er.
Während viele öffentliche Debatten den Fokus auf den importierten Judenhass aus Teilen der islamischen Welt legen, warnt Privorozki ausdrücklich vor einer unterschätzten Quelle: dem linken Milieu. Unter dem Deckmantel angeblich „progressiver“ Israelkritik hätten sich an Universitäten radikale Gruppen gebildet, die gemeinsam mit islamistischen Aktivisten eine gefährliche Allianz bildeten. „Das ist eine ganz gefährliche Suppe“, so Privorozki.

Ein Beispiel für diese Entwicklung liefert der Streit um ein Relief auf dem Campus der Kunsthochschule Burg Giebichenstein. Es zeigt neben einer Palästina-Flagge auch einen Schweinekopf – eine deutliche Anspielung auf mittelalterliche „Judensau“-Darstellungen. Für den Gemeindevorsitzenden ein Skandal: „Wie können Studierende, die intelligent sein sollten, so etwas propagieren? Das tut mir weh.“
Ähnliche Muster finden sich auch in den USA, wo Studentenproteste gegen Israels Kriegsführung regelmäßig in offenen Antisemitismus umschlagen. Präsident Donald Trump hat Hochschulen wegen solcher Exzesse bereits mit massiven finanziellen und politischen Konsequenzen gedroht.
Für Halle hat das unmittelbare Folgen: Privorozki rät jüdischen Männern inzwischen, die Kippa in bestimmten Vierteln lieber nicht zu tragen – vor allem nachts auf dem Marktplatz oder in Halle-Neustadt. „Am Tag fühlen wir uns relativ sicher, aber in manchen Gegenden sieht die Realität anders aus.“
Die Mahnungen aus Halle machen deutlich, wie tief Antisemitismus heute in die deutsche Gesellschaft eingesickert ist – nicht nur von rechts oder aus islamistischen Milieus, sondern zunehmend auch von links, wo Kritik an IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen als Deckmantel dient. Die jüdische Gemeinde spürt diese Realität im Alltag – zwischen Polizeischutz, Misstrauen und dem schmerzhaften Gefühl, dass Normalität längst verloren gegangen ist.
Autor: Redaktion
Dienstag, 26 August 2025