Erdogans falsches Spiel in Syrien – Macht, Unterdrückung und der Krieg gegen Minderheiten

Erdogans falsches Spiel in Syrien – Macht, Unterdrückung und der Krieg gegen Minderheiten


Die Türkei spricht von Frieden, doch Erdoğan treibt Syrien in ein autoritäres System, das von Angst und Unterdrückung lebt. Besonders Kurden und Drusen zahlen dafür den höchsten Preis.

Erdogans falsches Spiel in Syrien – Macht, Unterdrückung und der Krieg gegen Minderheiten

Wenn Ankara von Stabilität und Sicherheit spricht, klingt es für viele in Europa wie ein Versprechen auf Ordnung in einer Region voller Chaos. Doch in Wahrheit ist es ein Zynismus. Recep Tayyip Erdoğan führt keinen Kampf für Frieden, sondern für Einfluss, Macht und Unterwerfung. Er hat in Syrien ein Machtmodell etabliert, das nicht auf Versöhnung oder Demokratie ausgerichtet ist, sondern auf die Auslöschung jener Kräfte, die seinem Willen im Weg stehen.

Die türkische Syrien-Politik der letzten Jahre folgt einem klaren Muster: Sie baut auf Islamisten, nicht auf Demokraten. Während westliche Beobachter noch über Reformen und Friedensgespräche diskutieren, hat Ankara längst Fakten geschaffen. Die Unterstützung für die Organisation „Hayat Tahrir al-Sham“ (HTS) – einst als al-Nusra-Front bekannt – zeigt, dass es Erdoğan nie um ein freies Syrien ging. HTS ist radikal, autoritär und abhängig von türkischer Hilfe. Damit eignet sie sich perfekt, um im Norden Syriens eine Pseudo-Ordnung zu errichten, die ausschließlich Ankara dient.

Minderheiten als Zielscheibe

Für die Minderheiten Syriens bedeutet diese Politik den Verlust jeder Hoffnung auf Sicherheit. Die Kurden haben im Nordosten des Landes ein Modell der Selbstverwaltung aufgebaut, das Ansätze von Demokratie und Pluralismus erkennen ließ. Es war ein Experiment, das inmitten von Krieg und Zerstörung den Gedanken der Eigenverantwortung und der politischen Teilhabe trug. Doch genau das ist es, was Erdoğan nicht duldet. Sein Verhältnis zu den Kurden ist von tiefem Hass geprägt. Er betrachtet sie nicht als Partner oder Nachbarn, sondern als Bedrohung, die es zu vernichten gilt.

Dieser Hass prägt seit Jahrzehnten die türkische Politik. Von der Unterdrückung der kurdischen Sprache bis hin zu militärischen Offensiven im eigenen Land und über die Grenzen hinweg: Erdoğan führt einen Krieg, der längst nicht nur gegen Terroristen, sondern gegen das kurdische Volk insgesamt gerichtet ist. Jeder Schritt zur Autonomie wird als Verrat gedeutet, jede politische Stimme als Gefahr. Mit Luftschlägen, gezielten Vertreibungen und der Unterstützung islamistischer Milizen versucht die Türkei, die kurdischen Strukturen in Syrien zu zerschlagen.

Doch nicht nur die Kurden leiden. Auch die Drusen, die seit Jahrhunderten in Syrien leben und oft als Brücke zwischen unterschiedlichen Kulturen galten, sind zu Zielscheiben geworden. Wer sich der Vormundschaft Ankaras widersetzt, wird durch Propaganda verunglimpft oder durch Gewalt eingeschüchtert. Ganze Gemeinschaften werden von den politischen Prozessen ausgeschlossen, weil sie nicht in das Bild einer homogenen, gehorsamen Bevölkerung passen. Für sie bedeutet Erdoğans Politik nicht Stabilität, sondern Unsicherheit, nicht Schutz, sondern Bedrohung.

Demokratie als leere Hülle

Währenddessen versucht Damaskus, den Anschein von Souveränität zu wahren. Doch faktisch hat das syrische Regime einen Teil seiner Macht längst abgegeben. Parlamentswahlen werden angekündigt, doch was sich dahinter verbirgt, ist eine Farce. Ganze Regionen werden unter dem Vorwand „Sicherheitslage“ ausgeschlossen – vor allem jene, in denen Minderheiten politisch aktiv sind. Von 210 Sitzen sollen dutzende direkt durch den HTS-Führer al-Dschaulani besetzt werden. Ankara segnet dies ab. Was als Wahl verkauft wird, ist nichts anderes als eine Ernennung.

Die internationale Gemeinschaft weiß um diesen Betrug, doch sie schweigt. Die UN-Resolution 2254, die freie und faire Wahlen für Syrien vorsieht, wird ignoriert. Stattdessen wird ein System gefestigt, das die Gewalt institutionalisiert und das Land weiter spaltet. Erdoğan präsentiert sich nach außen als Garant für Ordnung, doch tatsächlich ist er der Hauptarchitekt einer neuen Form von Abhängigkeit. Syrien wird nicht befreit, sondern in ein türkisches Protektorat verwandelt.

Der Preis der Machtspiele

Die Folgen sind dramatisch. Minderheiten verlieren ihre Lebensgrundlage, demokratische Ansätze werden erstickt, und die Menschen im Norden Syriens sind Gefangene eines Systems, das ihnen jede politische Stimme raubt. Die Türkei nutzt Syrien nicht, um Frieden zu schaffen, sondern um ihre eigene Machtprojektion auszubauen.

Für die Kurden bedeutet dies die ständige Angst vor Angriffen, für die Drusen und Alawiten die Marginalisierung und Entrechtung. Ganze Regionen werden durch türkische Milizen destabilisiert, und wer sich widersetzt, lebt in permanenter Gefahr. Erdoğan will keine pluralistische Gesellschaft an Syriens Grenzen, er will Unterwerfung und Kontrolle.

Europa darf sich nicht täuschen lassen: Was als Stabilisierungspolitik verkauft wird, ist in Wahrheit ein strategischer Angriff auf jede Form von Selbstbestimmung. Die Minderheiten in Syrien zahlen den höchsten Preis. Sie erleben, wie ihre Rechte, ihre Kultur und ihre Sicherheit von einem Mann zerstört werden, der in Ankara behauptet, Frieden zu bringen, in Wirklichkeit aber Krieg und Unterdrückung exportiert.

Fazit

Syrien ist heute kein Land auf dem Weg zur Demokratie, sondern ein Spielfeld türkischer Machtpolitik. Erdoğan hat die Demokratie nie im Sinn gehabt. Sein Ziel ist ein Syrien, das schwach, abhängig und gefügig bleibt – koste es, was es wolle. Für die Minderheiten des Landes bedeutet das den Verlust von Zukunft, Freiheit und Sicherheit.

Wer heute über Frieden im Nahen Osten spricht, darf die Rolle der Türkei nicht ausklammern. Denn solange Ankara seine Politik der Unterdrückung und Zerstörung verfolgt, bleibt Syrien gefangen in einem Teufelskreis aus Gewalt und Abhängigkeit – und die Hoffnung auf Demokratie eine ferne Illusion.


Autor: Bernd Geiger
Bild Quelle:


Samstag, 30 August 2025

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