Wenn Ärzte zu Mittätern werden: Die verdrängte Rolle des medizinischen Personals in GazaWenn Ärzte zu Mittätern werden: Die verdrängte Rolle des medizinischen Personals in Gaza
Aussagen freigelassener Geiseln offenbaren ein verstörendes Muster: Teile des medizinischen Personals im Gazastreifen waren nicht nur Zeugen, sondern aktiv an Entführungen, Misshandlungen und sexualisierter Gewalt beteiligt. Das Schweigen internationaler Organisationen wiegt schwer.
Fast zwei Jahre lang dominieren Bilder, Narrative und Anschuldigungen den internationalen Diskurs über den Krieg zwischen Israel und der Hamas. Doch während Terrorpropaganda millionenfach verbreitet und bereitwillig aufgegriffen wird, bleibt ein besonders unbequemer Aspekt weitgehend ausgeblendet: die dokumentierte Beteiligung von Ärzten, Pflegern und Klinikpersonal im Gazastreifen an der Gefangenschaft israelischer Geiseln.
Die öffentliche Aussage der ehemaligen Geisel Romi Gonen markiert einen Wendepunkt. Nicht, weil sie ein Einzelfall wäre, sondern weil sie ein Muster bestätigt, das sich durch mehrere belegte Fälle zieht. Gonen berichtete erstmals detailliert über ihre 471 Tage in Hamas-Gefangenschaft. Sie schilderte vier sexuelle Übergriffe. Der erste Täter war ausgerechnet ein Krankenpfleger, der ihre Schussverletzung behandeln sollte. Der Missbrauch geschah in den ersten Tagen der Entführung, noch bevor israelische Streitkräfte den Gazastreifen betreten hatten.
Der Mann, dem sie ausgeliefert war, nutzte seine medizinische Funktion als Tarnung. Nach dem Übergriff musste Gonen weiterhin im selben Haus leben. Internationale Empörung blieb aus.
Systematische Beteiligung statt Ausnahmen
Gonens Aussage fügt sich in eine Reihe dokumentierter Fälle. Die ehemalige Soldatin Noa Marciano, entführt vom Stützpunkt Nahal Oz, wurde laut späteren Erkenntnissen von einem Arzt in Gaza getötet. Ihr wurden Luftblasen injiziert, der Mord wurde gefilmt.
Emily Damari, verschleppt aus Kfar Aza, wurde in einem Raum des Schifa-Krankenhauses festgehalten. Ein Arzt zwang sie, ihn „Dr. Hamas“ zu nennen. Krankenhausräume wurden zu Haftzellen.
Ein weiterer Fall betrifft Marwan al-Hams, der 2014 an der Behandlung der Leiche des getöteten israelischen Soldaten Hadar Goldin beteiligt war, wissend, dass sie jahrelang in einem Tunnel versteckt blieb.
Hinzu kommt der Arzt Ahmed al-Jamal, der gemeinsam mit seinem Sohn mehrere israelische Geiseln in seinem Wohnhaus in Nuseirat festhielt. Bei einer israelischen Rettungsoperation im Juni 2024 wurden beide getötet, die Geiseln befreit.
Diese Fälle stehen nicht isoliert nebeneinander. Sie zeigen eine systematische Instrumentalisierung medizinischer Berufe durch die Hamas. Ärzte und Pflegekräfte fungierten als Wächter, Täter, Helfer und Tarnfiguren.
Missbrauch humanitärer Schutzmechanismen
Das humanitäre Völkerrecht schützt medizinisches Personal ausdrücklich. Dieser Schutz soll ermöglichen, Leben zu retten, unabhängig von Nationalität oder Konfliktpartei. Genau dieser Schutz wurde von der Hamas gezielt missbraucht. Kliniken, Krankenhäuser und medizinisches Personal dienten als Deckmantel für Terror, Geiselhaft und Gewalt.
Wenn medizinische Einrichtungen zu Orten der Gefangenschaft werden und Ärzte zu Mittätern, kollabiert der moralische Kern humanitärer Schutzregeln. Dennoch reagierten internationale Gesundheitsorganisationen, Menschenrechtsgremien und große Hilfswerke kaum oder gar nicht.
Während Israels militärisches Vorgehen minutiös untersucht, verurteilt und politisiert wird, bleiben diese belegten Verbrechen weitgehend unbeachtet. Der Eindruck einer selektiven Empörung drängt sich auf.
Sexualisierte Gewalt und psychologischer Terror
Gonen beschrieb neben den Übergriffen auch systematische Erniedrigung. Sie durfte nicht allein zur Toilette, wurde bei jedem Widerstand bestraft und lebte unter ständiger Bedrohung. In den letzten Monaten ihrer Gefangenschaft verschärfte sich die Gewalt. Die Folgen sind bis heute spürbar. Geräusche lösen Panik aus, geschlossene Räume Flashbacks.
Auch nach ihrer Freilassung endet das Leiden nicht. Gonen und andere ehemalige Geiseln berichten von posttraumatischen Belastungsstörungen, von einem Alltag, der mühsam neu erlernt werden muss.
Versagen der internationalen Ordnung
Die Opfer des 7. Oktober stammen aus mehr als 35 Ländern. Dennoch blieb die Verantwortung fast vollständig bei Israel. Weder existiert ein wirksamer internationaler Mechanismus zur Ahndung sexualisierter Gewalt durch nichtstaatliche Terrororganisationen, noch wurden Staaten, die Hamas politisch oder finanziell stützen, ernsthaft zur Verantwortung gezogen.
Organisationen, die sich dem Schutz von Menschenrechten verschrieben haben, scheuen offenbar die Konfrontation mit Tatsachen, die nicht in ihr bevorzugtes Deutungsmuster passen. Gerade das Schweigen gegenüber jüdischen Opfern beschädigt die Glaubwürdigkeit dieser Institutionen nachhaltig.
Wenn medizinisches Personal an Terror beteiligt ist und dafür keine Konsequenzen drohen, wird das humanitäre Völkerrecht von innen ausgehöhlt. Die Ereignisse des 7. Oktober drohen dann nicht Mahnung, sondern Blaupause zu werden.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Von Jaber Jehad Badwan - Jaber Jehad Badwan, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=159482983
Freitag, 02 Januar 2026