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Israel-feindliche Parolen und Gewalt gegen Journalisten bei Demonstrationen in Leipzig

Israel-feindliche Parolen und Gewalt gegen Journalisten bei Demonstrationen in Leipzig


Zwei linke Lager, ein Konflikt und eine Eskalation, die weit über Meinungsstreit hinausgeht. In Leipzig zeigen Demonstrationen, wie schnell aus politischer Parteinahme offener Hass wird und wie gefährdet jüdisches Leben und Pressefreiheit inzwischen auch in Deutschland sind.

Israel-feindliche Parolen und Gewalt gegen Journalisten bei Demonstrationen in Leipzig

Am Samstag stand Leipzig im Zeichen eines ungewöhnlich angespannten Demonstrationstages. Mehrere linke Gruppen gingen mit gegensätzlichen Positionen zum Nahostkonflikt auf die Straße. Auf der einen Seite versammelten sich rund 2.000 Menschen unter den Mottos „Kein Frieden mit AntisemitInnen“ und „All Connewitzer are beautiful“, um ein Zeichen gegen Antisemitismus und jede Form von Faschismus zu setzen. Auf der anderen Seite zog eine sogenannte propalästinensische Demonstration mit etwa 1.500 Teilnehmern durch die Stadt, organisiert unter dem Titel „Antifa bedeutet: Free Palestina“.

Was als politischer Protest begann, entwickelte sich rasch zu einem Sicherheitsproblem. Während des Aufzugs wurden laut Polizei offen israel-feindliche Parolen skandiert. Sprechchöre wie „Israel bombardieren, nieder mit den Zionisten“ hallten durch die Straßen, begleitet von Rufen nach einer Intifada. Für jüdische Beobachter und viele Leipziger war spätestens hier eine Grenze überschritten. Die Parolen richteten sich nicht gegen eine Regierung oder konkrete politische Entscheidungen, sondern pauschal gegen Israel und damit gegen jüdische Identität.

Gewalt aus der Demonstration heraus

Besonders brisant war ein Vorfall am frühen Nachmittag am Connewitzer Kreuz. Aus der israelfeindlichen Demonstration heraus wurde ein Kamerateam des Mitteldeutscher Rundfunk angegriffen. Nach Angaben der Polizei kam es gegen 13:45 Uhr zu einem körperlichen Übergriff auf einen Kameramann. Zuvor sollen Demonstrationsteilnehmer das Team verfolgt und gezielt versucht haben, die Berichterstattung zu behindern, indem sie wiederholt Plakate vor die Kamera hielten.

Als Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes eingreifen wollten, eskalierte die Situation. Es kam zu einem Gerangel, bei dem ein Sicherheitsmitarbeiter einen Schlag ins Gesicht erhielt. Die Polizei stellte einen Tatverdächtigen und nahm Personalien auf. Das MDR-Team erhielt anschließend polizeilichen Begleitschutz. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union sprach von einem Angriff auf die Pressefreiheit und warnte vor einer neuen Qualität der Einschüchterung von Journalisten.

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf ein Milieu, das sich selbst als antifaschistisch versteht, aber dort, wo Berichterstattung nicht ins eigene Weltbild passt, zu aggressiven Mitteln greift. Dass ausgerechnet ein öffentlich-rechtliches Kamerateam Ziel der Attacke wurde, zeigt, wie gering die Hemmschwelle gegenüber unabhängiger Berichterstattung geworden ist.

Staatlicher Großeinsatz und klare Grenzen

Die Polizei war mit rund 1.000 Einsatzkräften vor Ort. Es galten weiträumige Waffen- und Vermummungsverbote, Pyrotechnik wurde sichergestellt, einzelne Teilnehmer wegen Vermummung aus den Versammlungen gezogen. Trotz der angespannten Lage konnten größere Ausschreitungen verhindert werden. Am frühen Abend lösten sich die Versammlungen auf, Straßen und Plätze wurden schrittweise wieder freigegeben.

Sachsens Innenminister Armin Schuster machte vor Ort deutlich, dass insbesondere der Linksextremismus eine wachsende Herausforderung darstelle. Die Ereignisse des Tages bestätigten diese Einschätzung. Wenn antisemitische Parolen, Gewalt gegen Journalisten und Einschüchterung Andersdenkender aus einem politischen Protest heraus entstehen, ist dies kein Ausdruck von Meinungsfreiheit mehr, sondern ein Angriff auf die offene Gesellschaft.

Mehr als ein lokaler Zwischenfall

Die Leipziger Demonstrationen sind kein isoliertes Ereignis. Sie stehen exemplarisch für eine Entwicklung, die viele jüdische Gemeinden in Deutschland seit Monaten beobachten. Israel-feindliche Rhetorik dient zunehmend als Einfallstor für offenen Antisemitismus. Wer „Zionisten“ pauschal zum Feind erklärt und Gewaltfantasien skandiert, schafft ein Klima, in dem sich jüdische Menschen nicht mehr sicher fühlen können.

Gleichzeitig geraten Medien unter Druck. Der Angriff auf das MDR-Team zeigt, wie schnell aus politischer Mobilisierung Feindseligkeit gegenüber Journalisten wird. Eine Demokratie lebt von freier Berichterstattung und klaren Grenzen gegen Hass. Leipzig hat an diesem Samstag beides auf schmerzhafte Weise vor Augen geführt bekommen.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert


Sonntag, 18 Januar 2026

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