Deutschland warnt vor KI-Fälschungen zum Holocaust und fordert Eingreifen der PlattformenDeutschland warnt vor KI-Fälschungen zum Holocaust und fordert Eingreifen der Plattformen
Gedenkstätten, Historiker und die Bundesregierung warnen vor einer gefährlichen Verzerrung der Geschichte. Künstlich erzeugte Bilder aus Konzentrationslagern bedrohen die Erinnerung an die Opfer und untergraben das Vertrauen in historische Wahrheit.
Deutschland fordert ein entschlossenes Vorgehen gegen KI-generierte Fälschungen zum Holocaust. Gedenkstätten an ehemaligen Konzentrationslagern, Dokumentationszentren und die Bundesregierung drängen soziale Netzwerke dazu, manipulierte Inhalte konsequent zu stoppen, eindeutig zu kennzeichnen oder zu entfernen. Der Vorwurf wiegt schwer: Solche Bilder verfälschen Geschichte, trivialisieren das größte Menschheitsverbrechen und beschädigen die Würde der Ermordeten.
In einem gemeinsamen Schreiben warnten Einrichtungen wie die Gedenkstätten Dachau, Buchenwald und Bergen-Belsen vor einer wachsenden Flut sogenannter KI-Schundinhalte. Gemeint sind künstlich erzeugte Bilder, die angebliche Szenen aus den Lagern zeigen, jedoch frei erfunden sind. Darunter finden sich sentimental inszenierte Darstellungen von Kindern hinter Stacheldraht oder imaginierte Begegnungen zwischen Häftlingen und Befreiern.
Verharmlosung durch Kitsch und Fiktion
Die Kritik der Gedenkinstitutionen ist eindeutig. Solche Inhalte seien keine harmlose Spielerei, sondern eine Form der Geschichtsverzerrung. Sie verwandelten reale Verbrechen in emotionalen Kitsch, verschöben Täter- und Opferrollen oder dienten revisionistischen Erzählungen. Besonders problematisch sei, dass viele dieser Bilder gezielt Aufmerksamkeit erzeugen sollen, oft verbunden mit Reichweite, Klickzahlen und finanziellen Interessen.
Damit, so warnen die Unterzeichner, gehe etwas Zentrales verloren. Das Vertrauen in authentische historische Dokumente. Wenn Laien nicht mehr unterscheiden können, was echte Fotografie und was künstliche Simulation ist, wird Erinnerung beliebig. Genau das aber sei das Ziel jener, die den Holocaust relativieren oder entkernen wollen.
Rückendeckung aus der Bundesregierung
Unterstützung erhalten die Gedenkstätten von der Bundesregierung. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer erklärte, er befürworte klare gesetzliche und regulatorische Schritte. KI-generierte Inhalte zum Holocaust müssten eindeutig gekennzeichnet werden. In besonders problematischen Fällen sei ihre Entfernung notwendig.
Es gehe um Respekt gegenüber den Millionen Menschen, die vom nationalsozialistischen Terror ermordet oder verfolgt wurden. Der Staat habe eine Verantwortung, die historische Wahrheit zu schützen, gerade in Zeiten digitaler Manipulation.
Plattformen sollen proaktiv handeln
Ein zentraler Punkt der Kritik richtet sich an soziale Netzwerke. Die Gedenkstätten fordern, dass Plattformen nicht erst reagieren, wenn Nutzer Inhalte melden. Sie sollen aktiv verhindern, dass gefälschte Holocaust-Darstellungen verbreitet oder monetarisiert werden. Algorithmen, die Reichweite belohnen, dürften nicht länger zur Verbreitung von Geschichtsfälschungen beitragen.
Die Debatte fügt sich in eine größere Diskussion über künstliche Intelligenz und Verantwortung ein. Neben Holocaust-Fälschungen stehen auch sexuelle Deepfakes und politische Manipulationen im Fokus internationaler Kritik an KI-Anbietern.
Erinnerung braucht Wahrheit
Was hier verhandelt wird, ist mehr als eine technische Frage. Es geht um das Fundament der Erinnerungskultur. Der Holocaust ist kein narratives Rohmaterial, das beliebig neu gestaltet werden darf. Jede künstliche Verfälschung schwächt das Gedenken und öffnet Tür und Tor für Relativierung.
Deutschland macht deutlich, dass hier eine Grenze verläuft. Die Geschichte der nationalsozialistischen Verbrechen gehört geschützt. Nicht aus Sentimentalität, sondern aus Verantwortung gegenüber den Opfern und gegenüber kommenden Generationen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot Social Media
Sonntag, 18 Januar 2026