Trump erklärt Iron Dome zur US-Technik und verdreht die Fakten

Trump erklärt Iron Dome zur US-Technik und verdreht die Fakten


Beim Weltwirtschaftsforum in Davos behauptet Donald Trump, das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome sei amerikanische Technologie. Die Aussage ist nachweislich falsch und reiht sich in eine gefährliche Verzerrung ein, die Israels sicherheitspolitische Eigenleistung systematisch unsichtbar macht.

Trump erklärt Iron Dome zur US-Technik und verdreht die Fakten

Mit einer beiläufigen Bemerkung hat US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine sicherheitspolitisch brisante Debatte ausgelöst. Während seiner Rede über ein geplantes amerikanisches Raketenabwehrprojekt mit dem Namen „Golden Dome“ erklärte Trump, er habe dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu gesagt, dieser solle aufhören, sich mit dem Iron-Dome-System zu schmücken. Das System sei, so Trump wörtlich, vollständig amerikanische Technologie.

„Ich habe Bibi gesagt, hör auf, dir dafür die Lorbeeren zu holen. Das ist unsere Technik, das ist unser Zeug“, erklärte der US-Präsident vor internationalem Publikum. Zugleich stellte er Iron Dome als eine Art Vorstufe für sein geplantes Verteidigungsprojekt dar und sagte, was man für Israel gebaut habe, sei beeindruckend gewesen, aber nichts im Vergleich zu dem, was nun für die Vereinigten Staaten, Kanada und andere Länder entstehen solle.

Diese Darstellung ist in zentralen Punkten falsch.

Iron Dome ist kein amerikanisches Waffensystem. Es wurde weder in den USA entwickelt noch dort konzipiert. Die Idee, Entwicklung, technische Architektur und operative Umsetzung stammen aus Israel. Das System entstand nach dem Libanonkrieg 2006 als direkte Reaktion auf massiven Raketenbeschuss aus dem Norden. Ziel war es, ein kurzfristig einsatzfähiges, mobiles und präzises Abwehrsystem gegen Kurzstreckenraketen zu schaffen, das zivile Zentren schützen kann.

Entwickelt wurde Iron Dome von israelischen Unternehmen, allen voran Rafael Advanced Defense Systems, in Zusammenarbeit mit Israel Aerospace Industries und dem Softwareunternehmen mPrest Systems. Die ersten Batterien gingen im Jahr 2011 in Betrieb und bewährten sich innerhalb kürzester Zeit im realen Einsatz. Seither hat das System tausende Raketen abgefangen und gilt weltweit als eines der effektivsten Kurzstreckenabwehrsysteme überhaupt.

Die Vereinigten Staaten haben das Projekt später finanziell unterstützt, insbesondere durch Zuschüsse zur Serienproduktion und zur gemeinsamen industriellen Fertigung einzelner Komponenten. Diese Unterstützung war politisch wie militärisch bedeutsam, sie machte Iron Dome jedoch nicht zu amerikanischer Technologie. Finanzierung ist nicht gleich Erfindung, und Unterstützung ersetzt keine Entwicklung.

Diese Differenz ist entscheidend.

Denn mit seiner Aussage verwischt Trump bewusst oder unbewusst die Grenze zwischen Kooperation und Urheberschaft. Israel entwickelte Iron Dome eigenständig, testete es eigenständig und setzte es eigenständig ein. Die USA stiegen erst nachweislich ein, nachdem das System bereits funktionierte und im Einsatz bewiesen hatte, dass es Leben schützt.

Dass Trump dies nun anders darstellt, ist nicht nur sachlich falsch, sondern politisch problematisch. Seine Worte suggerieren, Israel habe ein amerikanisches Produkt übernommen und lediglich betrieben. Damit wird eine der bedeutendsten sicherheitstechnischen Eigenleistungen des jüdischen Staates relativiert.

Besonders brisant ist diese Aussage vor dem Hintergrund, dass ähnliche Behauptungen in der Vergangenheit bereits von europäischen Medien verbreitet wurden. In Deutschland hatte unter anderem ein ARD-Livekommentar Iron Dome fälschlich als US-Erfindung bezeichnet. Auch damals wurde suggeriert, Israel sei lediglich Nutzer amerikanischer Technologie. Eine Darstellung, die faktisch unhaltbar ist, sich aber hartnäckig hält.

Trumps Äußerung verleiht dieser falschen Erzählung nun zusätzliches politisches Gewicht.

Der Kontext seiner Rede macht deutlich, dass es ihm vor allem um sein neues Projekt ging. Der sogenannte „Golden Dome“ soll ein umfassendes Raketenabwehrsystem für Nordamerika werden, möglicherweise mit weltraumgestützten Komponenten. Das Projekt wird auf Kosten von rund 175 Milliarden Dollar geschätzt. Erste Verträge wurden bereits an große US-Rüstungskonzerne vergeben, darunter Northrop Grumman, Lockheed Martin und Anduril.

Um dieses Vorhaben zu legitimieren, stellt Trump Iron Dome als amerikanische Vorleistung dar. Nach dem Muster: Was wir für Israel geschafft haben, können wir für uns selbst noch größer bauen. Politisch mag diese Erzählung für sein Publikum funktionieren, technisch hält sie einer Überprüfung nicht stand.

Iron Dome ist israelische Technologie mit amerikanischer Unterstützung, nicht umgekehrt.

Diese Unterscheidung ist nicht nebensächlich. Sie betrifft die sicherheitspolitische Selbstständigkeit Israels, seine Innovationskraft und seine Fähigkeit, unter existenzieller Bedrohung eigene Lösungen zu entwickeln. Gerade in einer Zeit, in der Israel international zunehmend als abhängig oder fremdgesteuert dargestellt wird, ist die korrekte Einordnung von Fakten keine Detailfrage, sondern eine Frage der Wahrheit.

Trump mag in Davos über Zukunftsprojekte sprechen. Doch mit seiner Aussage über Iron Dome hat er unbeabsichtigt ein altes Narrativ bedient, das Israels Leistungen kleinredet und verzerrt darstellt.

Iron Dome wurde nicht in Washington geboren. Es wurde in Israel entwickelt, gebaut und im Feuer getestet.

Das bleibt Fakt, unabhängig davon, wie oft etwas anderes behauptet wird.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By The White House from Washington, DC - President Trump at Davos, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86201284


Donnerstag, 22 Januar 2026

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