ARD berichtet einseitig über israelische Herbizideinsätze im Libanon und verschweigt SicherheitskontextARD berichtet einseitig über israelische Herbizideinsätze im Libanon und verschweigt Sicherheitskontext
tagesschau warnt vor israelischem „Pflanzengift“ im Südlibanon und zitiert empörte Minister in Beirut. Der militärische Hintergrund und die Verpflichtungen aus Resolution 1701 bleiben nahezu unerwähnt.
Die Wortwahl ist deutlich, die Dramaturgie klar: Israel versprüht „Pflanzengift“ im Libanon. Empörung sei „enorm“, Minister sprächen von Gefahr für Umwelt und Bevölkerung. Was auf tagesschau.de wie ein neuer Umwelt- und Völkerrechtsskandal wirkt, ist bei näherem Hinsehen vor allem ein Beispiel problematischer Schwerpunktsetzung.
Im Mittelpunkt des ARD-Beitrags stehen libanesische Regierungsvertreter. Sie sprechen von Glyphosat, das angeblich in stark erhöhter Konzentration versprüht worden sei. Der Begriff „Pflanzengift“ prägt die Schlagzeile. Israel äußert sich laut Bericht nicht. Was allerdings ebenfalls fehlt, ist eine erkennbare journalistische Anstrengung, die israelische Seite systematisch einzubeziehen oder zumindest den sicherheitspolitischen Kontext umfassend darzustellen.
Dabei ist dieser Kontext entscheidend. Südlich des Litani-Flusses soll der Libanon gemäß der Resolution 1701 des United Nations Security Council von 2006 entmilitarisiert sein. Bewaffnete Kräfte dürfen dort ausschließlich der libanesischen Armee und der UNIFIL-Mission angehören. Die Resolution fordert ausdrücklich die Entwaffnung nichtstaatlicher Milizen.
Die Realität sieht anders aus. Die schiitische Miliz Hezbollah kontrolliert weite Teile des Südlibanon faktisch und verfügt über ein umfangreiches Raketenarsenal. Immer wieder wurden Abschussrampen, Munitionslager und Infrastruktur in landwirtschaftlich genutzten Gebieten dokumentiert. Raketen werden in Olivenhainen, zwischen Häusern und in unterirdischen Anlagen stationiert. Diese militärische Durchdringung ziviler Räume ist ein offenes Geheimnis.
Vor diesem Hintergrund setzt die israelische Armee seit Jahren Herbizide ein, um Vegetation entlang der Grenze zu entfernen. Ziel ist es, Sichtachsen freizuhalten und Bewegungen frühzeitig zu erkennen. Es handelt sich dabei um Glyphosat, ein weltweit eingesetztes Herbizid, das in Landwirtschaft und Infrastrukturpflege verwendet wird. Ob die Dosierung im konkreten Fall überhöht war, lässt sich aus libanesischen Angaben allein nicht abschließend bewerten. Eine unabhängige internationale Untersuchung liegt bislang nicht vor.
Sprachwahl mit Wirkung
Die Entscheidung, den Begriff „Pflanzengift“ in den Titel zu heben, ist journalistisch wirksam, aber politisch aufgeladen. Fachlich korrekt wäre der Begriff Herbizid. Gift suggeriert eine gezielte Schädigung von Mensch und Umwelt. Herbizid beschreibt zunächst ein Mittel zur Pflanzenbekämpfung. In einem hochsensiblen Konfliktgebiet macht diese Differenz einen erheblichen Unterschied in der Wahrnehmung.
Zudem entsteht durch die Struktur des Beitrags der Eindruck, Israel handle ohne sicherheitspolitische Motivation. Hinweise auf Raketenstellungen, auf Verstöße gegen Resolution 1701 oder auf die Rolle der Hisbollah fehlen weitgehend. Auch die Tatsache, dass Israel in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel von Raketenbeschuss aus dem Libanon war, wird nicht systematisch eingeordnet.
Kritische Berichterstattung über israelische Maßnahmen ist legitim und notwendig. Doch wer die militärische Ausgangslage ausblendet, vermittelt kein vollständiges Bild. Der Leser erfährt Empörung, aber kaum Ursachen. Er liest von Umweltgefahr, aber nicht von Raketen in Olivenhainen. Er liest von Schweigen Israels, aber nicht von den Verpflichtungen des Libanon aus internationalen Vereinbarungen.
Verantwortung beider Seiten
Der libanesische Staat trägt gemäß Resolution 1701 die Verantwortung, sein Territorium von nichtstaatlichen Milizen freizuhalten. Dass dies seit Jahren nicht geschieht, ist international dokumentiert. UNIFIL selbst berichtet regelmäßig von Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit und fehlender Entwaffnung der Hisbollah. Diese strukturelle Problemlage gehört zwingend in jede seriöse Analyse grenznaher militärischer Maßnahmen.
Wenn Vegetation entfernt wird, um Raketenabschüsse zu erschweren oder Schmuggelrouten sichtbar zu machen, ist das Teil einer militärischen Grenzsicherung. Ob einzelne Maßnahmen verhältnismäßig sind, muss geprüft werden. Doch die pauschale Dramatisierung ohne sicherheitspolitischen Rahmen erzeugt ein verzerrtes Bild.
Die ARD ist kein Propagandamedium. Doch in diesem Fall wirkt die Gewichtung einseitig. Emotionale Begriffe stehen am Anfang, strategische Hintergründe bleiben im Hintergrund. Wer über Israel berichtet, sollte weder skandalisieren noch relativieren, sondern vollständig einordnen.
Medien tragen Verantwortung. Gerade in einem Konflikt, der international polarisiert, entscheidet Kontext über Verständnis. Wer ihn weglässt, lenkt die Wahrnehmung. Und das ist mehr als eine sprachliche Nuance.
hier der Beitrag der ARD
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot Tagesschau.de : https://www.tagesschau.de/ausland/asien/libanon-israel-pflanzengift-100.html
Freitag, 13 Februar 2026