Linken-Chefin Schwerdtner vermeidet Antisemitismus-Begriff bei Lanz trotz antizionistischem BeschlussLinken-Chefin Schwerdtner vermeidet Antisemitismus-Begriff bei Lanz trotz antizionistischem Beschluss
In der ZDF-Sendung von Markus Lanz wird die Parteivorsitzende mit einem klaren Problem konfrontiert. Ein Landesverband ihrer Partei lehnt den Zionismus ab und spricht von „Genozid“. Doch statt Klarheit liefert Schwerdtner Ausweichmanöver.
Der Auftritt von Ines Schwerdtner bei Markus Lanz hat offengelegt, wie tief die Linke in Deutschland beim Thema Israel in einem inneren Widerspruch steckt. Ausgangspunkt der Diskussion war ein Beschluss des niedersächsischen Landesverbands der Partei, der den „heute real existierenden Zionismus“ ablehnt und Israel schwerste Vorwürfe macht.
Lanz konfrontierte Schwerdtner direkt mit einem Video, in dem ein Parteifunktionär diesen Beschluss offensiv als antizionistisch feiert und die Gewalt in Gaza nicht als politische Entscheidung, sondern als angeblich logische Folge des Zionismus darstellt. Die zentrale Frage war klar formuliert: Ist das Antisemitismus?
Schwerdtner wich aus.
Sie nannte den Beschluss „einseitig“, „nicht richtig“ und das Video „sehr grenzwertig“. Doch das entscheidende Wort sprach sie nicht aus. Auch nach mehrfacher Nachfrage vermied sie es, die Aussagen als antisemitisch zu bezeichnen. Stattdessen erklärte sie schließlich ausdrücklich: „Nein, ich finde das nicht antisemitisch.“
Diese Aussage ist politisch brisant. Denn sie verschiebt die Grenze dessen, was als Antisemitismus gilt. Schwerdtner begründete ihre Haltung damit, man würde „realen Antisemitismus“ verharmlosen, wenn man den Begriff in diesem Fall verwende. Gemeint sei für sie vor allem die direkte Bedrohung jüdischen Lebens in Deutschland.
Der Kern des Problems wird umgangen
Das Problem liegt jedoch genau in der Argumentation, die Schwerdtner gleichzeitig zu relativieren versucht. Der Beschluss ihres Landesverbands trennt nicht zwischen israelischer Regierungspolitik und der Idee des Zionismus. Im Gegenteil: Er erklärt die behauptete Gewalt ausdrücklich zur Folge dieser Ideologie selbst.
Damit wird nicht mehr eine konkrete politische Entscheidung kritisiert, sondern die Grundlage jüdischer Staatlichkeit infrage gestellt. Genau an diesem Punkt setzte auch die Kritik anderer Gäste an.
Andreas Dressel formulierte es deutlich. Zionismus bedeute, dass Juden ein Recht auf einen eigenen Staat haben. Wer sich dagegen stellt, stelle zwangsläufig das Existenzrecht Israels infrage. Seine Schlussfolgerung war klar: „Das ist klarer Antisemitismus.“
Schwerdtner widersprach. Niemand habe das Existenzrecht Israels bestritten, sagte sie. Doch genau diese Differenzierung hält einer genaueren Betrachtung nicht stand. Wenn eine Ideologie als Ursache von Gewalt definiert wird, wird sie delegitimiert. Und wenn diese Ideologie die Grundlage eines Staates ist, wird auch dieser Staat indirekt infrage gestellt.
Eine Partei im Richtungsstreit
Der Auftritt machte deutlich, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Die Linke befindet sich in einer Phase, in der sich ihre Haltung zum Nahostkonflikt grundlegend verschiebt. Schwerdtner selbst sprach davon, dass viele neue Mitglieder in die Partei gekommen seien und der Konflikt sie stark bewege.
Diese Entwicklung hat bereits Konsequenzen. Kritische Stimmen innerhalb der Partei haben sich zurückgezogen oder sind ausgetreten. Der Antisemitismusbeauftragte Brandenburgs verließ die Partei nach dem Beschluss. Auch andere bekannte Politiker hatten zuvor Konsequenzen gezogen.
Gleichzeitig zeigt der Umgang mit innerparteilicher Kritik ein klares Muster. Während problematische Aussagen zu Israel relativiert werden, führen Warnungen vor Antisemitismus zu scharfen internen Reaktionen. Das wurde auch im Umgang mit Gregor Gysi sichtbar, der für seine Hinweise auf problematische Haltungen in Teilen der Partei massiv kritisiert wurde.
Rhetorik ersetzt Klarheit
Besonders auffällig war die sprachliche Strategie im Gespräch. Schwerdtner versuchte konsequent, zwischen Kritik an Israel und Antisemitismus zu unterscheiden. Diese Differenzierung ist grundsätzlich legitim und notwendig. Doch sie verliert ihren Wert, wenn sie dazu dient, offensichtliche Grenzüberschreitungen nicht zu benennen.
An einer Stelle reproduzierte Schwerdtner selbst ein Narrativ, das genau diese Grenze verwischt. Sie erklärte, im Namen des Zionismus müsse es „ein Groß-Israel geben, was dann auch die Vernichtung der Palästinenser einschließt“. Diese Aussage entspricht inhaltlich genau dem Vorwurf, den sie zuvor relativieren wollte.
Damit zeigt sich ein tieferes Problem. Es geht nicht nur um einzelne Beschlüsse, sondern um ein politisches Denkmuster, in dem der Begriff Zionismus zunehmend negativ aufgeladen wird, ohne dass die historischen und politischen Grundlagen berücksichtigt werden.
Eine Debatte ohne klare Linien
Der Auftritt bei Lanz macht deutlich, wie schwer sich Teile der deutschen Politik damit tun, Antisemitismus klar zu benennen, wenn er nicht in klassischer Form auftritt. Sobald er sich in politischer Sprache tarnt, wird er relativiert, eingeordnet oder umdefiniert.
Für Israel ist diese Entwicklung nicht abstrakt. Wenn der Zionismus als Problem dargestellt wird, wird damit die Legitimität des jüdischen Staates selbst zur Debatte gestellt. Genau deshalb ist die Frage, ob solche Positionen antisemitisch sind, keine semantische, sondern eine politische.
Schwerdtner hat an diesem Abend versucht, diesen Konflikt zu umgehen. Doch gerade dadurch wurde er sichtbar.
Die Linke steht damit vor einer grundlegenden Entscheidung. Entweder sie zieht klare Grenzen und benennt problematische Positionen eindeutig. Oder sie riskiert, dass sich eine politische Linie verfestigt, in der Antizionismus und Antisemitismus nicht mehr klar getrennt werden.
Der Auftritt bei Markus Lanz hat gezeigt, wie weit dieser Prozess bereits fortgeschritten ist.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By DIE LINKE - https://www.flickr.com/photos/34289572@N06/54348142088/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=160551831
Freitag, 20 März 2026