Rotherham: Die volkseigenen Kinder von Labour

Rotherham:

Die volkseigenen Kinder von Labour


Die volkseigenen Kinder von Labour

von Gerrit Liskow

Die englische Großstadt Rotherham steht seit Dienstag der letzten Woche im Zentrum eines Skandals, der die britischen Inseln erschüttert. Wie der Abschlussbericht einer unabhängigen Untersuchungskommission unter Leitung von Prof. Alex Jay feststellt, sind in Rotherham zwischen 1997 und 2013 nach vorsichtigen Schätzungen 1.400 Minderjährige missbraucht worden, offenbar in einem mehr oder weniger systematischen Zusammenspiel von Polizei, Verbrechergangs und Stadtverwaltung.

Es fällt schwer, sich diese Zahl, vor allem aber das Leid der Betroffenen, bewusst zu machen. Mädchen, die eine Vergewaltigung anzeigen wollten, wurden von der Polizei mit fadenscheinigen Erklärungen nachhause geschickt. Beweismittel „verschwanden“ und gingen „verloren“. Eltern, die sich an die Polizei wanden, wurden als Störenfriede behandelt und wenn es sein musste, über Nacht auf der Wache festgehalten. Danach wurden sie mit der Verwarnung nachhause geschickt, sich nicht in Dinge einzumischen, die sie nichts angehen.

Was weniger schwer fällt ist die Vorstellung, dass die kommunalen Behörden gemeinsame Sache mit der Verbrechern machten, und das wahrscheinlich immer noch tun. Ergebnis: ein systematischer, über anderthalb Jahrzehnte anhaltender Rechts- und Zivilisationsbruch, der nicht zuletzt deshalb geschah, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Denn: Die Täter, das stellt der Untersuchungsbericht ebenfalls fest, stammten „in der überwältigenden Mehrzahl aller Fälle“ (an anderer Stelle heißt es: „ alle bis auf einen“) aus dem pakistanischen Einwanderermilieu. In Rotherham war das offenbar Grund genug um die Opfer zu ignorieren und mit fadenscheinigen Erklärungen nachhause zu schicken.

Die Herkunft der Täter muss für die Labour-geführte Stadtverwaltung eine derartige Sünde wider die uffjeklärte Einheitsmeinung gewesen sein, dass sie ihrem Jugendamt das ILBA-Programm befahl: ignorieren, leugnen, bagatellisieren und abstreiten. Prof. Jays Bericht schildert minuziös, wie der Gemeinderat von Rotherham sich und seine Behörden im Namen eines falsch verstandenen Anti-Rassismus im Laufe von sechzehn Jahren in ein gegen jede Anfechtung durch die real-existierende Wirklichkeit perfekt immunisiertes Schweigekartell verwandelt hat. Ein Schweigekartell, dem „Der Zusammenhalt der Gemeinschaft“ wichtiger war als das Schicksal von mindestens 1.400 Minderjährigen.

Farm der Tiere

Wer auf den unteren Dienstebenen mit Labours „Alle Kulturen sind gleich, aber manche sind gleicher“-Mantra angesichts des praktischen Augenscheins nicht zurechtkam und das Offensichtliche aussprach, wurde als „RassistIn“ denunziert und anschließend zum Ziel einer verwaltungsinternen, teilweise auch öffentlich betriebenen, Hexenjagd gemacht. Anstehende Beförderungen platzten und wer den Mund trotz allem nicht halten konnte, wurde versetzt oder aus dem Dienst entfernt; alles im Dienst der „guten Sache“.

In Labours Teppichetage, im Gemeinderat, bedurfte es derlei Einschüchterungen nicht. Hier schwieg man von selbst, weil alle wussten, was sie zu verlieren hatten. Auffällig war allein, mit welcher Leichtigkeit die Verbrechergangs, die die Kinderprostitution über Jahre geschäftsmäßig betrieben, an die Adressen ihrer Opfer gelangten. Vor allem die Minderjährigen in den städtisch geführten Kinderheimen liefen Gefahr, über kurz oder lang als Kinderprostituierte zu enden. Die volkseigenen Kinder von Rotherham lebten besonders gefährlich, während einem Paar juristisch unauffälliger Durchschnittsbriten ihre Kinder weggenommen wurden, weil sie nicht Labour wählen. Pardon: Weil sie Mitglieder der UK Independence Party sind.

Die Betroffenen selbst schildern den Übergang in die Erwachsenenwelt als gewaltsamen Prozess mit plötzlichen, erschreckenden Folgen: Erst wurden sie von Unbekannten mit billigen Geschenken überhäuft, und dann nach dem dritten, vierten Treffen brutal vergewaltigt, entweder von ihren Aufpassern oder deren Kunden, oft von mehreren Personen auf einmal. Einschüchterungen, Drohungen und Erpressungen wurde von da an die Regel, die den Alltag bestimmte. Zumindest ein Mädchen wurde mit Benzin übergossen, bevor ihr „Aufpasser“ ankündigte, er werde sie bei lebendigem Leib verbrennen, wenn sie jemandem von der „Sache“ erzähle.

Das Geschäftsgebiet der Gangs beschränkte sich dabei nicht auf Rotherham oder den Norden Englands. Nachdem Polizei und Stadtverwaltung in der Labour-Hochburg sechzehn Jahre lang perfekt dichtgehalten haben, laufen derzeit über fünfzig weitere Ermittlungen in mindestens fünf weiteren Großstädten, darunter Rochdale und Cambridge.

„Sweet Sixteen“

Die britische „Linke“ bemüht sich derweil, von diesem grauenhaften Betriebsunfall ihres populistischen Anti-Rassismus nach Kräften abzulenken, indem sie das Geschehen in Rotherham relativiert und entschuldigt. Bei Labour ist, außer den üblichen Sprechblasen, seit einer Woche nichts passiert, das bemerkenswert wäre. Mit der Ausnahme, dass ein Aussteiger von seinem Posten als Gemeinderat zurückgetreten ist. Der ehemalige örtliche Labour-MP und britische „Europa“-Minister Dennis MacShane machte in diesem Jahr bereits einen kleinen Erholungsurlaub im Hotel zur Eisernen Kugel, weil er es bei seiner Spesenabrechnung nach Ansicht des Old Bailey wohl doch etwas zu toll getrieben hat.

Der Polizeipräsident von Rotherham hingegen, im Großteil des Untersuchungszeitraums selbst Abgeordneter im Gemeinderat, kann weiterhin nicht verstehen, warum er zurücktreten sollte; immerhin bezieht er ein Jahresgehalt von rund 200.000 Euro. Und das, während sich nicht nur in den von der britischen Sozialdemokratie regierten Kommunen die Ansicht breit macht, Rotherham sei überall. Die Annahme, derlei könnte auf dem europäischen Kontinent nicht passieren, ist zunächst mal genau das: eine Annahme. Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang vor allem an die Aktivitäten bei den KinderfreundInnen von den deutschen „Grünen“ und deren Begierde, das Schutzalter auf ein „alternativeres“ Maß zu senken.

Die Labour-Kader tun sich noch immer schwer mit der Einsicht, dass ihre Partei für einen grauenhaften, systematischen und aus politischem Eigennutz motivierten Zivilisationsbruch verantwortlich ist. Aber in jenen Fällen, in denen sie das Geschehene nicht leugnen, verstehen sie oftmals nicht, was daran problematisch ist. Oder versuchen, ihr Schweigekartell dadurch vor Anfechtung zu schützen, dass sie unterstellen, der Schutz der Minderjährigen wäre ebenso politisch motiviert, wie Labours systematische Vertuschung der kommunalen Kinderprostitution über einen Zeitraum von sechzehn Jahren. Besonders aufrecht-uffjeklärte VertreterInnen der „linken“ Einheitsmeinung versuchen derweil, die Missbrauchsopfer „hinsichtlich ihrer Berufswahl vor staatlicher Repression zu schützen“; deren Begrifflichkeiten, nicht meine.

Le plus ca change…

Der Guardian, das Zentralorgan der uffjeklärten Einheitsmeinung, versucht an der Propaganda festzuhalten, dass nichts an der jahrelangen Kinderprostitution etwas mit Labour oder gar pakistanischen Immigranten zu tun hat. Hurra - ein Verbrechen ohne Täter! Kultur und ähnliche Sozialzusammenhänge haben nach der „linken“ opinion chique in Fällen wie diesem nämlich nichts zu suchen. Obwohl es, wie allgemein bekannt sein dürfte, zu den sinnvolleren Theorien der modernen Ermittlungspraxis gehört, dass der Mensch das Produkt sozialer Umstände ist, auch in seiner Funktion als Verbrecher. Aber das gilt, wie gesagt, entsprechend der „linken“ Einheitsmeinung dann nicht mehr, wenn es sich bei den Verdächtigen um Angehörige solcher Gruppen handelt, in denen ein besonders „politischer“, nämlich ein „anti-rassistischer“ Schutzauftrag das Ermittlungsergebnis vorgibt.

Die BBC, in ihrer Funktion als Staatsfunk, hat in den Beiträgen zur Sache nur unwesentlich weniger die Schere der Selbstzensur im Kopf als der Guardian und hat kurzerhand alle Asiaten zu Verdächtigen erklärt um nicht spezifisch werden zu müssen. Drei Milliarden Inder und Chinesen können sich schon mal bei der Corporation bedanken, ebenso die Japaner und Thais sowie jene Sikhs, Hindus und Buddhisten, die nicht im Traum auf die Idee kämen, aus der Kinderprostitution ein Gewerbe zu machen, sowie die rechtschaffenden Moslems.

Das ist übrigens die selbe BBC, die in der Woche zuvor einen Hubschrauber und eine dreistündige Live-Berichterstattung für die Razzia bei Sir Cliff Richard übrig hatte, nachdem ein Betroffener vorbrachte, von dem Pop-Musiker vor 30 Jahren missbraucht worden zu sein. Über mindestens 1.400 missbrauchte Minderjährige in einer Arbeiterstadt im Norden Englands hingegen war vom britischen Staatsfunk sechzehn Jahre lang kein Pieps zu hören, kritisch-investigativer Qualitätsjournalismus hin oder her.

 

Foto: Rotherham (Foto: Alan Murray-Rust [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons)

 

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Autor: liskowde
Bild Quelle:


Montag, 01 September 2014