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Diskussionsbeitrag: Das jihadistische Massaker von Paris und seine Folgen

Diskussionsbeitrag:

Das jihadistische Massaker von Paris und seine Folgen


Der Politikwissenschaftler Tomas Spahn in diesem exklusiven Diskussionsbeitrag für haOlam.de den jihadistischen Terroranschlag von Paris und die Folgen, die dieser hat.

von Tomas Spahn

So bitter das klingen mag – aber die mittlerweile über 130 Toten der Pariser Anschläge sind vielleicht nicht völlig umsonst gestorben – so sinnlos ihr Tod angesichts des Irrsinn islamisch begründeter Gewalt auch ist und bleiben wird. Denn das Pariser Massaker an lebenslustigen und lebenshungrigen, überwiegend jungen Menschen scheint die Europäer endlich wach zu rütteln. Die bislang so glaubenstoleranten Europäer scheinen zu begreifen, dass der islamische Terror entgegen aller gebetsmühlenartig verbreiteten Floskeln doch etwas mit dem Islam zu tun hat. Der radikale Islam, der sich bislang unwidersprochen unter dem Deckmäntelchen der Glaubensfreiheit bis tief in unsere Gesellschaften ausbreiten konnte, wird zunehmend auch öffentlich als das begriffen, was er tatsächlich ist: Ein auf dem Koran und den Hadithe beruhendes Welteroberungskonzept zur rücksichtslosen Durchsetzung eines globalen Gottesstaats.
Es ist keine zehn Jahre her, als die Karikaturen des Dänen Kurt Westergaard den Politikern Europas zu fast schon hysterischen Verteidigungselogen gegen die vorgebliche Verteufelung des Islam Anlass gaben. Fast ein Jahrzehnt lang wollte niemand hören, dass es zwischen Koran und islamischen Glaubenskriegern einen unmittelbaren Zusammenhang gibt. Und so ließ man den Wahabismus nicht nur gewähren – man förderte ihn wenn auch vielleicht nicht gezielt, so doch durch kollektives Wegschauen. Die selbsternannten Vertreter europäischer Muslime konnten sich mit breiter Unterstützung durch Medien und Politik aus ihrer Verantwortung stehlen und sich einmal mehr in traditionell-islamischer Opfertradition als die wehrlosen, von unislamischen Glaubensvergewaltigern missbrauchten, wahren Gläubigen präsentieren.
Nach Paris ist es still geworden in den Reihen dieser Verbände. Nun plötzlich veröffentlichte, seriöse Untersuchungen belegen, dass nicht nur in Europa, sondern weltweit ein nicht unbedeutender Teil der Muslime den Mördern von Paris mehr als nur heimlich Beifall zollt. Denn der islamische Fundamentalismus ist eben keine Vergewaltigung des Diktats Mohameds – er ist ein dem Islam zutiefst innewohnendes Phänomen. Wer sich ernsthaft mit dem Koran und den Hadithe – jenen vorgeblichen Beschreibungen aus dem Leben Mohameds – beschäftigt, der kommt an der Erkenntnis nicht vorbei: Der Islam ist in seinen Grundfesten nicht nur radikal-anti-israelisch (wobei „Israel“ bei Mohamed als Synonym für alle Anhänger des mosaischen Glaubens steht); er ist auch das intolerante Konzept eines an der Person Mohamed orientierten, totalitären Gemeinwesens, in dem jeder, der sich nicht zum Islam bekennt, wenn überhaupt nur dann eine Lebensberechtigung hat, wenn er sich dem islamischen Staat absolut unterwirft. Allein schon das öffentliche Glaubensbekenntnis zu einer nichtislamischen Religion wird unter Drohung für das Leben zum gotteslästerlichen Straftatbestand.
Diese Erkenntnis schmerzt. Sie schmerzt die Muslime – und sie schmerzt jene naiven Europäer, die in Verkennung ihres eigenen Verhältnisses zu Kirche und Religion nicht mehr begreifen wollten, dass die missionierende Dynamik des Islam eben nicht zu vergleichen ist mit dem Rückzug ins Private, den die jüdische und die christliche Glaubensauffassung spätestens seit der westeuropäischen Aufklärung gegangen ist. 
Wie sehr diese Erkenntnis schmerzt, konnte ich jüngst am Beispiel eines jungen und sehr islamgläubigen Deutschen tunesischer Abstammung erleben, der mir in einem Kurs für angehende  Jungjournalisten erklärte, er wolle seine Texte für Gott schreiben. So bat ich ihn darum, genau das zu tun, und er schrieb ohne jede Beeinflussung, dass Gott für ihn Liebe sei und tunesische Muslime die friedfertigsten Menschen überhaupt. Jeder, so der junge Mann in seinem Text auch, müsse aber das Recht haben, sich selbst für seinen Gott zu entscheiden. Und jemanden wegen seines Glaubens zu töten, fände er – wörtlich – „doof“. Darauf angesprochen, dass aber doch die Morde in Paris von Muslimen begangen worden sind und dass sie dazu durchaus Texte im Koran finden könnten, mit denen sie ihr Verhalten begründen können, wurde er still. Der von mir erwartete Widerspruch blieb aus. Statt dessen breitete sich eine tiefe Traurigkeit in seinem Gesicht aus – Tränen rollten und dann schrieb dann doch weiter.  Was ich dann zu lesen bekam,  konnte mich nicht unberührt lassen. Ja, so schrieb er, es gäbe tatsächlich Muslime, die den Koran so  wörtlich nähmen, dass sie deshalb Menschen töten. Das seien vor allem „die bösen Saudi-Arabier“. Er und seine tunesischen Muslime aber wollten das nicht. Die seien eben nicht so. Für die tunesischen Muslime ist Gott Liebe – und wenn sich alle Menschen lieben würden, dann würden sie sich doch auch nicht gegenseitig töten.
Warum berichte ich das? Ich denke, es kann uns Manches verdeutlichen. In der aktuellen Situation ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis, dass Muslime beginnen, sich jenseits des Kritikverbots an Mohamed und Koran ernsthaft und bewusst mit den teilweise menschenverachtenden Inhalten ihres Heiligen Buches und den daraus entstehenden Folgen auseinander zu setzen. Das macht Hoffnung. Es verdeutlicht aber auch, dass die Politik des Wegschauens, des bewussten Ableugnens eben genau dieser Inhalte gerade durch die öffentlichen Meinungsträger unserer europäischen Gesellschaft viel dazu beigetragen hat, den radikalen Islam erst zu dem werden zu lassen, was er heute ist: Eine globale Gefahr für jeden freien und selbstbestimmten Menschen. In der naiven und vermutlich wohlmeinenden Absicht, den zugewanderten Muslimen nicht zu nahe treten zu wollen, wurde die vom fundamental-islamischen Wahabismus ausgehende Gefahr verleugnet und alles vermieden, die Muslime in die Auseinandersetzung mit der ihrem Glaubenskonzept innewohnenden Radikalität zu zwingen. 
Ein Kommentator zu einem meiner auf dieser Plattform veröffentlichten Texte versuchte, dieses Wegschauen von der historischen Wirklichkeit des Islam damit einzufordern, man müsse „Respekt“ vor der Religion haben. Nein, Religion ist ebensowenig wie jede andere Welterklärungsphilosophie etwas, das man zu „respektieren“ hat. Vor allem dann nicht, wenn sie statt Religion politischen Anspruch verbreitet. Respekt hat man vor Menschen, die sich diesen Respekt durch ihr Handeln verdienen. Mein kleiner Tunesier ist dabei, sich diesen Respekt zu verdienen. Er verdient sich diesen Respekt deshalb, weil er trotz seines jungen Alters bereit ist, sich in seiner tiefen und ernstzunehmenden Gläubigkeit den Tatsachen des Ursprungs seines Glaubens zu stellen, sich auch mit den dunklen Seiten seiner Religion zu beschäftigen. Denn damit erklärt er seine Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Eine Verantwortung, von der die Herren von Ditib und Zentralrat der Muslime immer noch meilenweit entfernt sind. Da hilft es dann auch wenig, wenn man sich – wie gerade in Melsungen geschehen - von öffentlich in seinem Namen verbreiteten anti-jüdischen Ausfällen in bekannter Manier schnell zu distanzieren sucht.
Deshalb war es mehr als überfällig, die Diskussion über den im Islam verankerten Radikalismus endlich auch in der Öffentlichkeit zu führen. Es war mehr als überfällig, dass die Medien der europäischen Kultur die Problematik endlich tabulos, aber ohne Vorverurteilung aufzeigen – auch und gerade deshalb, weil sie durchgängig bis vor kurzem noch alles daran setzten, die islamische Gewalt kleinzureden. 
Diese Debatte hätte schon beginnen müssen, als der Ajatollah Khomeini 1989 seine Todesfatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie aussprach. Sie wäre unvermeidbar gewesen, als Muslime weltweit zur Hatz auf Westergaard aufriefen. Doch immer wieder tauchte unsere angeblich so sehr auf ihre Freiheit setzende Kultur ab. Vorgeblich aus Angst, „religiöse Gefühle“ zu verletzen – und eher wohl noch aus Angst, selbst in das Fadenkreuz der Glaubenseiferer zu geraten. Angst aber ist für freie und aufrechte Menschen schon immer ein schlechter Ratgeber gewesen. Denn Angst ist die Vorstufe zur Selbstaufgabe.
Es ist bitter, dass erst so viele Menschen eines unsinnigen Todes sterben und noch viel mehr schwer verletzt werden mussten. Doch wir müssen erkennen: Auch wir selbst tragen ein Mitverantwortung für ihren Tod. Weil wir es über Jahre zugelassen haben, der unübersehbaren Gefahr nicht mit der notwendigen Konsequenz ins Auge geschaut zu haben. So mag es denn trotz aller Bitternis und aller Trauer über die Unsinnigkeit ihres Todes so sein, dass die Opfer von Paris am Ende in einem übertragenden Sinne nicht umsonst gestorben sind. Ihr Tod kann zu einem Weckruf an die in ihrem eigenen Überdruss vor sich hin dümpelnde europäische Kultur werden. Europa scheint endlich zu begreifen, dass es sich wehr- und widerstandslos selbst ausliefert , wenn es die historischen Ursachen des Terrors aus Rücksichtnahme auf die „Gefühle“ von Neubürgern ausblendet. 
Unsere Islamverbände stehen derweil mit dem Rücken zur Wand. Sie werden sich entscheiden müssen, ob sie sich dem Vorbild meines kleinen Tunesiers anschließen und sich endlich ungeschönt ihrer islamischen Verantwortung stellen – oder ob sie weiterhin mit einer großen Lüge leben wollen und damit klammheimlich der radikalislamischen Welteroberung den Weg bahnen.
 
©2015 spahn

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Bild Quelle:


Montag, 14 Dezember 2015