Brexit - eine Absurdidätenshow?

Brexit - eine Absurdidätenshow?


Erst in der vergangenen Woche wurde das wahre Ausmaß des Flurschadens sichtbar, den die EU in den Brexit-Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich bereits angerichtet hat.

von Ramiro Fulano

 

Zuvor hatte Jean-Claude Juncker, Chef der EU, die britische Premierministerin nach einem Abendessen in Downing Street als „verrückt“ beschimpft und öffentlich bekundet, sie wäre „aus einer anderen Galaxis“.

Äußerungen wir diese könnte man wohlwollend als verzweifelten Hilferuf eines Überforderten interpretieren. Vielleicht auch als interessante Selbstauskunft. Allerdings steht nicht erst seit gestern die Frage im Raum, ob es wirklich klug ist, die Existenz von knapp einer halben Milliarde Menschen alkoholgeschwängerten Eurokraten anzuvertrauen.

 

Doch zurück zum Thema: Frau May hat sich nach dem vergeigten Abendessen in Downing Street bereits jede weitere Einmischung in die inneren Angelegenheiten Groß Britanniens seitens Jean-Claude Junckers pseudostaatliche Zollunion verbeten.

 

Ihrem Standing in der Öffentlichkeit scheint das indes keineswegs geschadet zu habe: Bei Kommunalwahlen in England, Schottland und Wales konnte die Regierungspartei sich überraschend stark behaupten. In England stellen die Tories nunmehr die Mehrheit aller Gemeindeverordneten. Labour ging unter Jeremy Corbyn als Verlierer vom Platz und wurde in Schottland von den Tories abgehängt, die dort hinter den schottischen Nationalisten (SNP) auf Platz zwei landeten. Zeitnah an Kommunalwahlen anschließende Parlamentswahlen verstärken erfahrungsgemäß den politischen Trend, sodass Frau May mit einer komfortablen Mehrheit bei der „Brexit-Wahl“ am 8. Juni 2017 rechnen kann.

 

Nach nicht mal zweitägigen Gesprächen schien der Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen dem UK und der EU erreicht. Doch in der vergangenen Woche kam es noch schlimmer. Denn inzwischen hat die EU ihren Preis für den Austritt Groß Britanniens aus dem Gemeinsamen Markt nach oben korrigiert: Statt 50 Milliarden ist die Freiheit Groß Britanniens jetzt anscheinend 100 Milliarden wert – so die neueste Lösegeldforderung von „Europa unter deutscher Führung“.

 

Überreicht wurde diese Rechnung von Martin Selmayr und – wie sollte es anders sein – von Jean-Claude Juncker. Seitens der EU kann zwar niemand zuverlässig sagen, wie dieser Betrag zustande kommt, welche Posten auf der Rechnung stehen und für welche Dienste diese Zahlung erbracht werden sollen. Aber immerhin ist schon jetzt klar, dass der Abschied des UK ein ziemliches Loch ins EU-Budget reißen wird, das zunächst weder durch höhere Beitragszahlungen der Nettozahler noch durch verstärkte Haushaltsdisziplin der von ihnen alimentierten Zahlungsempfänger ausgeglichen werden kann.

 

Denn das scheitert beides am erbitterten Widerstand der jeweils Betroffenen: Die von der EU erfolgreich kaputt regierten Pleitestaaten in Südeuropa weigern sich, auch nur einen Euro-Cent weniger dafür einzustreichen, dass sie sich von Brüssel überflüssig machen lassen. Und die noch nicht ganz vom Ein-Euro-Sozialismus ruinierten Länder des Nordens verbitten sich eine weitere Absenkung des Lebensstandards ihrer Bevölkerung derzeit zumindest noch pro forma.

 

Selbstverständlich ignoriert Martin Schulz von der deutschen Sozialkleptokratie diese Misere nach Leibeskräften. Als Junckers Mann in Berlin weiß er ja nur zu genau, worum es geht. Denn in seiner Funktion als Vorsitzender des EU-„Parlaments“ hat er viele jahrelang über die Dauerkrise der EU präsidiert. Schon wieder ein Sozialdemokrat, der hinterher von nichts gewusst haben will?

 

Währenddessen geht die EU-Katastrophe in ihr zweites Jahrzehnt. Noch immer sind Millionen Menschen in den Pleiteländern arbeitslos, während die Jugendarbeitslosigkeit zwischen 25% (Spanien) und 50% (Griechenland) beträgt. Nach der ersten verlorenen Generation opfert man nun die zweite auf dem Altar der ach so hehren, europäischen „Ideale“, während die „Wachstumsimpulse“ der EU eigentlich nur auf den Girokonten von Eurokraten wie Guy Verhoftsadt stattfinden.

 

Doch wiederum zurück zum Thema. Auch nach der Intervention der Herren Juncker und Selmayr war der Nadir in den EU-UK-Beziehungen noch nicht durchschritten. Denn bei einem Auftritt in Italien ließ sich Chef-Eurokrat Juncker dafür beklatschen, dass er die englische Sprache als „in Zukunft überflüssig“ betrachtet und auf Französisch sprach. Ich persönlich kann Luxemburger nicht mal verstehen, wenn sie deutsch sprechen.

Doch Spaß beiseite: In welchem Idiom die EU-Nation in Zukunft ihre politischen Selbstgespräche führen möchte, ist wirklich ein ernstes, praktisches Problem. Ich glaube nicht, dass die Regierung in Berlin Deutsch als Amtssprache durchsetzen möchte. Sonst wird es vielleicht doch etwas zu offensichtlich, um was es sich bei der EU im Grunde handelt.

 

Aber mir scheint bereits jetzt der Hinweis angebracht, dass das in der EU übliche Ein-Euro-Englisch in etwa so viel mit der Sprache Chaucers und Shakespeares zu tun hat wie ein Smoothie mit gesunder Ernährung. Kein Wunder, dass die mentalen Kapazitäten der Brüsseler Beamtendiktatur so beschränkt sind. Denn wie wusste schon Wittgenstein so richtig? Die Grenzen der Sprache sind die Grenzen meiner Welt.

 

Die EU ist auf dem besten Weg, sich selbst zu einer Parallelwelt zu entwickeln. Sie produziert schon lange ihren eigenen Ereignishorizont. Ganz so, als wäre sie ein Schwarzes Loch: ein kollabierter Stern. So, wie es unmöglich ist, einem Schwarzen Loch zu entkommen, wird es für die EU zunehmend unmöglich, ihrem Schicksal zu entrinnen: Das eines international isolierten, historisch überholten, geopolitisch bedeutungslosen „Gemeinsamen Markts“, der in seiner selbstverschuldeten wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit versinkt. Bereits jetzt finden 85% des weltweiten Wirtschaftslebens außerhalb der EU statt.

 

Und dann hatte auch noch Angie eine tolle Idee: Wie wäre es denn, den Briten für den Zugang zum Gemeinsamen Markt in Zukunft genau den Betrag zu berechnen, den sie netto bei der EU abliefern müssten, wenn sie noch Mitglieder wären? Dann wäre doch alles gut, oder? So denkt man sich das als deutsche Bundeskanzlerin.

 

Wofür beim Merkel-Regime das kleine Einmaleins nicht reicht: Das Vereinigte Königreich hat eine passive Außenhandelsbilanz mit der EU. Und für Krisen-Angie jetzt mal zum Mitschreiben, was das bedeutet: Das UK importiert mehr aus der EU, als umgekehrt. Wenn in Ermangelung einer einvernehmlichen Regelung Zölle und Abgaben auf EU-Exporte nach Groß Britannien erhoben werden, verdient das Vereinigte Königreich daran mehr, als die EU. Nach gegenwärtigem Stand der Handelsbilanz zwischen fünf und sechs Milliarden mehr. Kapiert, Angie?

 

Vor diesem Hintergrund bedarf es kaum der ebenfalls unter deutscher Führung angestoßenen Abschottung der EU vom weltweiten Zahlungsverkehr. Denn um das Maß voll zu machen, hat irgendeine EZB-Bürokratin bereits befunden, dass Finanzdienstleistungen in Zukunft nur über vollumfänglich auf dem Kontinent ansässige Geldinstitute abgewickelt werden dürfen.

 

Das erinnert an die gescheiterten Bemühungen des Mercosur, zusammen mit Venezuela eine Investmentbank zu gründen und könnte für die EU zu ähnlichen Ergebnissen führen. Für die City of London wäre das Handelsverbot in der EU zu verschmerzen, denn im nächsten Jahrzehnt wird der Anteil der EU am Welthandel auf unter 10% sinken. Das heißt: Über 90% des Geldes werden woanders gemacht. Tschüs Brüssel, Paris, Frankfurt/Main, Mailand…

 

Und es wird den Eurokraten auch noch so vorkommen, als hätten sie ein gutes Werk vollbracht, wenn der Rest der Menschheit sich eines Tages wundert, wie es nur sein kann, dass sich ein halber Kontinent so leicht ruinieren ließ. Alles nur, um jene gesellschaftlichen Bedingungen herzustellen, unter denen Sozialismus „endlich“ funktioniert – als „sozial gerecht“ geteiltes Elend. Nicht wahr, Martin „Goldkettchen“ Schulz (SPD)?


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Sonntag, 07 Mai 2017