In Europa bekommt `Islamophobie´ die Schlagzeilen - obwohl sie antisemitischer Gewalt hinterherhinkt

In Europa bekommt `Islamophobie´ die Schlagzeilen - obwohl sie antisemitischer Gewalt hinterherhinkt


Als Donald Trump früher diesen Monat Jerusalem offiziell als Hauptstadt Israels anerkannte, warnten viele vor Auswirkungen und Angriffen auf Juden. Und innerhalb von Tagen schlug ein muslimischer Mann mit einer Palästinenserflagge die Fenster eines koscheren Restaurants in Amsterdam ein. Bald danach warfen Muslime in Malmö (Schweden) drei Molotowcocktails auf einen jüdischen Friedhof und skandierten: `Wir werden die Juden erschießen.´

von Abigail R. Esman, The Algemeiner

 

In den folgenden Tagen verbrannten andere in Stockholm israelische und amerikanische Flaggen und eine Gruppe schleuderte währen deiner Party für jüdische Teenager in Göteborg Brandbomben in eine Synagoge. „Wegen Trump“, erklärte eine Schlagzeile von Newsweek, „verbrennen Menschen israelische Flaggen und greifen Juden an.“ Aber ist es wirklich „wegen Trump“ und der Entscheidung zu Jerusalem?

 

Eher nicht.

 

Historisch haben kontroverse umstrittene Entwicklungen in Israel und der Westbank zu antiisraelischen Protesten in Europas muslimischen Gemeinschaften geführt  und – nicht unregelmäßig – zu Gewalt gegen Juden. Das kann kaum überraschen, besonders angesichts des Ergebnisses einer Studie der Universität Oslo vom Juni, die zu dem Schluss kam, dass in Europa Antisemitismus bei europäischen Muslimen am stärksten vorhanden ist.

 

Darüber hinaus ist, dass, während viele Medien sich in den letzten Jahren auf gegen Muslime gerichtete Gewalt und sogenannte „Islamophobie“ konzentrieren, wenig Aufmerksamkeit den Angriffen auf Juden gewidmet wurde, die besonders zahlreich und merklich gewalttätiger gewesen sind. Und die Lage wird nur immer schlechter.

 

In den Vereinigten Staaten nahmen zum Beispiel die antisemitischen Vorfälle im ersten Quartal des Jahres 2017 im Vergleich zum selben Zeitraum 2016 um 86 Prozent zu; in Großbritannien erlebte das Jahr 2016 eine Rekordzahl an Vorfällen, 36 Prozent mehr als 2015; und aus Frankreich, wo – wie Newsweek berichtet – „Antisemitismus bei einigen Elementen der muslimischen Gemeinschaft tief verwurzelt ist“, sind seit 2006 infolge antisemitischer Drohungen und Gewalt 40.000 Juden geflohen. Zu diesen Gewalttaten gehören: der Terroranschlag 205 im Hyper-Cacher-Supermarkt und die grauenhafte Entführung und Folterung des 23-jähirgen Ilan Halimi im Jahr 2006.

 

Erst im September nahmen drei muslimische Angreifer eine jüdische Familie in ihrer Wohnung außerhalb von Paris  als Geiseln. „Ihr seit Juden“, sagten sie ihren Gefangenen, zu denen ein 78 Jahre alter Mann und seine Frau gehörten. „Ihr habt Geld.“ Nachdem sie den alten Mann wiederholt schlugen, flohen die Angreifer mit Schmuck, Kreditkarten und Bargeld aus dem Haus.

 

Das soll nicht die sehr realen Angriffe auf Muslime in den USA und Europa in den letzten Jahren bagatellisieren.

Im Vereinten Königreich zählten Beamte zum Beispiel 224 Angriffe auf Muslime im Monat nach dem Terroranschlag in Manchester und eine 40-prozentige Zunahme an antimuslimischen Verbrechen nach dem Anschlag auf  der London Bridge. Und in Deutschland, das einige der schlimmsten erlebt hat, wurden allein im zweiten Quartal diesen Jahres 192 Vorfälle amgezeigt, während es 2016 nach Angaben des deutschen Innenministeriums mehr als 3.500 Vorfälle gegen Muslime in Asylantenheimen gab. Im Gegensatz dazu wurden 2083 Verbrechen gegen deutsche Juden angezeigt.

Aber es gibt beträchtliche Unterschiede zwischen den Angriffen auf Juden und denen auf Muslime, deren eklatanteste davon ist die große Bandbreite ihrer Angreifer.

 

Während weiße Rassisten Angriffe auf Muslime begehen, sehen sich Juden Gewalt sowohl von weißen Rassisten als auch muslimischen Gruppen ausgesetzt. Daher überrascht es nicht, dass nach Angaben von Zahlen des FBI Juden die meisten Hassverbrechen aller Religonsgsruppen in den Vereinigten Staaten erleben – ein Trend der sich in Kanada, Frankreich, Australien und andernorts wiederholt. Und in Schweden, vermerkt ein Op-Ed der New York Times, wurde Antisemitismus historisch Rechtsextremen angelastet, aber eine Studie stellte 2013 fest, dass „51 Prozent der antisemitischen Vorfälle in Schweden auf muslimische Extremisten zurückzuführen waren. Nur 5 Prozent wurden von Rechtsextremen begangen; 25 Prozent wurden von Linksextremisten begangen.“ Das würden Sie aber nicht unbedingt aus dem Lesen der Schlagzeilen erfahren.

 

Nach der Veröffentlichung des FBI-Berichts 2016 verkündete zum Beispiel Vox: „Ein neuer Bericht des FBI sagte, dass Hassverbrechen – besonders gegen Muslime – 2016 zunahmen; derweil erklärte CNN: „Hassverbrechen stiegen 2016 an, besonders gegen Muslime und Weiße.“ Und ein Bericht des Guardian zu Hassverbrechen in Großbritannien betonte Angriffe auf Muslime, erwähnte jedoch die Hassverbrechen gegen Britanniens Juden gar nicht.

 

Die Natur dieser Verbrechen ist ebenfalls übersehen worden: Obwohl es keine offizielle, spezifische Analyse der Daten gibt, tendieren antijüdische Vorfälle weltweit dazu gewalttätiger zu sein als die gegen Muslime. Während in Großbritannien nach den Anschlägen von Manchester und an der London Bridge mit Brandsätzen beworfen wurden, hat es zum Beispiel keine Berichte über Geiselnahmen oder Morde (wie den Angriff auf vier Juden am jüdischen Museum in Brüssel 2014 oder dass im April Sarah Halimi zu Tode geprügelt wurde) gegeben.

 

Im September schlug Kolumnist Brendan O’Neill im Spectator einen möglichen Grund dafür vor: „Von Karen Amstrongs Beharren darauf, dass der Anschlag auf das Lebensmittelgeschäft in Paris ‚nichts mit Antisemitismus zu tun hatte‘ und es dabei eher ‚um Palästina‘ ging, bis zur Behauptung verschiedener Kommentatoren, dass Antisemitismus Europa das unvermeidbare Nebenprodukt von Israels Eskapaden im Nahen Osten‘ ist, betrachten viele sehr respektable Leute heute Anschläge auf Juden fast als Form des Protests, als politisch statt von Hass erfüllt.“

 

Das könnte durchaus stimmen. Oder es könnte sein, dass die Öffentlichkeit – und die Schlagzeilenverfasser – nach einer langen Geschichte des Antisemitismus antijüdischen Hass nicht mehr als ganz so nachrichtenwürdig, dramatisch oder wichtig ansehen. Oder vielleicht ist es eine Kombination aus allem.

 

Gleichzeitig unternehmen die Medien, während Israel (oder gerade Trumps Entscheidung zu Israel) regelmäßig vorgeworfen wird Anschläge gegen die Juden der Welt zu inspirieren, selten, wenn überhaupt etwas, um auf die Auslöser für Anschläge westlicher Muslime hinzuweisen: Die oft von anderen westlichen Muslimen begangenen Terroranschläge, die ihnen vorausgehen. Stattdessen lassen Berichte zu diesen Hassverbrechen regelmäßig durchblicken, dass Angriffe auf Muslime die Schuld er Angreifer und ihres Hasses sind; gleichzeitig legen sie aber nahe, dass die Misshandlung von Juden die Schuld der Israelis und der Juden der Welt ist.

 

Solche Schilderungen sind nicht nur scheinheilig: Sie lassen den Antisemitismus, den sie angeblich offenlegen – und den Hass, den sie vorgeblich verurteilen – fortbestehen, eskalieren ihn sogar. Eine Studie aus Oslo aus dem Jahr 2015 gibt an, dass daher „rund 10.000 Juden Westeuropa in Richtung Israel verließen, die größte  Zahl, die das seit 1948 getan hat.“ Und immer noch geht die Gewalt weiter.

 

 

Übersetzt von Heplev


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Freitag, 29 Dezember 2017