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Neue Flüchtlingswelle als Erdogans letzte Karte

Neue Flüchtlingswelle als Erdogans letzte Karte


Erdogan hat sich in Syrien mächtig verzockt. Die USA lassen die Kurden als ihre einzigen verlässlichen Partner im Kampf gegen den IS doch nicht so einfach fallen, und als Erdogan in Moskau um die Schonung seiner Dschihadisten in Idlib ersuchte, bekam er für seine diplomatischen Bemühungen von Putin nicht mehr als ein Eis spendiert.

Von Aron Sperber

Was hingegen immer funktioniert hat, ist die Erpressung der Europäer mit drohenden neuen Flüchtlingskrisen. So wundert es mich nicht, dass gestern  650 Migranten in 16 Booten – wohl kaum ohne Wohlwollen des türkischen Staats – von der Türkei nach Griechenland geschleust wurden.

Durch die Ingangsetzung der großen Flüchtlingswelle von 2015 konnte die Türkei (wie alle anderen Transitländer) sämtliche Migranten, die sich zuvor angesammelt hatten, mit einem Schlag loswerden. Für die Schleusertätigkeiten wurde die Türkei von Merkel im Rahmen eines Paktes (der von der Türkei nie eingehalten zu werden brauchte) mit der Türsteherrolle beauftragt und für die Versorgung von Millionen Flüchtlingen (die längst zu uns weitergereist waren) mit vielen Milliarden Euro von der EU zugeschüttet.

Solange die Balkanroute geschlossen blieb, brauchte die Türkei nichts zu tun, und kassierte einfach Milliarden. Irgendwann bestand natürlich die Gefahr, dass der türkische Schwindel auffliegen könnte, auch wenn sich die EU bislang mit anonymisierten, unbrauchbaren Daten abspeisen ließ.

Um wieder in eine Position der Stärke zu kommen, reicht jedoch das „Business as usual“ nicht aus und eine neue Flüchtlingskrise muss her. Je mehr Flüchtlinge es bis nach Germoney schaffen, desto wichtiger würde auch wieder Erdogan werden, der die Asylkrise nach Ansicht von Merkel & Co. als einziger wieder abstellen könnte.

Zu den eigenen syrischen und inländischen politischen Problemen, kommt hinzu, dass Österreich und Italien, zwei der wichtigsten Verhinderer einer neuen Flüchtlingskrise, gerade ohne richtige Regierung dastehen.

Gegen das Lager Moria auf Lesbos und die kroatische Grenzpolizei wird ohnehin permanent von den europäischen Asyl-Agenda-Medien agitiert. Und diese neuralgischen Punkte auf der Transit-Route sind wohl leicht zu überwinden, sobald auch Österreich und Italien auslassen. Merkel ist ja sowieso die Alte.

Diese Faktoren tragen zusammen dazu bei, dass der bankrotte Spieler Erdogan noch einmal alles auf eine getürkte Karte setzt. Indem er das Lager von Lesbos überfüllt, erhöht er die Gefahr, dass die Griechen die Migranten ans Festland lassen. Vom Festland sind sie rasch in Bosnien. Lassen die Österreicher die Migranten durch, würde auch Kroatien, deren Polizisten seit Jahren für ihren Grenzschutz medial geprügelt werden, alle einfach durchwinken.

Ist dieser Mechanismus erst einmal wieder in Gang gesetzt, kann Erdogan von Merkel wieder alles haben.

 

Erstveröffentlicht auf dem Blog von Aron Sperber - Zweitveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.


Autor: Aron Sperber
Bild Quelle:


Sonntag, 01 September 2019