Eine Feministin und der Iran

Eine Feministin und der Iran


Am vergangenen Montag war der Internationale Frauentag, der Beginn des „Women’s History Month“. Und ich denke immer an den Iran, wenn dieser Tag ansteht.

Eine Feministin und der Iran

Von Phyllis Chesler

Der Iran und ich kennen uns schon lange, und meine Vergangenheit dort prägt meine Ansichten über das Land und den Umgang mit ihm heute.

Ich besuchte Teheran zum ersten Mal 1961 in Begleitung meines afghanischen Mannes und seiner Diplomatenfreunde. Ich war überrascht, wie elegant die Frauen in ihrer modischen europäischen Kleidung waren, zumindest in den Kreisen, in denen wir uns bewegten; der exquisite Geschmack von Rosen in einem cremigen, weißen, puddingartigen Pistazieneis (bevor es im Westen populär wurde); der erstaunliche Große Basar mit seinen Teehäusern, Moscheen, Schreinen – tausend visuelle Genüsse – gepaart mit den vermischten, uralten Gerüchen von Gewürzen, Fleisch, Obst, Parfüm und menschlichem Schweiß.

Mitte der 1970er Jahre machte mich meine Freundin, die feministische Autorin Kate Millett, mit Reza Baraheni bekannt, dem Gründer der Writers Association of Iran und dem Leiter der Students Against the Shah (CAIFI). Reza war ein linker Intellektueller, der sagte, er sei von der SAVAK (Geheimpolizei) des Schahs gefoltert und in Einzelhaft gehalten worden und dass der Iran dringend eine Revolution brauche. Wir waren zusammen, als New York einen Stromausfall erlebte. Plötzlich hatte Reza Angst, nicht wegen der Dunkelheit oder der Plünderungen oder wegen des langen Weges zu unseren Häusern, sondern weil er nicht in der Lage sein würde, seinen täglichen Anruf zu tätigen um seinen Kameraden zu versichern, dass er nicht entführt worden war.

„Du verstehst die muslimische Seele; es wird anders sein“

Als Khomeini Anfang 1979 an die Macht kam, kehrte Reza in den Iran zurück, weil er glaubte, dass Khomeini verstanden hatte (der Mullah hatte es tausendmal gesagt), dass der westliche Imperialismus/Kolonialismus das Böse schlechthin war. Reza glaubte, dass Khomeini Armut, Analphabetismus und den Kapitalismus bekämpfen und ein islamisches, kommunistisches Paradies schaffen würde. Reza lud Kate umgehend ein, am Internationalen Frauentag, am 8. März 1979, zu den iranischen Frauen zu sprechen. Freudig ging sie hin, nahm an dem Marsch teil, zeichnete ihn auf und interviewte Frauen. Kate schrieb anschließend das sehr gute Buch „Going to Iran“. Sie wurde auch verhaftet und, glücklicherweise, prompt deportiert.

Im nächsten Jahr war Reza immer noch im Iran und lud mich ein, am Internationalen Frauentag 1980 zu den iranischen Frauen zu sprechen. Er sagte: „Du verstehst die muslimische Seele; es wird anders sein.“ Ich lachte nur und wiederholte immer wieder, dass ich meine Lektion gelernt hatte, als ich als Braut in Afghanistan in nobler Parda (islamische Abschottung der Frau, Anm. d. Red.) gefangen gehalten wurde, und dass ich nicht in den Iran kommen würde, selbst wenn ich von jedem einzelnen amerikanischen Marine begleitet würde. „Nicht in diesem Leben, Reza. Du wirst sehen, du wirst bald selbst fliehen müssen.“

Und das tat er auch, aber erst in den 1990er Jahren. Seitdem lebt er im Exil in Kanada.

Laut einer iranischen Dissidentin, einer Frau, die dabei war und die es vorzieht, nicht genannt zu werden, war der Internationale Frauentag 1979 der „letzte Tag, an dem zehntausende iranische Frauen ohne Schleier in der Öffentlichkeit erschienen. Sie taten dies, weil sie ein Gerücht gehört hatten, dass der Schleier bald Pflicht werden würde. Khomeini hatte die Zusammenarbeit und die Bemühungen dieser Frauen genutzt, um die Revolution zu vollenden. Nach dem Sieg wandte Khomeini seine Aufmerksamkeit der Konsolidierung der Macht und der Einführung einer extremen Version der Scharia zu. An diesem Tag wurden diese tapferen Frauen von brutalen Komiteh-Mitgliedern, Milizen, die Khomeini unterstützen, geschlagen und schikaniert. Ihre Botschaft: ‚Verschleiert euch oder ihr werdet verprügelt – oder Schlimmeres.'“

Eine aufschlussreiche Rede

Mein kurzer, einwöchiger Besuch in Teheran fand nur zwei Jahre, bevor Khomeini am 3. Juni 1963 in der Fayziya Madrasa in Qom eine feurige und giftige Rede gegen Juden, Israel und den Schah hielt, statt. Als ich meinen Pudding genoss, hatte ich keine Ahnung, wie besessen Khomeini von einer islamisch-nazistisch-kommunistischen Version einer „gewaltigen jüdischen Weltverschwörung“ war.

Psychologisch und politisch, wie Ehrenmörder, glauben Dschihad-Terroristen immer, dass sie in Selbstverteidigung handeln. Khomeini eignete sich geschickt Merkmale des Marxismus an (Antiimperialismus, Antikolonialismus, die Befreiung einer unterdrückten Klasse), um linke Anhänger (wie meinen Freund Reza Baraheni) zu ködern und die Muslime sowohl ihnen selbst als auch den Westlern gegenüber als unterdrückte „Klasse“ zu proklamieren.

Ein anderer iranischer Dissident, mit dem ich kürzlich sprach und der es ebenfalls vorzieht, anonym zu bleiben, sagte mir, dass er „nicht glaubt, dass sich genug Leute des intensiven Judenhasses bewusst sind, der die Psyche des Ayatollah Khomeini und die seiner Mitrevolutionäre wie Ibrahim Yazdi, Mostafa Chamran und Sadegh Ghotbzadeh durchdrang. Kritiker der Islamischen Republik verharmlosen die zentrale Bedeutung der antijüdischen Ideologie und Verschwörungen dieser Rede.“

Gerade jetzt, wo Präsident Biden und sein Team aus der Obama-Ära hoffen, die Verhandlungen mit dem Iran wieder aufzunehmen, setzt der Iran sein geheimes Programm zur Anreicherung von Uran und zum Testen ballistischer Raketen fort, ebenso seine lange Tradition der Finanzierung und Durchführung von Terroranschlägen auf der ganzen Welt und gegen Juden und Israel. Er setzt auch die Verfolgung von Frauen, Oppositionellen und Homosexuellen fort und begeht unzählige Menschenrechtsverletzungen an iranischen Bürgern.

Israel als unerbittlicher Aggressor

Wer kann die Bombenangriffe auf zwei jüdische Stätten in Argentinien durch den Iran vergessen, bei denen zahlreiche Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden – und die ungestraft blieben?

Ist ein solches Verhalten schierer Wahnsinn, dämonische Beharrlichkeit – oder ist es angewandter Islam, schiitischer Stil? Wenn ja, könnte es wichtig sein, sich Khomeinis Rede von 1963 noch einmal vor Augen zu führen, die er in Qom an Aschura hielt, dem Feiertag, der an den Tag erinnert, an dem Husayn Ibn Ali, Mohammeds Enkel, in der Schlacht von Karbala den Märtyrertod erlitt. Khomeini hielt eine Rede, eigentlich eine Predigt, die er betitelte: „Der Schah und Israel; die Wurzel des Leidens der Menschen im Iran.“

„Israel möchte nicht, dass es in diesem Land gelehrte Männer gibt“, sagte er. „Israel möchte nicht, dass der Koran in diesem Land existiert. Israel möchte nicht, dass die ‚ulama in diesem Land existieren. Israel möchte nicht, dass es in diesem Land islamische Gebote gibt. Es war Israel, das die Madrasa durch seine finsteren Agenten angegriffen hat. Es greift auch uns und euch, die Nation, an; es will sich eurer Wirtschaft bemächtigen, euren Handel und eure Landwirtschaft zerstören und sich euren Reichtum aneignen und dieses Land mittellos zurücklassen.“

Khomeini betrachtete Israel als unerbittlichen Aggressor. Khomeini verurteilte die Doktrin des Schahs der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Khomeini fragte sich, was die „wirkliche Beziehung zwischen dem Schah und Israel“ sein kann. „Kann es sein, dass der Schah ein Israeli ist? Hält ihn der (israelische) Geheimdienst für einen Juden?“ Khomeini wies den Schah darauf hin, dass er „unter ständiger (israelischer) Überwachung“ stehe und dass Khomeinis Worte den Schah nicht erreichen könnten.

Eine unnachgiebige Vision

Paranoia und Größenwahn reichen nicht aus, um den Geist dieses Klerikers zu beschreiben – und doch setzte er sich durch und kehrte 16 Jahre später im Triumph aus seinem Exil in Frankreich zurück.

Der verstorbene, großartige Robert Wistrich schrieb, dass Khomeini Mitte der 1970er Jahre seine Feindesliste um die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Russland erweitert hatte. Er schreibt:

„Nach der iranischen Revolution von 1979 gewannen die koranischen Motive stark an Bedeutung, zusammen mit einem virulenten Antiamerikanismus. In der islamischen Dämonologie sind sowohl Amerika als auch Israel als ‚satanische Kräfte‘ fest miteinander verbunden, die die Kernidentität, die Werte und die Existenz des Islam bedrohen ... Uncle Sam hat sich mit Shylock zu einem furchterregenden Schreckgespenst der Globalisierung (‚Amerikanisierung‘) verbunden, das droht, die Welt des Islam zu überschwemmen.“

Ich schlage vor, dass all die wohlmeinenden Diplomaten, die aufrichtig nicht wollen, dass der Iran eine Atommacht wird, auch verstehen müssen, mit wem, mit welcher Art von Regime, sie es zu tun haben. Wie der unabhängige Nahost-Analyst Nevet Basker gesagt hat: „Ein umfassendes Problem sollte mit einer umfassenden Lösung angegangen werden, nicht mit einer stückweisen (zum Beispiel nur das nukleare Stück). Der Iran ist eine unmittelbare Bedrohung für seine Nachbarn und für den gesamten Nahen Osten.“

Ein sehr besorgniserregender Wendepunkt

Wir schreiben das Jahr 2021, nicht 2015. Die Dinge haben sich vor Ort geändert, z.B. haben die Abraham-Abkommen zum Frieden zwischen sunnitischen arabischen Ländern (Bahrain, Marokko, Sudan, VAE) und Israel geführt. Saudi-Arabien stand und steht möglicherweise immer noch kurz davor, diesen Abkommen beizutreten. Indonesien war möglicherweise auch im Spiel. Das ist historisch – aber es kann den Iran noch rücksichtsloser machen, da diese Abkommen als Akte der Aggression gegen den Iran gesehen werden.

Wir sind an einem sehr besorgniserregenden Wendepunkt. Wieder bedroht und behindert die Biden-Administration sowohl Israels und Saudi-Arabiens Fähigkeit, ihre Länder vor zügelloser iranischer Aggression zu verteidigen. Wenn solche „militärischen Aktionen“ durchgeführt werden, werden sie als „antiamerikanisch“ angesehen. Dies deutet stark darauf hin, dass die neue amerikanische Regierung von den Saudis und Israel erwartet, die iranische und palästinensische Aggression zu akzeptieren.

Die Vision des Irans bleibt die eines schiitischen Kalifats, das über so viel Land herrscht, wie es erobern kann. Dies ist in erster Linie ein religiöser Glaubenskrieg, nicht Teil eines rationalen politischen Plans. Stellen Sie sich das als eine theologische Sekte vor, der es religiös verboten ist, Kompromisse einzugehen, die aber bei Bedarf täuschen kann. Vielleicht wissen westliche Anti-Terrorismus-Experten das bereits, vielleicht auch nicht. Aber was ist mit Regierungsführern, die glauben, sie könnten den Iran beschwichtigen, bestechen, ihm vertrauen, ihm glauben, in sein Land investieren – mit ihm in gutem Glauben verhandeln?

Bitte erkennen Sie, mit wem Sie es zu tun haben und handeln Sie entsprechend.

 

Phyllis Chesler ist emeritierte Professorin für Psychologie und Frauenstudien an der City University of New York (CUNY) und Autorin von 20 Büchern, darunter Women and Madness und A Family Conspiracy: Honor Killings. Sie ist Senior IPT Fellow, und Fellow bei MEF und ISGAP. - Erstveröffentlicht bei der Achse des Guten


Autor: AchGut
Bild Quelle: Unbekannt Link">via Wikimedia Commons


Donnerstag, 18 März 2021

**********

Wir benötigen Ihre Spende
für den Betrieb von haOlam.de

für 2021 fallen kosten von 10.730€ an, davon haben wir bereits von Ihnen als Spende 32% erhalten.

32%

Stärken Sie eine Stimme der Wahrheit – Unterstützen Sie die Journalistische Arbeit von haOlam.de!

**********

Spenden an den gemeinnützigen Trägerverein von haOlam.de können von der Steuer abgesetzt werden.

Wir bedanken uns bei allen Spendern für die Unterstützung!

Spenden via PayPal

Für Fragen und Spendenquittungen: spenden@haolam.de