Janusz Korczak - der Held jüdischer Kinder

Janusz Korczak - der Held jüdischer Kinder


Am 7. August jährte sich zum 79ten Mal der Todestag des 1942 im Nazi-Vernichtungslager Treblinka ermordeten polnisch-jüdischen Kinderarztes, Pädogogen und Kinderbuchautors Henryk Goldszmit.

Janusz Korczak  - der Held jüdischer Kinder

Von Dr. Rafael Korenzecher

Goldszmit wurde 63 Jahre alt. Bekannt wurde er unter seinem Schriftsteller-Pseudonym Janusz Korczak vor allem durch seinen Einsatz für Kinder, insbesondere in dem von ihm schon vor Einmarsch der Nazis in Warschau gegründeten und geführten Waisenhaus ( Dom Sierot ). Nach 1939 musste das Waisenhaus in das von den deutschen Besatzern errichtete Warschauer Ghetto umziehen, wo Korczak nach Kräften versuchte das unbeschreibliche Elend und die unsäglichen Lebensbedingungen der Kinder so weit nur möglich zu lindern.
Im August 1942 wurden im Rahmen der Aktionen zur so genannten „Endlösung der Judenfrage“ die etwa 200 Kinder des Waisenhauses von der SS zur Deportation in das Vernichtungslager Treblinka abgeholt. Obwohl Korczak wusste, dass dies den Tod bedeutete, wollte er die Kinder nicht im Stich lassen und bestand ebenso wie seine Mitarbeiterin Stefania Wilczyńska darauf, mitzufahren. (Wikipedia)
Veranlasst durch einen kürzlichen Facebook-Beitrag von Gabriela Schlesiger gebe ich hier zu dem herzerschütternden Geschehen einen Auszug aus den Memoiren des polnisch-jüdischen Shoah-Überlebenden, Komponisten und Pianisten Władysław Szpilman wieder.
Szpilmans Überlebensschilderungen wurde vor allem durch den mit mehreren Oscars prämierten Film "Der Pianist – mein wunderbares Überleben (Originaltitel: Śmierć miasta)" bekannt, in dem Szpilman durch den Oscar-Preisträger Adrien Brody dargestellt wurde.
Szpilman wurde u.a. auch Augenzeuge des schrecklichen Abtransports der Kinder in den sicheren Tod und schildert die kaum zu ertragende Szene in seinen Memoiren:
„Eines Tages, um den 5. August wurde ich zufällig Zeuge des Abmarsches von Janusz Korczak und seinen Waisen aus dem Ghetto. Für jenen Morgen war die ‚Evakuierung‘ des jüdischen Waisenhauses, dessen Leiter Janusz Korczak war, befohlen worden.
Er selbst hatte die Möglichkeit, sich zu retten, und nur mit Mühe brachte er die Deutschen dazu, daß sie ihm erlaubten, die Kinder zu begleiten.
Lange Jahre seines Lebens hatte er mit Kindern verbracht und auch jetzt, auf dem letzten Weg, wollte er sie nicht allein lassen. Er wollte es ihnen leichter machen. Sie würden aufs Land fahren, ein Grund zur Freude, erklärte er den Waisenkindern. Endlich könnten sie die abscheulichen, stickigen Mauern gegen Wiesen eintauschen, auf denen Blumen wüchsen, gegen Bäche, in denen man würde baden können, gegen Wälder, wo es so viele Beeren und Pilze gäbe.
Er ordnete an, sich festtäglich zu kleiden und so hübsch herausgeputzt, in fröhlicher Stimmung, traten sie paarweise auf dem Hof an.
Die kleine Kolonne führte ein SS-Mann an, der als Deutscher Kinder liebte, selbst solche, die er in Kürze ins Jenseits befördern würde. Besonders gefiel ihm ein zwölfjähriger Junge, ein Geiger, der sein Instrument unter dem Arm trug. Er befahl ihm, an die Spitze des Kinderzuges vorzutreten und zu spielen – und so setzen sie sich in Bewegung.
Als ich ihnen an der Gęsia-Straße begegnete, sangen die Kinder, strahlend, im Chor, der kleine Musikant spielte ihnen auf und Korczak trug zwei der Kleinsten, die ebenfalls lächelten, auf dem Arm und erzählte ihnen etwas Lustiges.
Bestimmt hat der ‚Alte Doktor‘ noch in der Gaskammer, als das Zyklon schon die kindlichen Kehlen würgte und in den Herzen der Waisen Angst an die Stelle von Freude und Hoffnung trat, mit letzter Anstrengung geflüstert: ‚Nichts, das ist nichts, Kinder‘ um wenigstens seinen kleinen Zöglingen den Schrecken des Übergangs vom Leben in den Tod zu ersparen.“ ( Wikipedia)
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Allen gestrigen und heutigen Judenhassern und allen Leugnern, Rechtfertigern und Relativierern des entsetzlichen Mordens der Shoah zum Trotz:
Nie werden wir die unschuldigen, von deutschen Mördern noch lange vor dem eigentlichen Beginn ihrer Leben bestialisch gemeuchelten kleinen Menschlein vergessen -- und ebenso wenig
ihre heldenhaften Retter, die mit ihrem Opfermut bewiesen haben, dass man auch in einer entmenschten Zeit Mensch bleiben kann.
Nie werden wir den Mördern der jüdischen Kinder, Frauen und Männern und ihren gestrigen und heutigen tatsächlichen und geistigen Helfershelfern verzeihen.
Kein ermordetes jüdisches Kind, keine ermordete jüdische Frau und kein ermordeter jüdischer Mann wird jemals vergessen. Ihre Erinnerung möge ein ewiger Segen sein.
Niemals, niemals werden wir schweigend hinnehmen, dass heute, nur 79 Jahre nach dem Todesmarsch der erbarmungslos gemordeten Korczak-Kinder, unsere entseelte, vermeintliche Bessermensch-Politik zwar keinen Anlass auslässt, Gedenken an gute, weil tote Juden zu heucheln aber durch den täglich gerechtfertigten und begünstigten massiven Import neuen gewalttätigen Judenhasses offensichtlich billigend und ahndungsfrei in Kauf nimmt, dass es schon wieder No-Go-Areas für Juden in unseren Städten gibt und ein gröhlender zumeist migrantischer Mob schon wieder Polizei-begleitet und ungestraft "Tod den Juden" und "Juden ins Gas" auf unseren Straßen skandieren darf.
Gleichgültig wie weit das schändliche Versagen und die geschichtsvergessene und unerträgliche Anbiederung unserer Politik und ihrer Anhänger an die hier von ihr und ihren gleichgesinnten Medien gut vernehmbar willkommen geheißenen Träger des neuimportierten gewalttätigen Judenhasses gehen mag:
Niemals, niemals mehr werden wir es hinnehmen, dass wir und nur wir als Juden in diesem Lande schon wieder unsere Identitätsmerkmale ablegen sollen und müssen, um demütigendes und entwürdigendens Überlebens- oder zumindest Unversehrtheits-Mimikry zu betreiben.
Und niemals, niemals werden wir hinnehmen, dass jüdische Kinder an häufig Ill-slam-dominierten deutschen Schulen vor den verschlossenen und untätigen Augen der Lehrerschaft, der Schulbehörde, der Elternvertretungen und unserer einseitig erblindeten Illsam-Anbiederungspolitik nur noch mit Angst am Unterricht teilnehmen, weil sie von Mitschülern mit häufig muslimischem Background ahndungsfrei gemobbt, beschimpft oder sogar geschlagen werden.
Das verbietet uns neben unserer Selbstachtung für alle Zukunft auch das ehrenvolle Gedenken an die geschundenen und gemordeten jüdischen Waisenkinder und alle anderen jüdischen Opfer.
 
 

Dr. Rafael Korenzecher ist Herausgeber der Jüdischen Rundschau und stellvertr. Vors. des Koordinierungsrates deutscher Nicht-Regierungsorganisationen gegen Antisemitismus


Autor: Dr. Rafael Korenzecher
Bild Quelle: Jolanta Dyr, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons


Montag, 09 August 2021

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