Urlaubsinsel oder Hasskulisse? Wie Griechenland zum neuen Schauplatz israelfeindlicher Aggression wird

Urlaubsinsel oder Hasskulisse? Wie Griechenland zum neuen Schauplatz israelfeindlicher Aggression wird


In Griechenland landen israelische Touristen nicht mehr nur am Strand, sondern zunehmend ins Visier radikaler Gruppen. Zwischen pro-palästinensischen Blockaden, tätlichen Angriffen auf Jugendliche und willfähriger Lokalpolitik rückt eine unbequeme Wahrheit in den Fokus: Antisemitismus wird längst im Namen vermeintlicher Solidarität salonfähig gemacht.

Urlaubsinsel oder Hasskulisse? Wie Griechenland zum neuen Schauplatz israelfeindlicher Aggression wird

Was als Sommerreise begann, endete für viele Israelis in Griechenland als Konfrontation. Auf Rhodos, auf Syros, in Athen – mit Bannern, Parolen und Gewalt werden jüdische Reisende von europäischen Straßen gedrängt. Eine Woche nach dem aufsehenerregenden Vorfall auf Syros, bei dem eine israelische Kreuzfahrt mit 1.600 Passagieren ihre Route abbrechen musste, hat sich das Bild weiter verdichtet: Griechenland hat ein wachsendes Problem mit Antisemitismus – maskiert als Protest.

Am vergangenen Montag landete das israelische Kreuzfahrtschiff Crown Iris in Rhodos. Dieses Mal konnte es anlegen – allerdings unter massivem Polizeischutz. Vor dem Hafen: Demonstranten mit palästinensischen Flaggen, darunter auch ein Lokalpolitiker der extrem linken Partei Plefsi Eleftherias, der festgenommen wurde. Insgesamt 13 Personen wurden verhaftet, nachdem sie laut Polizei versuchten, den Zugang der israelischen Urlauber zur Stadt zu blockieren. Eine der Organisatorinnen beschwerte sich nachher: „Die Bereitschaftspolizei hat uns weggedrängt. Wir mussten uns durch die Altstadt schlagen.“

Das Bild, das entsteht, ist mehr als eine Randnotiz touristischer Unannehmlichkeiten. Es ist das sichtbare Symptom eines Europas, das seine rote Linie längst überschritten hat.

Angriff auf Jugendliche – und auf die Freiheit

Besonders schockierend ist ein Vorfall, der sich beinahe unbeachtet in Rhodos ereignete: Mehrere israelische Jugendliche im Alter von 17 bis 18 Jahren berichteten, sie seien nachts vor einem Club von einer Gruppe anti-israelischer Randalierer angegriffen worden. Nach ersten Provokationen durch Rufe und Gesten entschieden sich die Jugendlichen, die Konfrontation zu meiden und den Club zu verlassen – doch sie wurden verfolgt. Ein Zeuge sprach gegenüber dem israelischen Fernsehen von „Dutzenden, die uns gejagt haben“. Es war keine spontane Protestaktion. Es war eine organisierte Jagd.

Wie konnte es so weit kommen?

Der wirtschaftliche Widerspruch

Die Absurdität ist kaum zu übersehen: Während Demonstranten israelische Touristen blockieren, versuchen lokale Geschäftsleute, sie mit traditionellen Snacks zu begrüßen. Die Inseln sind auf israelische Touristen angewiesen – allein 2024 kamen über 620.000 Israelis nach Griechenland. Hotels, Restaurants, Mietwagenfirmen – sie leben von diesem Strom. Die Industrievertreter auf Rhodos positionierten sich daher bewusst pro-israelisch, waren zum Teil persönlich im Hafen, um ein Zeichen zu setzen. Doch ihre Haltung steht auf tönernen Füßen. Denn der eigentliche Bruch liegt tiefer: Zwischen wirtschaftlichem Interesse und politischem Opportunismus hat sich ein Raum geöffnet, in dem der Hass blüht.

Die Proteste, die angeblich gegen einen Krieg gerichtet sind, treffen Menschen, die mit diesem Krieg nichts zu tun haben – außer, dass sie Israelis sind.

Hamas-Propaganda im Touristenmodus

Besonders zynisch: In sozialen Medien werden diese Proteste als Erfolge gefeiert – nicht nur von europäischen Aktivisten, sondern auch direkt von der Hamas. Die Blockade der Crown Iris auf Syros wurde auf Telegram-Kanälen der Terrororganisation verbreitet und als „Sieg des Widerstands“ deklariert. Wer glaubt, es gehe hier noch um Menschenrechte oder Gerechtigkeit, hat sich getäuscht. Es geht um Einschüchterung. Um Deutungshoheit. Um das gezielte Herausdrängen jüdischer Präsenz aus Europa.

Die schleichende Normalisierung der Judenfeindlichkeit

Athens Straßen sind bunt. Sie sind voll. Und sie sind zunehmend gefährlich für Israelis. Seit dem Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023 mehren sich Übergriffe, tätliche Angriffe, antisemitische Graffiti. Wo früher Solidaritätsaktionen mit Israel stattfanden, wehen heute Flaggen einer Terrorgruppe, die ganze Familien ausgelöscht hat. Die griechische Regierung schweigt – oder spricht in Allgemeinplätzen.

Gideon Sa’ar, Israels Außenminister, intervenierte vergangene Woche direkt bei seinem griechischen Amtskollegen – mit Erfolg. Das Kreuzfahrtschiff wurde umgeleitet. Doch es kann nicht die Lösung sein, israelische Reisende ständig von einem Hafen zum nächsten zu verschieben.

Es braucht eine klare Haltung – und eine rote Linie

Wenn Europa zulässt, dass Menschen allein wegen ihrer Nationalität blockiert, bedroht oder angegriffen werden – dann hat es nicht nur ein Sicherheitsproblem. Dann steht es kurz davor, das moralische Fundament zu verlieren, auf dem es sich so gerne selbst verortet. Der Protest gegen Israel ist längst kein politisches Statement mehr. Er ist zur Bühne für gruppendynamischen Hass geworden – und zur Gefahr für jüdisches Leben.

Griechenland muss sich entscheiden: Zwischen Solidarität mit einer Terrorgruppe oder mit einer demokratischen Nation, die sich seit Monaten gegen einen existenziellen Feind verteidigt. Zwischen stiller Duldung oder aktiver Verantwortung. Es reicht nicht, Snacks am Hafen zu verteilen. Wer Antisemitismus zulässt – auch im Gewand des Protests –, macht sich mitschuldig.


Autor: Bernd Geiger
Bild Quelle: Screenshot X


Dienstag, 29 Juli 2025

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