Anerkennung Palästinas, wachsende Kritik an Israel – und die Angst vor dem eigenen Antisemitismus

Anerkennung Palästinas, wachsende Kritik an Israel – und die Angst vor dem eigenen Antisemitismus


Frankreichs Botschafter in Israel versucht die dramatischen Schritte seines Landes zu rechtfertigen – von der Anerkennung Palästinas bis zur wachsenden Judenfeindlichkeit in Paris. Doch seine Worte offenbaren weniger eine klare Strategie als ein tiefes politisches Dilemma.

Anerkennung Palästinas, wachsende Kritik an Israel – und die Angst vor dem eigenen Antisemitismus

Frankreich präsentiert sich als „Freund Israels“ und doch tritt es wie kaum ein anderes europäisches Land mit politischen Schritten auf, die Israel delegitimieren. Die Anerkennung eines palästinensischen Staates, die geplante Botschaft in den Palästinensergebieten, Blockaden bei Waffenmessen und diplomatische Offensiven bei den Vereinten Nationen – all das hat Jerusalem in den vergangenen Monaten ins Mark getroffen. Nun versucht Botschafter Frédéric Journès in einem Interview, die französische Politik zu erklären. Doch seine Worte zeigen weniger eine klare Linie als vielmehr ein Dilemma zwischen Druck der Straße, europäischer Symbolpolitik und dem Anspruch, weiter als Partner Israels wahrgenommen zu werden.

Frankreich steht heute an einem Punkt, an dem es sich stärker als je zuvor zwischen zwei Fronten positioniert: auf der einen Seite die jüdische Gemeinschaft, die unter massiven Anfeindungen leidet, auf der anderen Seite ein wachsender politischer und gesellschaftlicher Druck, „Palästina“ um jeden Preis anzuerkennen.

Zwischen Freundschaft und Verrat

Journès betont, Frankreich habe „niemals die Absicht gehabt, gegen Israel zu handeln“. Man betrachte Israel als „Freundin und Partnerin für Stabilität im Nahen Osten“. Doch zugleich rechtfertigt er die Anerkennung eines palästinensischen Staates – ausgerechnet inmitten des Gaza-Krieges, während Geiseln weiter in den Tunneln der Hamas festgehalten werden. Die Logik dahinter: ein diplomatischer Schritt im Rahmen einer „größeren Vision“, die Normalisierung mit Israel und eine „kleine palästinensische Staatlichkeit“ verbinden soll.

Für Israel klingt dies wie ein politisches Märchen: Hamas feiert die Entscheidung, während Paris beteuert, sich nicht von der Terrororganisation instrumentalisieren zu lassen. Netanyahu hingegen wirft Macron vor, mit seinen Schritten die Hamas zu bestärken und Antisemitismus in Europa zusätzlich anzuheizen.

Das Versprechen eines „kleinen Staates“

Bemerkenswert offen sagt der Botschafter, ein künftiger palästinensischer Staat werde „sehr klein“ sein. Mit dieser Formulierung versucht Paris, Ängste in Israel zu beruhigen. Doch was wie ein Zugeständnis klingt, ist in Wahrheit eine gefährliche Relativierung: Anerkennung ohne reale Sicherheitsgarantien bedeutet, dass die Palästinenserführung – egal in welcher Form – einen diplomatischen Sieg verbuchen kann, ohne Konzessionen zu machen.

Dass Frankreich seine Entscheidung nicht an die Freilassung der Geiseln knüpfte, sorgt in Israel für Empörung. Für viele klingt es tatsächlich wie eine Belohnung für Terror. Journès verteidigt den Schritt mit dem Argument, man könne „politische Entscheidungen nicht an Bedingungen von Terrororganisationen koppeln“. Ein Satz, der in Israel wie eine Kapitulation vor dem Zynismus der Hamas wirkt.

Antisemitismus in Frankreich – das ungelöste Trauma

Besonders eindringlich wurden Journès’ Worte, als er über die Situation der Juden in Frankreich sprach. Mit Tränen in den Augen räumt er ein, dass die Zahl antisemitischer Vorfälle seit dem 7. Oktober 2023 auf das Dreifache gestiegen sei. Juden leben in ständiger Angst, Synagogen und Schulen werden von 15.000 Polizisten geschützt – fast so vielen wie während der Olympischen Spiele in Paris.

Frankreich hat zwar Gesetze gegen Antisemitismus an Universitäten verschärft, doch das Grundproblem bleibt: Antizionismus und Israelhass sind längst Einfallstore für alte antisemitische Reflexe geworden. Wer in Frankreich heute „Palästina“ ruft, richtet seine Wut oft nicht nur gegen Israel, sondern gegen jüdisches Leben im eigenen Land.

Dass Macron dennoch die Anerkennung Palästinas vorantreibt, zeigt die Widersprüchlichkeit dieser Politik. Statt das Feuer einzudämmen, gießt er Öl hinein. Der Botschafter selbst spricht von einer „wiedergekehrten Bestie“, wenn er den Antisemitismus in Frankreich beschreibt. Doch er bleibt die Antwort schuldig, warum seine Regierung mit politischen Gesten genau jene Kräfte stärkt, die diese „Bestie“ füttern.

Zwischen Symbolik und Realität

Am Ende zeigt das Interview ein Frankreich, das zerrissen ist zwischen historischem Anspruch und politischer Schwäche. Es will Freund Israels bleiben, hofiert aber zugleich jene Kräfte, die Israel zerstören wollen. Es schützt jüdische Einrichtungen mit massivem Polizeieinsatz, treibt aber eine Politik voran, die Antisemiten bestärkt. Es verspricht Normalisierung im Nahen Osten, schafft aber neue Brüche.

Für Israel ist die Botschaft klar: Vertrauen in Frankreich ist kaum mehr möglich. Wer mitten im Krieg, während Geiseln leiden, die Terrororganisation Hamas politisch indirekt aufwertet, kann sich nicht als ehrlicher Vermittler darstellen. Die Worte des Botschafters wirken ehrlich, ja fast verzweifelt. Doch sie offenbaren vor allem, dass Frankreich seine moralische und strategische Orientierung verloren hat.


Autor: Redaktion
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Samstag, 30 August 2025

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