Ein Park, ein Name, ein Skandal: Wie Dublin zeigt, wie tief der institutionelle Antisemitismus in Irland reichtEin Park, ein Name, ein Skandal: Wie Dublin zeigt, wie tief der institutionelle Antisemitismus in Irland reicht
Die Hauptstadt Irlands löscht den Namen eines jüdisch-irischen Staatsmannes aus ihrem Stadtbild. Was als Verwaltungsakt verkauft wird, entlarvt eine Politik, die jüdische Geschichte aus dem öffentlichen Raum verdrängt und antiisraelische Kampagnen belohnt.
Als die Namenskommission der Stadt Dublin beschloss, den Namen von Chaim Herzog aus einem Park im Stadtteil Rathgar zu entfernen, wirkte das auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche kommunale Entscheidung. Doch schon die ersten Reaktionen aus der jüdischen Gemeinschaft und die Forderungen pro-palästinischer Aktivisten machten deutlich, dass hier etwas Grundsätzliches geschieht. Nicht ein Name steht zur Debatte – sondern die Frage, welchen Platz jüdische Geschichte in Irlands öffentlicher Erinnerung überhaupt noch haben darf.
Der Park wurde 2018 anlässlich des hundertsten Geburtstags von Chaim Herzog benannt, einem Sohn der Stadt, geboren in Belfast, aufgewachsen in Dublin, Sohn des irischen Oberrabbiners, später sechster Präsident Israels. Seine Biografie ist ein seltenes Beispiel irisch-jüdischer Verbundenheit, ein Kapitel der Geschichte, das Irland eigentlich mit Stolz tragen könnte. Heute dagegen wirkt es, als wolle die Stadt ihre eigene Vergangenheit abstreifen.
Die Entscheidung der Kommission fiel mit nur einer Gegenstimme. Noch bevor überhaupt ein neuer Name diskutiert wurde, machten pro-palästinische Aktivisten Druck und forderten offen, den Ort in „Free Palestine Park“ umzubenennen. Damit geht es längst nicht mehr um eine alternative Bezeichnung – sondern um den Austausch eines jüdischen Namens durch ein politisches Statement, das im aktuellen Klima eher als Kampfansage verstanden wird.
Dass Irlands politische Landschaft in den vergangenen Jahren stark nach links gerückt ist, ist unübersehbar. Seit dem 7. Oktober füllten teils aggressive Demonstrationen die Straßen, die Debatte radikalisierte sich, und ein öffentlicher Diskurs etablierte sich, der Israel konsequent dämonisiert. Mit der Wahl der extrem linken Catherine Connolly zur Präsidentin, die Israel als „Terrorstaat“ bezeichnete, erhielt diese Haltung sogar eine staatliche Stimme. Symbolisch wirkt der Schritt aus Dublin nun wie eine konsequente Fortsetzung dieses politischen Klimas.
Für die jüdische Gemeinschaft des Landes ist die Botschaft eindeutig. Die Entscheidung trifft nicht nur eine Persönlichkeit, sondern eine Verbindung zwischen Irland und jüdischer Geschichte. Der frühere Justizminister Alan Shatter spricht von einer durch Antisemitismus „verseuchten“ politischen Struktur. Die jüdisch-irische Aktivistin Rachel Moysel sieht in dem Beschluss „institutionellen Antisemitismus“, der sich nicht mehr hinter Euphemismen verstecken lasse. Diese Worte mögen hart klingen, doch sie sind Ausdruck echter Sorge: Die Entfernung eines jüdischen Namens ist für viele ein Symptom, nicht die Ursache.
Tatsächlich zeigt die Entwicklung ein beunruhigendes Muster. Wenn jüdische Erinnerung in Dublin nur noch dann geduldet wird, wenn sie unpolitisch und unsichtbar bleibt, wenn ein Park, der an einen irischen Juden erinnert, durch eine antiisraelische Losung ersetzt werden soll, dann entsteht eine Dynamik, die weit über Israelkritik hinausgeht. Hier werden Identität, Geschichte und Präsenz einer Minderheit zurückgedrängt – im Namen politischer Stimmungslagen. Genau das macht institutionellen Antisemitismus aus.
Gleichzeitig ist der Schritt kein isoliertes Ereignis. Irland positionierte sich schon lange als eines der feindseligsten Länder Europas gegenüber Israel. Diplomatische Beziehungen wurden eingefroren, die Botschaft in Dublin geschlossen, und die öffentliche Debatte kippte zunehmend in ein binäres Weltbild. Wer jüdische Namen aus Parks entfernt, baut keine Brücken. Er schlägt sie ein.
Die Entscheidung über die endgültige Umbenennung steht noch aus. Doch schon jetzt ist klar, wie dieser Vorgang in der jüdischen Gemeinschaft verstanden wird: nicht als technische Änderung, sondern als ein Eingriff in ihr kulturelles und historisches Fundament. Der Name Herzog war ein Stück gemeinsame Geschichte. Seine Entfernung ist ein politisches Signal – und es trifft genau dort, wo jüdisches Leben am verletzlichsten ist: in seiner Sichtbarkeit.
Irland muss sich entscheiden, welchen Weg es gehen will. Ob es jüdische Identität als Teil seiner Geschichte anerkennt oder ihr zunehmend den Platz im öffentlichen Raum verweigert. Die Entscheidung aus Dublin deutet auf die zweite Richtung hin. Und genau darin liegt die eigentliche Gefahr.
Autor: Redaktion
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Samstag, 29 November 2025