Polizei entschuldigt sich nach falscher Behauptung über jüdische Zustimmung zum FanverbotPolizei entschuldigt sich nach falscher Behauptung über jüdische Zustimmung zum Fanverbot
Eine offizielle Entschuldigung, ein beschädigtes Vertrauen und ein Bericht voller Fehler. Der Umgang der Polizei in Birmingham mit jüdischen Fußballfans wirft ernste Fragen zu Verantwortung, Vorurteilen und institutionellem Versagen auf.
Die West Midlands Police hat sich offiziell dafür entschuldigt, fälschlich behauptet zu haben, Vertreter der jüdischen Gemeinschaft hätten ein Fanverbot gegen Anhänger von Maccabi Tel Aviv unterstützt. Die Erklärung folgt auf Wochen massiver Kritik, parlamentarischer Nachfragen und wachsender Empörung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in Großbritannien.
Im Mittelpunkt steht das Champions League Spiel zwischen Maccabi Tel Aviv und Aston Villa am 6. November in Birmingham. Damals untersagte die Polizei israelischen Fans die Anreise zum Stadion. Begründet wurde dies mit Sicherheitsbedenken. Kurz darauf erklärten Polizeivertreter öffentlich, diese Entscheidung sei auch im Einklang mit den Wünschen jüdischer Repräsentanten erfolgt. Eine Behauptung, die sich nun als haltlos erwiesen hat.
Auslöser der formellen Entschuldigung war eine Anhörung des Innenausschusses des britischen Parlaments Anfang Dezember. Dort hatte ein stellvertretender Polizeichef auf Nachfrage bestätigt, es habe Rückmeldungen jüdischer Vertreter gegeben, die ein Fernbleiben der Fans befürwortet hätten. Diese Aussage war falsch. Dokumentierte Hinweise oder entsprechende Gespräche existierten nicht.
Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde von Birmingham und den West Midlands erklärte, sie sei über diese Darstellung entsetzt gewesen. Für viele Gemeindemitglieder bedeutete sie nicht nur eine sachliche Unwahrheit, sondern eine Instrumentalisierung jüdischer Stimmen zur Rechtfertigung eines politisch heiklen Eingriffs. Der Eindruck entstand, als habe man die Verantwortung bewusst auf eine Minderheit abgewälzt.
In einem Schreiben an den parlamentarischen Ausschuss räumte der Polizeichef ein, dass es keinerlei belegte Unterstützung aus jüdischen Kreisen für das Fanverbot gegeben habe. Er entschuldigte sich sowohl im eigenen Namen als auch im Namen des beteiligten Polizeiführers. Gleichzeitig betonte er, es habe keine Absicht bestanden, das Parlament oder die Öffentlichkeit zu täuschen. Die persönliche Entschuldigung gegenüber der jüdischen Gemeinde wurde angenommen, der Schaden jedoch bleibt.
Besonders brisant ist, dass die umstrittene Entscheidung auf einem internen Lagebericht beruhte, der nachweislich grobe Fehler enthielt. So wurde darin behauptet, Maccabi Tel Aviv habe zuvor ein Spiel gegen West Ham in Großbritannien bestritten. Ein solches Spiel hat nie stattgefunden. Diese Falschangabe wird in der Entschuldigung nicht erklärt oder korrigiert, obwohl sie zentral für die Gefahreneinschätzung war.
Die Affäre hat inzwischen eine neue Eskalationsstufe erreicht. Mehrere ranghohe Polizeibeamte wurden erneut vor das Parlament geladen. Eine solche erneute Vorladung gilt als ungewöhnlich und deutet auf erheblichen Aufklärungsbedarf hin. Gleichzeitig steht eine Untersuchung durch eine unabhängige Kontrollbehörde im Raum. Auch die Stadtverwaltung von Birmingham muss sich erklären und hat eine externe Überprüfung des Entscheidungsprozesses in Auftrag gegeben.
Der Fall geht weit über ein einzelnes Fußballspiel hinaus. Er berührt Grundfragen staatlicher Neutralität, den Umgang mit jüdischen Bürgern und die Bereitschaft von Institutionen, Fehler offen einzugestehen. Wenn falsche Informationen ungeprüft in offizielle Berichte gelangen und politische Entscheidungen prägen, leidet nicht nur die Glaubwürdigkeit der Polizei, sondern auch das Vertrauen der betroffenen Gemeinschaften.
Für viele jüdische Briten bleibt der Eindruck zurück, dass ihre Sicherheit nicht nur unzureichend geschützt, sondern politisch missbraucht wurde. Die nachträgliche Entschuldigung ist ein notwendiger Schritt. Sie ersetzt jedoch keine transparente Aufarbeitung. Wer behauptet, im Namen einer Minderheit zu handeln, trägt eine besondere Verantwortung. In Birmingham wurde sie verspielt.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Von Tony Hisgett - https://www.flickr.com/photos/hisgett/54395332895/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=162402581
Samstag, 03 Januar 2026