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Europas gefährlichste Stadt heißt Marseille und das ist kein Zufall

Europas gefährlichste Stadt heißt Marseille und das ist kein Zufall


Der neue Kriminalitätsindex 2026 zeichnet ein düsteres Bild europäischer Metropolen. An der Spitze steht eine Stadt, die für Sonne, Hafenromantik und Kultur steht und zugleich für Drogenhandel, Bandenkriege und Angst im Alltag.

Europas gefährlichste Stadt heißt Marseille und das ist kein Zufall

Der aktuelle Kriminalitätsindex 2026 der Plattform Numbeo sorgt in Europa für Aufsehen. Nicht wegen kleiner Verschiebungen im Ranking, sondern wegen eines klaren, kaum noch zu übersehenden Befunds. Marseille ist laut Wahrnehmung von Einwohnern und Besuchern die gefährlichste Stadt Europas. Eine Stadt, die einst als Tor zum Mittelmeer galt, wird heute mit Angst, Unsicherheit und organisierter Kriminalität verbunden.

Mit einem Kriminalitätswert zwischen 66 und 68 liegt Marseille deutlich vor allen anderen europäischen Großstädten. Der Index basiert nicht auf Polizeistatistiken, sondern auf Befragungen zur subjektiven Sicherheit. Genau darin liegt seine politische Sprengkraft. Denn was Menschen fühlen, bestimmt ihr Verhalten. Ob sie abends noch das Haus verlassen. Ob Familien bleiben oder wegziehen. Ob Touristen kommen oder fernbleiben.

Die Befragten berichten von alltäglichen Sorgen. Drogenhandel in Wohnvierteln. Gewalt zwischen rivalisierenden Gruppen. Vandalismus, Einbrüche, Raub. Viele geben an, nachts nicht mehr allein unterwegs zu sein. Selbst tagsüber wird das Sicherheitsgefühl nur als mittelmäßig beschrieben. Für eine der größten Städte Frankreichs ist das ein Armutszeugnis.

Marseille steht damit stellvertretend für ein tiefer liegendes Problem. Seit Jahren kämpft die Stadt mit kriminellen Netzwerken, die den Drogenhandel kontrollieren. Allein 2023 kamen fast 50 Menschen bei Auseinandersetzungen im Milieu ums Leben. Besonders alarmierend ist die zunehmende Verwicklung Minderjähriger. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Zahl jugendlicher Beteiligter vervielfacht. Eine Generation wächst heran, für die der Weg in die Kriminalität oft näher liegt als der Weg in Ausbildung oder Arbeit.

Frankreich ist im Ranking auffällig stark vertreten. Neben Marseille tauchen Städte wie Grenoble, Montpellier, Lyon, Nantes, Nizza und Paris weit oben auf. Das ist kein statistischer Ausreißer, sondern ein strukturelles Signal. Die Unsicherheit konzentriert sich nicht mehr nur auf einzelne Problemzonen, sondern erfasst zunehmend urbane Zentren.

Auch Großbritannien fällt negativ auf. Birmingham belegt Platz zwei der gefährlichsten Städte Europas. Mit einem Indexwert von rund 63 liegt sie nur knapp hinter Marseille. In Teilen der Bevölkerung ist das Gefühl verbreitet, dass der Staat die Kontrolle über bestimmte Stadtteile verloren hat. Auch Coventry, Bradford, Manchester und sogar London finden sich unter den Top 20.

In London zeigen offizielle Zahlen einen deutlichen Anstieg der Kriminalität über die vergangenen zehn Jahre. Besonders Diebstähle von Mobiltelefonen prägen das Stadtbild. Zwar gab es zuletzt leichte Rückgänge bei schweren Gewalttaten, doch das Sicherheitsgefühl bleibt angeschlagen.

Italien ist mit Naples vertreten, Belgien mit Brüssel und Lüttich, Schweden mit Malmö. Es entsteht ein europäisches Muster. Großstädte, die lange als Motoren von Wirtschaft und Kultur galten, verlieren für viele Menschen ihren Schutzraum.

Wahrnehmung als politischer Faktor

Der Numbeo Index ist nicht unumstritten. Er basiert auf subjektiven Einschätzungen, nicht auf überprüften Polizeidaten. Jeder Nutzer kann Angaben machen, eine vollständige Kontrolle ist nicht möglich. Kritiker warnen daher vor Überinterpretation. Doch genau diese Subjektivität macht den Index relevant.

Denn Politik reagiert nicht nur auf Zahlen, sondern auf Stimmungen. Wenn Menschen sich unsicher fühlen, verändert sich ihr Verhältnis zum Staat. Vertrauen schwindet. Radikale Lösungen wirken plötzlich attraktiv. Der Index zeigt keine juristische Wahrheit, aber eine soziale Realität.

Numbeo selbst weist auf die Grenzen offizieller Kriminalstatistiken hin. Meldesysteme unterscheiden sich von Land zu Land, viele Delikte werden nicht angezeigt, politische Interessen verzerren die Erfassung. Der Index will keine absolute Wahrheit liefern, sondern eine vergleichbare Wahrnehmung.

Für Marseille ist das Ergebnis dennoch verheerend. Eine Stadt mit reicher Geschichte, kultureller Vielfalt und touristischem Potenzial wird europaweit mit Unsicherheit identifiziert. Das wirkt nach innen und nach außen. Investoren zögern. Besucher überlegen. Bewohner resignieren.

Europa steht damit vor einer unbequemen Frage. Wie lange lassen sich soziale Spannungen, Migration, Drogenökonomie und staatliche Überforderung getrennt diskutieren. Der Index 2026 legt nahe, dass diese Themen längst miteinander verschränkt sind.

Sicherheit ist kein Randthema mehr. Sie ist zur zentralen Voraussetzung für Lebensqualität geworden. Marseille ist kein Einzelfall, sondern ein Warnsignal.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert


Mittwoch, 07 Januar 2026

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