Eurovision-Kandidat aus Moldau droht Disqualifikation nach politischer Aussage zu IsraelEurovision-Kandidat aus Moldau droht Disqualifikation nach politischer Aussage zu Israel
Ein Beitrag zur Musik, der zur politischen Bühne wurde. Ein moldauischer Teilnehmer am nationalen Vorentscheid steht vor dem Aus, nachdem er öffentlich politische Botschaften verbreitete und dabei indirekt auf Israel Bezug nahm.
Der Eurovision Song Contest rückt näher, doch in Moldau überschattet eine politische Kontroverse die Vorbereitungen auf den Wettbewerb. Der Sänger Satoshi, Teilnehmer des moldauischen Vorentscheids, könnte von der nationalen Auswahl ausgeschlossen werden. Grund sind politische Äußerungen in sozialen Netzwerken, die nach Auffassung von Beobachtern gegen die strengen Regeln des Wettbewerbs verstoßen.
Satoshi tritt im moldauischen Vorentscheid mit dem Titel Viva, Moldova! an. Für Aufsehen sorgte jedoch nicht sein Lied, sondern ein inzwischen gelöschter Beitrag auf Instagram. Darin schrieb der Künstler unter anderem, er unterstütze keinen „Völkermord“, und erklärte, die Eurovision-Bühne sei aus seiner Sicht ein legitimer Ort für gesellschaftliche und politische Botschaften. In dem Beitrag stellte er einen Zusammenhang zwischen seinen persönlichen politischen Ansichten und seiner Teilnahme am Wettbewerb her.
Besonders brisant war, dass Satoshi den offiziellen Account des Eurovision Song Contest sowie den moldauischen Eurovision-Account direkt markierte. Damit wurde der politische Inhalt ausdrücklich mit dem Wettbewerb verknüpft. Der Post war zeitweise oben in seinem Profil angeheftet, bevor er entfernt wurde.
Klare Regeln, wenig Spielraum
Nach dem Reglement der moldauischen Vorauswahl SelecÈ›ia NaÈ›ională unterliegen alle Teilnehmer vollständig den Regeln der European Broadcasting Union. Diese sehen ein ausdrückliches Verbot politischer, ideologischer oder geopolitischer Botschaften im Zusammenhang mit dem Wettbewerb vor. Jede Zuwiderhandlung gilt automatisch auch als Regelverstoß im nationalen Auswahlverfahren.
Der Verhaltenskodex des Eurovision Song Contest ist eindeutig formuliert. Ziel ist es, die Veranstaltung als kulturelles Ereignis ohne politische Auseinandersetzungen zu bewahren. Künstler dürfen ihre Teilnahme nicht nutzen, um politische Positionen zu propagieren oder internationale Konflikte zu kommentieren. Genau dieser Punkt steht nun im Zentrum der Debatte.
Entscheidung bei Moldaus Rundfunk
Nun liegt der Fall bei der moldauischen Rundfunkanstalt Teleradio-Moldova, kurz TRM. Sie muss entscheiden, ob sie die Regeln strikt anwendet und den Sänger vom Wettbewerb ausschließt oder ob sie einen milderen Weg wählt. Beide Optionen haben politische und mediale Konsequenzen. Ein Ausschluss würde die Linie der Nulltoleranz unterstreichen. Ein Verzicht darauf könnte hingegen als Präzedenzfall wahrgenommen werden, der auch auf europäischer Ebene Diskussionen auslöst.
Schon jetzt ist klar, dass der nationale Vorentscheid in Moldau die Grenzen einer reinen Musikveranstaltung überschritten hat. Die Kontroverse zeigt erneut, wie schnell der Eurovision Song Contest zum Austragungsort politischer Konflikte wird, obwohl sein Regelwerk genau das verhindern soll.
Ob Satoshi weiterhin Teil des Wettbewerbs bleibt, ist offen. Fest steht jedoch, dass die Debatte um Israel und politische Aussagen im Eurovision-Umfeld auch in diesem Jahr nicht verstummen wird.
Autor: Bernd Geiger
Bild Quelle: By Sietske - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=105445819
Freitag, 09 Januar 2026