VAE stoppen Stipendien für Großbritannien, Angst vor Radikalisierung an westlichen UniversitätenVAE stoppen Stipendien für Großbritannien, Angst vor Radikalisierung an westlichen Universitäten
Ein Schritt, der in Europa wie ein Affront wirkt, in Abu Dhabi jedoch als Akt der Selbstverteidigung gilt: Die Vereinigten Arabischen Emirate streichen staatliche Förderungen für Studierende an britischen Universitäten. Der Grund ist brisant: Sorge vor islamistischer Radikalisierung, antisemitischer Ideologie und politischer Indoktrination auf dem Campus.
Was jahrzehntelang als selbstverständlich galt, endet abrupt. Für das akademische Jahr 2026 taucht erstmals keine einzige britische Hochschule mehr auf der offiziellen Stipendienliste des Bildungsministeriums der Vereinigte Arabische Emirate auf. Frankreich, die USA, Australien und sogar Israel bleiben förderfähig - Großbritannien nicht. Damit zieht ein arabischer Staat eine Linie, die westliche Regierungen bislang nicht zu ziehen bereit waren.
Noch im Jahr 2022 erhielten Hunderte Emiratis Visa für ein Studium im Vereinigten Königreich. 2025 waren es nur noch gut 200 - ein Rückgang von mehr als fünfzig Prozent. Nun folgt der politische Schnitt. Offiziell spricht Abu Dhabi nicht von einem Verbot, faktisch aber verlieren Studierende den Zugang zu umfassenden Staatsstipendien, die Studiengebühren, Lebenshaltungskosten, Reisen und Krankenversicherung abdecken. Wer selbst zahlt, darf weiterhin gehen. Wer auf staatliche Unterstützung angewiesen ist, nicht mehr.
Hinter den Kulissen ist die Begründung klar. Emiratische Regierungsvertreter äußerten gegenüber britischen Stellen die Sorge, junge Menschen könnten an britischen Universitäten „radikalisiert“ werden. Gemeint ist nicht irgendeine abstrakte Gefahr, sondern konkret der Einfluss islamistischer Netzwerke, insbesondere der Muslimbruderschaft, die in den Emiraten seit 2014 verboten ist.
Der Campus als politisches Schlachtfeld
Was in London, Manchester oder Leeds als „Aktivismus“ etikettiert wird, wird in Abu Dhabi als ideologische Unterwanderung betrachtet. In den vergangenen zwei Jahren haben sich zahlreiche britische Hochschulen in Arenen aggressiver antiisraelischer Kampagnen verwandelt. Parolen, die Terror relativieren, Boykottaufrufe gegen jüdische Einrichtungen, offene Sympathien für extremistische Narrative all das geschieht nicht am Rand, sondern mitten im akademischen Betrieb.
Emiratische Analysten sprechen von einer „Normalisierung des Extremismus unter dem Deckmantel der Toleranz“. Besonders schwer wiegt aus Sicht der VAE, dass antisemitische Ressentiments nicht sanktioniert, sondern häufig relativiert oder als legitimer Protest umgedeutet werden. Für einen Staat, der Antisemitismus strafrechtlich verfolgt und religiösen Extremismus konsequent unterbindet, ist das ein rotes Tuch.
Der politische Analyst Ahmed Alameri brachte es drastisch auf den Punkt: Ein arabischer Staat müsse inzwischen europäische Universitäten als Radikalisierungsrisiko einstufen. Das sei kein symbolischer Akt, sondern ein Alarmzeichen. Wo klare Grenzen fehlten, entstünden keine freien Denkorte, sondern ideologische Brutstätten.
Großbritanniens politische Blindheit
In Abu Dhabi wird der Schritt auch als Reaktion auf politische Frustration verstanden. Trotz jahrelanger Gespräche habe London keine Bereitschaft gezeigt, entschlossen gegen islamistische Netzwerke vorzugehen. Die britische Regierung unter Keir Starmer gilt in den Emiraten als desinteressiert an einem harten Kurs gegen Extremismus. Die Tatsache, dass die Muslimbruderschaft im Vereinigten Königreich nicht verboten ist, obwohl eigene Untersuchungen ihre Ideologie als unvereinbar mit demokratischen Grundwerten beschrieben haben, verstärkt dieses Misstrauen.
Aus emiratischer Sicht entsteht so ein paradoxes Bild: Westliche Staaten erklären sich zu Vorkämpfern gegen Extremismus, dulden aber auf ihren Universitätscampus Strukturen, die Radikalisierung begünstigen. Für die VAE ist das nicht hinnehmbar - schon gar nicht, wenn es um die Ausbildung der eigenen Jugend geht.
Ein Signal mit globaler Wirkung
Die Entscheidung ist mehr als eine bilaterale Verstimmung. Sie markiert eine Verschiebung im globalen Diskurs. Erstmals sagt ein arabischer Staat offen: Nicht wir, sondern ihr habt ein Problem mit Extremismus. Und es sitzt nicht in Moscheen oder Hinterzimmern, sondern in Seminarräumen, Studierendenvertretungen und vermeintlich progressiven Netzwerken.
Für Großbritannien ist das ein Imageschaden mit Ansage. Universitäten, einst Aushängeschilder liberaler Bildung, werden ausgerechnet von einem muslimischen Staat gemieden, weil sie als ideologisch unsicher gelten. Für die Emirate hingegen ist der Schritt Teil einer klaren Linie: Sicherheit, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Nulltoleranz gegenüber Extremismus stehen über akademischer Tradition oder diplomatischer Bequemlichkeit.
Ob andere Staaten diesem Beispiel folgen, ist offen. Doch eines ist klar: Wenn selbst die VAE sagen, dass westliche Campus ihre Jugend gefährden, dann ist das keine Randnotiz mehr, sondern ein Weckruf.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By D12f05 - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=106141042
Montag, 12 Januar 2026