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Großbritannien erlebt offenen Antisemitismus – ein Minister warnt vor Zuständen wie in den 1930er-Jahren

Großbritannien erlebt offenen Antisemitismus – ein Minister warnt vor Zuständen wie in den 1930er-Jahren


Was lange relativiert wurde, wird nun offen benannt: Antisemitismus ist in Großbritannien kein Randproblem mehr. Ein britischer Minister zieht einen historischen Vergleich, der aufrüttelt – und legt offen, wie tief Judenhass inzwischen in Schulen, Behörden und den Alltag eingesickert ist.

Großbritannien erlebt offenen Antisemitismus – ein Minister warnt vor Zuständen wie in den 1930er-Jahren

Der britische Wohnungsbauminister Steve Reed hat einen Satz ausgesprochen, den man in Europa lange nicht hören wollte. Die Zustände, die jüdische Bürgerinnen und Bürger heute in Großbritannien erleben, erinnerten ihn an Deutschland in den 1930er-Jahren. Es ist kein Satz aus der Opposition, kein Aktivistenruf, sondern eine Warnung aus der Regierung selbst. Und sie kommt spät.

Reed sprach bei einer Veranstaltung der Jewish Labour Movement über konkrete Vorfälle, die belegen, wie normalisiert Ausgrenzung und Einschüchterung inzwischen geworden sind. Ein jüdischer Abgeordneter durfte eine Grundschule in seinem eigenen Wahlkreis nicht besuchen - nicht aus Sicherheitsgründen für ihn, sondern weil Lehrkräfte befürchteten, seine Anwesenheit könne sie „provozieren“. Ein Vorgang, der zeigt, wie Täter und Opfer längst vertauscht werden.

An einer jüdischen Schule wurden Kindern Kekse serviert, geformt wie die Landkarte Israels, verziert mit palästinensischen Fahnen. Was als politische Haltung verkauft wird, ist in Wahrheit Indoktrination. Kinder lernen hier nicht Empathie oder Kritik, sondern, dass jüdische Identität problematisch sei. Dass Israel als jüdischer Staat delegitimiert werden darf. Reed nennt das klar antisemitisch - und hat recht.

Besonders beunruhigend ist die Gleichgültigkeit vieler Institutionen. Reed schilderte, wie er selbst und seine Familie von Demonstranten bedrängt wurden, ohne dass Polizei oder Behörden ernsthaft reagierten. Jüdische Restaurants werden Ziel von Protesten, jüdische Verlage gemieden, jüdische Gemeinden leben hinter Zäunen, mit Sicherheitsschleusen und bewaffnetem Schutz. All das sei nicht normal, sagte der Minister. Und es ist ein Satz, der hängen bleibt.

Was sich derzeit in Großbritannien abzeichnet, ist kein plötzlicher Ausbruch, sondern das Ergebnis jahrelanger Verharmlosung. Antisemitismus wurde umetikettiert, moralisch entschuldigt, politisch instrumentalisiert. Unter dem Deckmantel von Israelkritik haben sich Narrative festgesetzt, die Juden kollektiv verantwortlich machen, ausgrenzen oder einschüchtern. Wer darauf hinweist, wird häufig selbst zum Problem erklärt.

Reed kritisierte auch Kommunalpolitiker und Parteien, die sich in außenpolitischen Boykotten gegen Israel verlieren, statt ihre eigentlichen Aufgaben zu erfüllen. Kommunen haben keine Außenpolitik, sagte er. Doch genau diese symbolischen Beschlüsse schaffen ein Klima, in dem Juden sich zunehmend fremd fühlen im eigenen Land.

Der Vergleich mit den 1930er-Jahren ist kein Gleichsetzen, sondern ein Warnsignal. Damals begann es nicht mit Lagern, sondern mit Ausgrenzung, mit gesellschaftlicher Akzeptanz von Judenhass, mit Wegsehen. Heute zeigt sich, wie schnell demokratische Gesellschaften abstumpfen können, wenn Antisemitismus nicht klar benannt und bekämpft wird.

Dass ein britischer Minister diese Worte findet, ist wichtig. Entscheidend wird sein, ob ihnen Taten folgen. Gesetzliche Klarstellungen, konsequentes Vorgehen gegen antisemitische Hetze, Schutz jüdischen Lebens ohne Relativierungen. Alles andere wäre ein weiteres Signal des Wegschauens.

Denn Antisemitismus ist kein jüdisches Problem. Er ist ein Gradmesser für den Zustand einer Gesellschaft. Und dieser Zustand gibt in Großbritannien derzeit Anlass zu ernster Sorge.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By indigonolan - https://www.flickr.com/photos/200818277@N02/54605793726/, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=175005797


Freitag, 16 Januar 2026

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