Trumps Windkraft Aussagen in Davos sind eine Mischung aus Spott, Unwahrheit und politischer AbsichtTrumps Windkraft Aussagen in Davos sind eine Mischung aus Spott, Unwahrheit und politischer Absicht
„Nur Dumme kaufen Windräder.“ Mit diesem Satz griff Donald Trump in Davos nicht nur eine Technologie an, sondern erklärte gleich einen ganzen Kontinent für naiv. Was folgte, war eine Abfolge von Behauptungen, die weniger über Windkraft aussagen als über Trumps Verhältnis zu Fakten, Industrie und Europa.
Der Auftritt von Donald Trump beim World Economic Forum war bewusst provokant. Trump sprach nicht in Zahlen, nicht in Vergleichen, sondern in Herabsetzungen. Windräder seien „Loser“. Jedes Mal, wenn sich eines drehe, verliere man angeblich 1000 Dollar. China baue sie nur, um sie an „Dumme“ zu verkaufen, während dort selbst keine Windräder zu sehen seien. Dazu kämen tote Vögel und eine angeblich verunstaltete Landschaft.
Diese Aussagen verdienen keine Empörung, sondern eine nüchterne Prüfung. Und genau diese Prüfung zeigt: Keine der zentralen Behauptungen hält stand.
Beginnen wir mit dem wirtschaftlichen Kern. Die Aussage, jedes drehende Windrad verursache Verluste, widerspricht der Realität europäischer Energiemärkte. Windkraftanlagen werden gebaut, weil sie sich rechnen. Sie liefern Strom ohne Brennstoffkosten, sie senken Importabhängigkeiten und sie stabilisieren langfristig Preise. Betreiber investieren Milliarden, nicht aus Ideologie, sondern weil Modelle, Ausschreibungen und Erträge tragfähig sind. Kein Energieversorger würde tausende Anlagen errichten, wenn jede Umdrehung Geld vernichten würde. Diese Logik allein entlarvt Trumps Zahl als frei erfunden.
Auch die Behauptung, China produziere die Windräder für Europa, ist sachlich falsch. Der Großteil der in Europa installierten Anlagen stammt von europäischen Herstellern. Unternehmen wie Vestas, Siemens Gamesa, Enercon und Nordex entwickeln, fertigen und montieren ihre Anlagen überwiegend in Europa. Rotorblätter, Türme, Gondeln und Steuerungssysteme entstehen in Werken in Deutschland, Dänemark, Spanien oder Frankreich. China liefert einzelne Rohstoffe und Vorprodukte, aber keine dominierende Zahl fertiger Anlagen für den europäischen Markt.
Besonders irreführend ist Trumps Behauptung, in China gebe es selbst keine Windräder. Das Gegenteil ist der Fall. China verfügt über die weltweit größte installierte Windkraftkapazität, sowohl an Land als auch auf See. Ganze Regionen sind von Windparks geprägt. Dass Trump diese Anlagen „nicht sieht“, liegt nicht an ihrer Nichtexistenz, sondern an seiner Erzählung. Sie braucht das Bild eines China, das nur produziert und andere abhängig macht. Die Realität passt nicht dazu.
Der Vorwurf der Vogelsterblichkeit wird seit Jahren bemüht, doch auch hier fehlen Proportionen. Moderne Studien zeigen, dass Verkehr, Glasfassaden und Hauskatzen ein Vielfaches mehr Vögel töten als Windkraftanlagen. Die Branche reagiert zudem mit Abschaltsystemen, Standortanalysen und technischen Anpassungen. Der Naturschutz ist Teil der Planung, nicht ihr blinder Fleck. Trumps Aussage klingt dramatisch, verschweigt aber jede Einordnung.
Bleibt das Argument der „Hässlichkeit“. Das ist kein Fakt, sondern Geschmack. Landschaften verändern sich seit Jahrhunderten durch Industrie, Infrastruktur und Städtebau. Wer Windräder ablehnt, darf das sagen. Wer daraus jedoch eine wirtschaftliche oder strategische Unfähigkeit Europas ableitet, verlässt den Boden der Sachlichkeit.
Was Trump in Davos betrieben hat, war keine Analyse, sondern Abwertung. Europa wird als unfähig dargestellt, China als listig, Windkraft als Betrug. Diese Erzählung passt zu Trumps grundsätzlicher Ablehnung erneuerbarer Energien und zu seinem politischen Stil. Sie erklärt, warum Gelächter im Saal zwar hörbar war, aber kaum jemand offen widersprach. Davos lebt von Macht, nicht von Widerspruch.
Faktisch bleibt festzuhalten: Europa ist bei Windkraft kein Opfer chinesischer Industriepolitik, sondern selbst ein globaler Akteur. Die Technologie ist europäisch geprägt, die Wertschöpfung liegt überwiegend in Europa, die wirtschaftliche Logik ist real. Trumps Aussagen waren keine Zuspitzung, sondern eine Verzerrung.
Wer Windkraft kritisieren will, kann das tun. Wer sie pauschal als Produkt für „Dumme“ bezeichnet, verlässt den Raum der Argumente. In Davos wurde das deutlich. Nicht Windräder standen dort schlecht da, sondern der Umgang mit Wahrheit.
Autor: Redaktion
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Mittwoch, 21 Januar 2026